Was ist die Steigerungsform von Pech? Die Frage stellte sich am Samstagabend im Sommercasino. Pech hatte die Basler Band Mantocliff, die als Headliner angekündigt war. Ihre Sängerin Nives Onori fing sich Tage vor dem Konzert eine Angina ein, an einen Auftritt war nicht zu denken. Sehr bedauerlich, denn nach rund 30 Konzerten – darunter auch Ausflüge nach Deutschland, Österreich und Tschechien – hätte das Sextett im Soca einen Schlussstrich unter die Tour, die sein hörenswertes Debütalbum «umbilical» begleitete, gesetzt. Gerne hätte man gehört, wie sich die Formation und ihr ausdrucksstarker Dreampop entwickelt hat.

Basel als hartes Pflaster

Pech hatte aber auch das Soca. Der Club beim Basler Denkmal entschied sich kurzfristig dafür, das Programm zu ändern und einen Ersatz-Headliner ohne regionale Anbindung zu buchen. Ein kühner Entscheid. So kühn wie der Auftritt der ersten Künstlerin an diesem Abend: Jessiquoi, eine junge Australierin, die in Bern lebt und als One-Woman-Show Eindruck macht.

Hinter einem prächtig gestalteten, asiatisch anmutenden Karren bedient sie ihre Tracks, die an die tamilisch-britische Sängerin M.I.A. erinnern. Oft klingen Jessiquois Songs aber auch so, als seien sie die Antwort auf die Antwoord, die schräge Rap-Rave-Band aus Südafrika. Auf jeden Fall alles ganz schön bunt hier: Jessiquoi staffiert ihre tanzbaren Nummern mit einer visuellen Originalität aus, die man in der Schweiz selten zu Gesicht bekommt: Ihr Outfit in allen Neontönen, selbst die Wimpern leuchten im UV-Licht pink, um den Bauch hat sie eine blinkende Fernbedienung geschnallt, mit der sie Stimmeffekte und Loopchanges auslöst. Auf grell folgt schwarz: Das Zürcher Duo JPTR liefert einen interessanten Kontrast zu Jessiquois schrill-leuchtender Ästhetik: Über handgemachten Live-Grooves und auf die Essenz reduzierten Arrangements legt Sängerin Andrina Bollinger ausgetüftelte Melodiebögen. Schade, hat das nur eine Handvoll Besucher erlebt: Basel bleibt für junge Schweizer Bands ein schwieriges Terrain.

Programmchefin hat gekündigt

Das erfuhren auch die Ersatz-Headliner, Peter Kernel aus dem Tessin, deren Post-Pop mitreissende Momente aufwies. Auch wenn die drei Konzerte fürs kleine Publikum ein Gewinn waren: Das Soca hat an diesem Abend zweifelsfrei Geld verloren.

Und zuvor schon seine Programmchefin: Denn im Team gab es in der Sommerpause eine Zäsur: Bookerin Tanya Gavrancic hat nach einer Saison gekündigt. Was ist passiert? Es kam zum Zerwürfnis. Geschäftsführer Mich Gehri spricht auf Nachfrage von «unüberwindbaren Differenzen». Die zweite Saison seit dem Neustart werde nun von einem Kollektiv programmiert, zu dem nebst Gehri auch Yannick Dudeli aus Bern und der Basler Miro Widmer gehören. Gemeinsam streben sie eine Öffnung des Hauses an.

Dazu soll auch die Buvette beitragen, die an den Wochenenden zum Verweilen im Park einlädt. Doch am Samstag regnete es so stark, dass die Apérofreudigen ausblieben: Dabei wäre die Soca-Buvette eine Entdeckung wert, jetzt wo sie endlich offen ist. Eigentlich hätte sie im Frühling aufgehen sollen, doch Rekurse führten zur Verzögerung. Vor zwei Wochen erst konnte Gastrochef Philipp Geisinger den zur Buvette umfunktionierten Bahnwaggon eröffnen.

«Alti Liebi» hat das Soca-Team den charmanten Outdoor-Tresen getauft. Eine alte Liebe ist sie auch, die Villa beim Denkmal, in der so viele Musiker und Musikfans sozialisiert worden sind. Nach rund 100 Veranstaltungen hat der Neubeginn eine erste Zäsur erfahren, es bleibt zu hoffen, dass dieser Samstag kein Omen für die restliche Saison ist.