Frauenfeld & Münchwilen

50 Diebstähle, 23 Festnahmen und zwei kleine Brände: Behörden ziehen ein erstes Fazit zum Open Air Frauenfeld

Das diesjährige Open Air Frauenfeld ist Geschichte: Zeit für eine Bilanz. Während sich die insgesamt 180'000 Besucherinnen und Besucher über alle vier Festivaltage längst zu Hause erholen, ziehen die Behörden ein erstes Fazit. Die Polizei verzeichnet zahlreiche Straftaten. Das Militär erteilt eine klare Absage. Und die Stadt zeigt sich erfreut.

«Das Festival verlief ruhig und mehrheitlich friedlich», resümiert Polizeisprecher Matthias Graf. Beim Festivalposten wurden bis am Samstagabend rund 50 Diebstähle angezeigt. «Bei den meisten handelt es sich um aus Zelten gestohlene Wertsachen», meint Graf. Von regelrechten Diebesbanden weiss er nichts. Aber die Zahl der Diebstähle könnte in den nächsten Tagen noch steigen, wenn Besucher an ihren Wohnorten Anzeige erstatten sollten.

Matthias Graf, Mediensprecher Kantonspolizei Thurgau.

Matthias Graf, Mediensprecher Kantonspolizei Thurgau.

Insgesamt nahm die Polizei 23 Personen fest, drei davon kamen in Gewahrsam. Neun Personen verhaftete die Polizei, weil sie Diebesgut bei sich hatten oder in flagranti erwischt wurden. Bei acht Personen stellten die Polizisten mehrere Portionen Betäubungsmittel oder grössere Mengen Bargeld fest. Es sei definitiv nicht so, dass Patrouillen bei Drogenkonsumenten Augen zugedrückt hätten. Graf meint:

Drei Personen verhaftete die Polizei wegen Tätlichkeiten beziehungsweise einfachen Körperverletzungen. Von Massenschlägereien hat Graf keine Kenntnis. «Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen», sagt er. Die Sanität zählte während des Open Airs 2000 Konsultationen. 96 Festivalbesucher mussten ärztlich behandelt werden, bei knapp der Hälfte der Fälle verwiesen die Ärzte die Patienten ins Spital. «Meistens handelte es sich um Alkohol- oder Drogenvergiftungen», hält Graf fest.

Die Feuerwehr Frauenfeld musste wegen zwei kleinen Bränden eingreifen, die jedoch als banal eingestuft werden konnten. Wegen der rund 7000 benutzten Parkplätze beim Festivalgelände kam es zudem im Raum Frauenfeld teils zu grösseren Verkehrsbehinderungen.

Gelände lässt keinen weiteren Grossanlass mehr zu

Ein positives Fazit zieht auch Waffenplatzkommandant Felix Keller im Namen der Armasuisse als Grundeigentümerin der Allmend. Keller machte sich – notabene für einmal ohne Tarnanzug – selbst ein Bild innerhalb des Open-Air-Geländes. «Wir blicken auf ein grundsolides Festival mit einer zufriedenen Stimmung zurück», meint er. Erfreut zeigt sich Keller an der Durchsetzung der strikten Trennung zum Naturschutzgebiet sowie an der «besonders positiven Zusammenarbeit mit den Blaulichtorganisationen und dem OK».

Felix Keller, Kommandant Waffenplatz Frauenfeld.

Felix Keller, Kommandant Waffenplatz Frauenfeld.

Jetzt müsse der Veranstalter, wie im Handbuch und im Rückgabeplan festgelegt, das Gelände rasch wieder aufräumen. «Das hat aber in den vergangenen Jahren immer einwandfrei funktioniert», meint Keller. Von den Dimensionen hätten die Veranstalter das Limit längst erreicht. Obwohl die Idee so nie an Keller selbst oder Armasuisse-Vertreter herangetragen wurde: Eine zweite Veranstaltung in diesem Ausmass wird es auf der Allmend nicht geben. «Das geht aus zwei Gründen nicht», meint Keller. Einerseits wegen der militärischen Nutzung und andererseits, weil sich der Boden zuerst wieder erholen müsse.

Kapazitätsgrenzen in der Stadt nicht übertroffen

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Für die Stadt Frauenfeld ist und bleibt das Open Air ein Glücksfall. «Der Name Frauenfeld ist dank eines erfolgreichen Festivals einmal mehr positiv in die Welt hinaus getragen worden», meint Stadtpräsident Anders Stokholm. Klar gebe es gerade in den sozialen Netzwerken hie und da kritische Töne. «Ich habe aber sonst nur eine Reklamation erhalten», meint er. Die Konzerte von Bonez MC & RAF Camora sowie Marteria & Casper am Samstagabend erlebte Stokholm von der Deluxe-Tribüne aus. Er meint:

Zusammenfassend zieht Stokholm eine positive Bilanz. Selbst in der Innenstadt seien die Kapazitätsgrenzen höchstens am Bahnhof oder bei den beiden Autobahnausfahrten kurzzeitig erreicht worden, meint Stokholm:

Einmal mehr hätten die Veranstalter aufgezeigt, dass mit dem aktuellen Festivalkonzept und dem Standort mehr nicht geht. «Das OK hat bewiesen, dass es weiter am Eventfaktor arbeitet», meint Stokholm und erwähnt etwa die Wasserrutsche Thunderstorm. Zu Plänen für eine mögliche Vergrösserung oder Verlängerung des Open Airs sagt er: «Wir müssen aufpassen und das Interesse der Bevölkerung nach Ruhe genügend hoch gewichten.»

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