Chaarts
Die Prinzessinnen sind krank, es leben die Prinzen

Pianist Oliver Schnyder und Geiger Andreas Janke brillieren mit einem wildverspielten Programm mit den Chaarts in Möriken, Boswil und Zürich.

Christian Berzins
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Die CHAMBER AARTISTS (CHAARTS) existieren seit Anfang 2010.

Die CHAMBER AARTISTS (CHAARTS) existieren seit Anfang 2010.

Zur Verfügung gestellt

Mordende Könige und eitle Königinnen, den Falschen liebenden Prinzessinnen und tumbe Prinzen kennen wir von der Oper und vom Ballett zur Genüge. Im Konzertsaal soll es abstrakter zu und her gehen, da herrscht intellektuelle Sachlichkeit vor. Doch von solch alten Sitten lassen sich die Chaarts, die schweizweit agierende Aargauer Kammermusikformation, nicht lenken. Unter der Leitung von Andreas Fleck präsentiert man wildverspielte Programme, in den letzten drei Zyklen blaublütige Helden – mit einem Augenzwinkern: Zur Barockqueen gesellte sich Musik von Queen oder zur Geigenprinzessin Klänge von Popstar Prinz.

So hätte es jedenfalls im letzten, an diesem Wochenende in Zürich, Möriken und Boswil präsentierten Zyklus sein sollen, wären da nicht nacheinander gleich zwei Thronanwärterinnen krank geworden. Doch wo eine Prinzessin ausfällt, war ein Prinz zur Stelle: Andreas Janke heisst er, ist Konzertmeister im Tonhalle-Orchester Zürich und war bereit, nicht nur als Tuttist bei den Chaarts mitzuwirken, sondern auch gleich zwei Solopartien zu spielen: Das Adagio und Rondo Concertante F-Dur D 487 von Franz Schubert sowie Felix Mendelssohns «Konzert für Violine und Klavier».

Famos, welche Sicherheit dieser jungenhafte Geiger mit klarster Tongebung demonstriert. Kein Ton ist da überzuckert oder zu elegisch, sondern gestützt auf ein schnelles Vibrato erschafft Janke eine ungeheure Stabilität, die durchaus die auftrumpfende Geste zulässt, aber auch die Ruhe. Immer ist da Kraft für langsame Bogengeschwindigkeit.

Und ob dieses Solo-Zaubers – vor allem bei Mendelssohn! – konnte man fast vergessen, dass da im Hintergrund Pianist Oliver Schnyder klug die Fäden zog, die Brücken zu den wachen Chaarts schlug. Wohl auch dank ihm fügte sich Janke so gut ein ins Ensemble, haben die zwei doch, verstärkt von Cellist Benjamin Nyffenegger, eben eine prächtige Schubert-CD veröffentlicht.

Doch waren diese zwei Werke der Mittelpunkt des Abends? Chaarts-Konzerte pulverisieren solche Einschätzungen: Der bunte Reigen aus Liedern des Pop-Künstlers Prince war ungewohnt, aber wurde nicht minder eindrücklich überschwänglich dargeboten. Als ein famos beschwingter Konzertauftakt erwies sich aber auch das erste der drei Salzburger Divertimenti von W. A. Mozart: KV 136 erklang draufgängerisch frech und so durchsichtig, dass man jeder Stimme nachhören konnte. Wie fern das doch jenem Klang ist, der da noch auf alten LPs lagert.

CD: Schubert Klaviertrios 1&2, Schnyder, Janke, Nyffenegger, 1 CD, RCA 2013.