Open Air Basel

Auf die Dudelsäcke folgen die Trip-Hopper

Das Open Air Basel 2015

Das Open Air Basel 2015

Zum Abschluss der Schulsommerferien holt das Open Air Basel die Leute zurück aufs heimische Pflaster. Mit Urban Sounds aus Basel, England und den USA.

Gerade verschwinden die letzten Reste der Basel-Tattoo-Arena auf Militärlastern ins Lager, nun schlägt auf dem Kasernenareal wieder die Stunde für eine andere Art Musik. Diese wird seit nunmehr sechs Jahren durch das Open Air Basel eingeläutet, das den Platz vor dem Kopfbau in einen urbanen Hotspot verwandelt. Traditionell programmiert das Team der Kaserne dafür in erster Linie spannende Acts, die in ihrer Sparte wegweisend sind oder waren, garniert mit dem einen oder anderen bekannten Headliner. Dieses Jahr fällt diese Rolle der Band «Beginner» zu. Gerade erst haben sich die Band-Mitglieder Jan Delay, Denyo und DJ Mad mit dem Song «Ahnma’» zurückgemeldet. Am 26 August folgt dann das neue Album «Advanced Chemistry». Ihr Anspruch ist, Hamburg wieder zur Hauptstadt des Deutschen Hip-Hop zu machen – zwar politisch engagiert und ohne unnötige Gangsta-Plattitüden.

Im Vorprogramm spielt passend dazu Talib Kweli, der Inbegriff des Conscious Rap (bewusster Rap) aus New York. Sein letztes Album von 2015, «F*ck the Money», nimmt er wörtlich, er verschenkt das Geld einfach.

Ob die erste Band am Samstag da mithalten kann, wird sich zeigen. Keyboarder und Ex-Rapper (Kuzco) Benjamin Keys stand schon bei unzähligen Bands hinter den Tasten, und so lädt er eine bunte Schar von Gästen ein, seine «Show» zu zelebrieren.

Am Tag davor beginnt das Konzertprogramm mit «Serafyn» aus Basel, unserem aktuell erfolgreichsten Pop-Export. Es folgt «The cinematic orchestra» rund um Mastermind Jason Swinscoe. Jazz gemischt mit Elektronik, groovy und extrem anspruchsvoll zugleich. Er gilt als Wegbereiter des Trip-Hop, hat aber auch «Der Mann mit der Kamera» (1929) von Dsiga Wertow im Auftrag der Stadt Porto im Jahr 2001 live vertont. Den Freitagabend beschliessen «Battles» aus New York – mit Progressive-Pop der Extraklasse, der allerdings nicht leicht zu konsumieren ist. Wer klassische Gesangparts erwartet, ist hier fehl am Platz.

An beiden Abenden gibt es im Anschluss eine Afterparty in der Kaserne für nur sieben Franken. Davon geht ein Franken an das Projekt Viva con Agua, das sich für sauberes Trinkwasser in armen Weltregionen einsetzt. Mit einem eingeworfenen Pfandbecher kann jeder einen zusätzlichen Beitrag leisten.

Gratis-Tanz für alle

Bevor es jeweils losgeht, lädt die Turbo Audio System Posse zum «Nomi Dance». Von 14 Uhr bis 19 Uhr steht das ganze Areal offen; es darf kostenlos getanzt und relaxt werden, bevor sich dann die Gitter ab 18 Uhr wieder schliessen.

Innerhalb des Festivalgeländes gibt es zwei asiatischen Stände und einen mobilen Pizzaofen, ein Plattenladen bietet Vinyl feil, und Secondhand-Kleidung gibt es auch zu kaufen. Extra für den Singer-Songwriter Nachwuchs steht eine kleine Bühne bereit, organisiert von den Soundkomplizen der Kaserne. Zwischen den Konzerten präsentieren dort «Lonesome Mammal, Manon, Moonpools und Gorki Gagarin» kurze Sets.

Erneut ist es der Festivalleitung gelungen, ein Programm zusammenzustellen, das den Spagat zwischen Publikumswirksamkeit und Anspruch meistert. «Beginner» werden die Ticketverkäufe in die Höhe treiben, während der Freitag etwas für Fans avantgardistischer Klangexperimente sein dürfte.

Nur eine Hoffnung bleibt: Dass es irgendwann wieder möglich sein wird, das ganze Areal offen zu gestalten und die Gitter beiseitezulassen. Aber auch so wird das Festival umgeben sein vom typischen Kasernengewusel von Jung und Alt, zugewandert und alteingesessen, während auf dem Teerplatz die Bühne rockt.

Open Air Basel 12. und 13. August 2016, Kaserne Basel.

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