Montreux Jazz Festival
Die Alten setzen in Montreux die Latte hoch

Carlos Santana, B. Jazz B. King und John McLaughlin rocken und bluesen am Eröffnungsabend des Montreux Jazz Festival ganz schön forsch. Die jungen Musiker müssen sich ranhalten, um da mitzuhalten.

Mathias Haehl
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Montreux Jazz Festival 2011
22 Bilder
Amerikanische Jazz Gitarrist Lee Ritenour trat in der Stravinski Hall auf
Der legendäre US-Gitarrist B.B. King am Montreux Jazz Festival
Carlos Santana (r.) und John McLaughlin auf der Bühe in Montreux
Der jamaicanische Sänger Jimmy Cliff
US- Bluessängerin Susan Tedeschi
Die Stravinski Halle war auch beim Konzert von Susan Tedeschi prall gefüllt
US-Sängerin Taylor Momsen mit der Band The Pretty Reckless
Raphael Saadiq
Zwei Besucher des Montreux Jazz Festivals versuchen sich im Planking
Französische Sängerin Imany
Der US-amerikanische Gitarrist George Benson war am Dienstag zu sehen
Schottische Sängerin Carly Connor trat ebenfalls am Dienstag in der Stravinski Hall auf
James Blake aus England
Saxophonist David Sanborn
Der Schottische Sänger und Songwriter Paolo Nutini
US-amerikanische Jazz-Sängerin Randy Crawford
Grammy-Award-Gewinnerin Chaka Khan
Pianist Leon Russell stand am Mittwoch auf dem Programm
Ruben Blades
Ricky Martin heizte dem Publikum am Mittwoch ein
Andreas Vollenweider trat in der Miles Davis Hall auf

Montreux Jazz Festival 2011

Keystone

Der Blues-König empfing am Sonntagabend seine Fans standesgemäss: sitzend im Stuhl, seine Gitarre locker im Schoss, um den sich mittlerweile ein beeindruckender Speckgürtel rankt. Da reihten sich selbst Carlos Santana und John McLaughlin mit anderen Gitarristen wie Kings Hofstaat ehrfürchtig um den bestandensten Montreux-Gast, sie setzten sich neben His Majesty und solierten nur dann, wenn B.B. King (85) ihnen mit generösem Kopfnicken die Erlaubnis dazu gab.

Der vierstündige Blues-Reigen war rührend, er ging auch in die Beine – doch Jamsessions wie diese hatte das Montreux Jazz Festival doch schon einige erlebt. Da konnte auch der ergriffene Thuner Blueser Philipp Fankhauser beim 18-köpfigen Schaulaufen keine grossen Akzente setzen.

Ekstatisch und temperamentvoll

Richtig Spass gemacht hatte hingegen der Auftakt des 45. Jazz Festival Montreux am Freitag. Bei seiner «Invitation to Illumination» hatte der Mexikaner Carlos Santana (64) zusammen mit dem Briten John McLaughlin (69) an die Good Old Times des psychedelischen Rock erinnert: Vor 39 Jahren waren beide zusammen beim selben indischen Guru, Sri Chimnoy, und spielten – von Esoterik und Drogengewölk enthemmt – das Album «Love, Devotion, Surrender» ein.

Dieses – nie live aufgeführt – bildete den Grundstein zu einem dreistündigen Konzert, in welchem sich die beiden als ekstatische, muskulöse und vor allem sehr temperamentvolle Musiker erwiesen. Sie liessen dabei zudem die gesamte Musikgeschichte Revue passieren, erwiesen den Montreux-Helden Miles Davis und John Coltrane ihre Reverenz, flochten mal Jimi Hendrix und gar Michael Jackson ein. In ihrem euphorischen Furor baten sie heuer gar erstmals den grössten Musikdoyen der Schweiz, Montreux-Jazz-Gründer Claude Nobs, auf die Bühne: Er solierte auf seiner Bluesharp und strahlte, gerührt und ganz in Weiss wie die Gastgeber.

«Hits»-Abend

Liessen sich Santana und McLaughlin am Freitag reichlich Zeit, duellierten sich erschöpfend auf den Gitarren, liessen die Orgeln jubilieren und Santanas neue Frau, die Jazz-Drummerin Cindy Blackman (51), lustvoll die Felle hauen, so machte Santana an seinem samstäglichen «Hits»-Abend mächtig Druck. Santana ist ja seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, und so sind eine Menge Hits entstanden, und man darf getrost sagen: Songs wie «Black Magic Woman», «Oye Como Va», «Europa» und selbst das poppige «Maria Maria» sind hervorragend gealtert. Diese Latinrock-Party machte grosse Freude.

Die Altherren haben die Latte in Montreux hoch gesetzt – die Jungen wie Rumer und James Blake (beide 5.Juli), Arcade Fire (10.Juli) und Mogwai (13. Juli) sind gefordert.

Montreux Jazz Festival. Bis 16. Juli.

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