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Bastian Baker: Mit Coolness zum Mädchenschwarm

Bastian Baker: Der 22-Jährige ist mit seiner Coolness schon längst zum Mädchenschwarm geworden. HO

Bastian Baker: Der 22-Jährige ist mit seiner Coolness schon längst zum Mädchenschwarm geworden. HO

Der Westschweizer meldet sich mit neuem Album zurück und bleibt sich und seiner Musik treu – und das steht ihm gut. Sicher ist: Dass seine weiblichen Fans auch wieder dahinschmelzen werde.

Zu alt, um jung zu sterben, «Too Old To Die Young», so nennt Bastian Baker sein neues Album (Reinhören auf http://bastianbaker.com/). Darf man das sagen, mit gerade einmal 22 Lenzen auf dem Buckel? Wann müsste man dann sterben, um immerhin noch jung zu sein dabei? «Eigentlich ist man doch ab der ersten Sekunde auf dieser Welt zu alt, um jung zu sterben. Es ist doch viel zu schön hier», sagt Baker bei Schwarztee und Blick auf die Limmat.

Gewiss, er kann nicht klagen. Der Lausanner hat es in den letzten drei Jahren zu Ruhm und Ehre gebracht, hat neben grossem Erfolg in der Schweiz auch in Frankreich und Belgien grosse Konzerte gespielt. Mit über 100 000 verkauften Alben gehört er zu den derzeit erfolgreichsten Schweizer Künstlern, auch pflegte er gute Kontakte zum mittlerweile verstorbenen Montreux-Festival-Gründer Claude Nobs.

Band prominent besetzt

Und jetzt eben «Too Old To Die Young». Das «verflixte zweite Album, diesmal von himmelhohen Erwartungen getrieben statt vom Newcomer-Bonus. «Angst habe ich nicht», sagt Baker selbstbewusst, «Respekt aber schon. Aber ohne einen gewissen Druck kann ich nicht arbeiten.» Und so verschaffte er sich auch eine Druck-Situation bei den Aufnahmen. In knapp zwei Wochen wurde das Album live eingespielt – in einem Studio in England. Mit einer Band bestehend aus lauter Profimusikern, die allesamt schon bei namhaften Bands mitgewirkt haben: Keyboarder und Komponist Toby Smith (Jamiroquai), Schlagzeuger Fergus Gerrand (Duran Duran), Gitarrist und Keyboarder Ken Stringfellow (The Posies) und Bassist David Levy (Chris de Burgh).

«Am ersten Tag war ich etwas schüchtern», so Baker, «doch mit der Zeit bin ich immer selbstbewusster geworden.» Zusammen mit den Musikern hat er sich oft ausgetauscht, er habe an Ideen gefeilt, ein Song sei sogar spontan entstanden. Dem Sound von Baker tut das gut. Er ist direkter noch als auf dem ersten Album. Im zweiten Teil der Platte auch deutlich rockiger, aber immer noch erkennbar als Bastian Baker.

«Ich habe gerade meine Leidenschaft für Folk entdeckt», sagt der Romand, «einfach Gitarre und Gesang. Das hört man auch auf der Platte.» Aber auch vor Experimenten und neuen Instrumenten ist er nicht zurückgeschreckt. Ganz sanfte elektronische Klänge mischen sich neuerdings da und dort in die Songs.

Natürlich bleibt das verhältnismässig immer noch ganz schön brav. Das weiss auch Baker selber. «Viele meiner Fans mögen halt vor allem die Balladen. Mir gefallen die ja auch ganz gut.» Baker scheut sich auch nicht davor, das Wort «Mainstream» in den Mund zu nehmen, wenn er seine Musik charakterisieren soll. Und er schafft es, dabei sogar cool zu wirken.

«Pornos, Pasta & Harry Potter»

Mit ebendieser Coolness ist er längst auch zum Mädchenschwarm geworden. Er ist jetzt eben ein Prominenter – einer, bei dem Musik manchmal zur Nebensache gerät. Am Morgen des Gesprächs ist in einer grossen Zeitung ein Interview mit Baker erschienen. Titel: «Pornos, Pasta & Harry Potter». Fragen zur Musik: Fehlanzeige.

Baker sagt zwar, das «nerve» ihn schon ein bisschen, aber es sei halt so. Die Zeiten hätten sich geändert. «Früher hast du den Rolling Stones einen Brief geschrieben und bekamst nie eine Antwort. Wenn ich heute aber einen Tweet von einem Fan nicht retweete, sind die gleich beleidigt.» Der Kontakt mit Fans sei aber sowieso wichtig und für ihn «eigentlich auch selten störend», parliert er in einem fröhlichen Mix aus Deutsch, Französisch und Englisch.

Klingt alles recht reif und abgeklärt für einen 22-Jährigen. Wer aber auf «Too Old To Die Young» einen erwachsenen Bastian Baker erwartet, der wird enttäuscht. Baker hat mit seinem Händchen für gute Melodien und Lieder einfach dort weitergemacht, wo er mit dem Vorgänger «Tomorrow May Not Be Better» aufgehört hat. Er singt ein bisschen besser, es ist ein bisschen rockiger, aber noch immer hört man eher den jugendlichen Übermut als den nachdenklichen Erwachsenen. Und das, um nicht falsch verstanden zu werden, steht dem Lausanner ganz vortrefflich.

Jetzt gilt es wieder, die Songs auf die Bühne zu bringen. «Teilweise muss ich sie natürlich etwas umarrangieren, da ich ja mit einer anderen Band auf Tour gehe.» In den ersten Reihen werden die Mädchen, die mittlerweile zu jungen Frauen herangereift sind, wieder dahinschmelzen. Und die Säle in der Schweiz dürften bald zu klein werden für Baker. Was hat er denn noch für Ziele? Baker lacht: «Mein Ziel ist immer das Jetzt. Jetzt dieses Interview. Dann schaue ich wieder weiter.»

Bastian Baker: Too Old To Die Young. Phonag.

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