Weiss leuchtende Lichttrichter, silberne Rückwand und dazu glitzernde Pailletten auf der Haut der Sängerin: Keine Frage, Anna Rossinelli zog es am Samstag Abend in den Club. Nicht nur in Sachen Bühnendesign, sondern auch in Bezug auf ihre Musik. Die hypnotische, elektronische Disconummer «Feel It» erinnerte eher an die erotische Coolness von Molokos Sängerin Roisin Murphy als an die liebliche Unschuld der jungen Anna Rossinelli, als diese für die Schweiz am Eurovision Song Contest ein Liedchen sang.

Weit zurück scheinen sie also, die Anfänge dieses Trios. Die Strassenmusik liegt im Rückspiegel, haben wir vor zwei Monaten verkündet, als das neue Album «White Garden» veröffentlicht wurde. Es ist das urbanste Werk des Trios. Es ist auch das bislang stimmungsvollste.

Dass die Band damit zu ihrer eigenen Stimme im Schweizer Pop gefunden hat, diesen Eindruck gewann man auch an der Albumtaufe im ausverkauften Parterre. Elegant verwob die Gruppe die Freude an elektronischen Klängen mit der Wärme und dem Timbre der melodieangebenden Stimme.

Neue Live-Besetzung

Diszipliniert arrangiert, ausgeklügelt kombiniert: Loops und Keyboards trafen auf synthetische Drumsounds, warme Bassläufe und effektreiche Gitarren. Das klang so abgestimmt, dass man nicht gedacht hätte, dass nebst dem Gros der Songs auch die Besetzung neu war.

Produzent Simon Kistler, der in der Regel am Schlagzeug sitzt, war abwesend – offenbar eine Terminkollision, bei der er seinem anderen Arbeitgeber, Marc Sway, den Vorzug geben musste.

So kam der junge Schlagzeuger Florian Reichle zu seinem Debüt bei Anna Rossinelli, nach gerade mal einer einzigen Probe. Dass es sich hier um eine Aushilfe handelte, war nicht zu hören. Ebenso souverän war auch die Leistung vom zweiten Neuzugang, Benjamin Schmid an den Keyboards.

Die ganze klangtechnische Perfektion hätte mitunter auch klinisch wirken können. Doch zum Glück blitzte da immer wieder mal der Rock’n’Roll auf, den Anna Rossinelli zwar nicht in der Musik, aber ein bisschen im Herzen trägt: Das spürte man in ihren ungefilterten, spontanen Ansagen, die immer auch einen Schuss Unberechenbarkeit enthielten. «Uff ist es heiss hier», sagte sie einmal, «zum Glück haben wir ein Deo dabei... ich hoffe, ihr auch!»

Solche Auflockerungen schienen auch ihr selber gut zu tun, war sie doch zu Beginn des Konzerts noch arg in Konzentration versunken. Warum sie die Augen so oft schloss? Weil ihr viele Gesichter vertraut waren, wie sie in einer Ansage offenbarte: «Es ist komisch, hier oben zu stehen und auf euch runterzuschauen: Mit euch esse ich sonst Znacht oder kiffe ein Jointli.»

Es gab auch Auflockerungen musikalischer Art: Die countryeske Ballade «Reconcile» (vom Album «Marylou Two») bildete in Sachen Kontrastprogramm das Highlight. Wunderbar, wie gefühl- und stimmungsvoll es die Sängerin zusammen mit Manuel Meisel an Gitarre und Gesang völlig unplugged auf die Bühne brachte.

Weniger stilsicher fügten sich die Songs ihres Albums «Bon Voyage» ins neue Konzept ein. Sowohl «No One» als auch «See What You’ve Done» haftete etwas Altbackenes an (nicht nur, weil sie wie B-Seiten von Vaya Con Dios klangen), ja, etwas Circensisches gar. Dabei braucht diese Band doch keine Manege sondern Clubkonzerte.

Dafür ist sie bereit. Ein bisschen ernüchternd ist hingegen der Blick auf den Tourplan: Da finden sich bislang kaum Termine. Der nächste Gig folgt gemäss Webseite erst am 29. Juni, am Summerstage in Basel. Was die Quantität an Konzerten angeht, ist also noch ordentlich Luft nach oben.