Offener Brief

Aargauer Kuratorium hat Kunstpreis aus Überzeugung verliehen

Die Jazzmusikerin Co Streiff mit ihrem Alt-Saxofon.

Die Jazzmusikerin Co Streiff mit ihrem Alt-Saxofon.

Das Aargauer Kuratorium nimmt Stellung zur Berichterstattung über den Kunstpreis des Kantons Aargau und die Preisträgerin Co Streiff.

Die kritische Berichterstattung der az zur Verleihung des Aargauer Kunstpreises an die Saxofonistin Co Streiff hat eine Vielzahl irritierter Reaktionen hervorgerufen. Sie veranlassen das Aargauer Kuratorium zu einer Stellungnahme. Der Kunstpreis des Kantons Aargau verschafft einem Werk von anerkannter Qualität, Dichte und Kontinuität jene grosse Bühne, die es verdient, aber im Alltag nicht ohne weiteres bekommt.

Wenn das Aargauer Kuratorium in der alltäglichen Förderung zukunftsgerichtet jene unterstützt, die ein Projekt realisieren möchten, ist der Kunstpreis also vielmehr retrospektive Anerkennung für solche, die bereits ein künstlerisches Schaffen von Bedeutung vorzuweisen haben. Das Aargauer Kuratorium hat unter Berücksichtigung dieser Kriterien die höchste kulturelle Auszeichnung des Aargaus mit grosser Überzeugung an Co Streiff verliehen. Dank Konzentration, Beharrlichkeit, Eigensinn und Traditionsbewusstsein ist sie zu einer der bedeutendsten Schweizer Jazz-Musikerinnen geworden. Der Bericht in der Aargauer Zeitung wertet eine verdiente Musikerin persönlich ab, nur weil sie, wie übrigens die meisten Jazzmusiker, sich noch ein anderes finanzielles Standbein aufgebaut hat. Diese Aussage geht von einem romantischen und anachronistischen Künstlerbild aus. Das Aargauer Kuratorium beurteilt jedoch die künstlerische Qualität eines Werks – und nicht die Lebensumstände einer Künstlerin (die uns allerdings durchaus bekannt waren). Eine Künstlerin bleibt selbstverständlich weiterhin eine Künstlerin, und damit potenziell auszeichnungswürdig, auch wenn sie nach Jahrzehnten freien Schaffens noch einer anderen Tätigkeit nachgeht.

Es ist mutig, dass Co Streiff in ihrer Rede an der Kunstpreisfeier auch die Schattenseiten der Künstlerinnenexistenz thematisierte und die ökonomischen Aspekte, welche viele andere Kunstschaffende auch umtreiben, nicht unerwähnt gelassen hat.

Rolf Keller, Präsident
Peter Erismann, Geschäftsführer

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