Jubiläums-Show

Musical-Premiere: Rolf Knies Geschenk an den Zirkus

Sänger, Tänzer, Tiere und Artisten: Auf der Bühne des Knie-Musicals herrscht durchgehend viel Betrieb. Lukas Pitsch

Sänger, Tänzer, Tiere und Artisten: Auf der Bühne des Knie-Musicals herrscht durchgehend viel Betrieb. Lukas Pitsch

Im Knie-Musical überzeugen die Zirkus-Performances mehr als der musikalische Teil.

Er hat sich Grosses vorgenommen: Innerhalb von drei Jahren wollte Rolf Knie die bewegte, 200-jährige Geschichte seiner Familie auf die Bühne bringen. Als Musical-Spektakel, gepaart mit Zirkus-Elementen.

Am Dienstag war es nun so weit: Knie präsentierte sein Werk einem prominent besetzten Premierenpublikum und der versammelten Presse. Die Leute würden lachen und weinen, versprach Knie im Voraus. Musical-Fans würden genauso auf ihre Kosten kommen wie Zirkus-Begeisterte. «Es werden Welten aufeinanderprallen.»

Man kommt fast nicht mehr mit

Die Zuschauer auf dem Air Force Center in Dübendorf lernen als erstes Friedrich Knie kennen, den Begründer der Zirkus-Dynastie. Um Artist zu werden, sagt er sich von seinem Vater los, dem Leibarzt der Kaiserin von Österreich. Schon in dieser ersten Szene zeigt sich, was Rolf Knie mit seinen Ankündigungen meinte: Ein schwebender Flügel, der sich mitsamt dem Pianisten kopfüber dreht, gehört nicht zum klassischen Musical-Repertoire. Das ist Zirkus pur. Darsteller und Artisten liefern eine Show ab, die sich sehen lässt. Spektakuläre Zaubertricks, Hochseil-Artisten, Jonglier-Nummern über das Publikum hinweg. Dazu kommen eindrückliche Kostüme und rassige Tanz-Nummern. Auf der Bühne im Zelt passiert so viel, dass man als Betrachter fast nicht mehr mitkommt.

Eine Gruppe von Artisten begleitet die Knie-Familie durch ihre ganze Geschichte: Der kleinwüchsige Pipo und das Showgirl Nina führen durch die Generationen. Vom Gründerpaar Friedrich Knie und Antonia Stauffer über Marie Knie und ihre Söhne, die sich im Jahr 1900 in der Schweiz niederliessen und auf Pump das erste Zirkuszelt kauften. Bis hin zu Fredy Knie Senior, der dafür sorgte, dass der Circus Knie nach einigen schwierigen Jahren in der Schweiz wieder einen Namen bekam. Die Stationen der musikalischen Reise sind überraschend gewählt und lassen auch die dunklen Kapitel der Familiengeschichte nicht aus. Zum Beispiel den Abstieg von Eugen Knie, einst ein grosser Star auf dem Seil. Mit den Veränderungen Anfang des 20. Jahrhunderts kam er nicht klar und rutschte in die Alkoholsucht ab. Oder die grosse Indien-Show 1935, die viel kostete und am Ende beim Publikum erfolglos blieb.

Während die Inszenierung an Show-Einlagen und Effekten vieles bietet, lässt sie musikalisch teilweise etwas vermissen. So wirken manche Texte wie zusammengewürfelte Sätze und Satzfragmente, die am Ende nicht ganz rund sein wollen. Auch die Figuren von Alexander Klaws (Friedrich Knie) und Judith Jandl (Antonia Stauffer) werden so wenig greifbar und die beiden Künstler vermögen – obwohl sie sauber performen – nur wenig zu berühren.

Positiv aufgefallen sind hingegen Opernsänger Florian Schneider als trauernder Vater Knie sowie Brigitte Oelke als die kämpferische Mutter Marie Knie, deren emotionale Auftritte im Gedächtnis bleiben. Ebenfalls beeindruckend war die Leistung der Basler Musicaldarstellerin Nadja Scheiwiller. Als Showgirl Nina ist sie praktisch durchgehend auf der Bühne zu sehen und macht die ganze Entwicklung der Knie-Familie mit. Sie überzeugt tänzerisch, gesanglich und artistisch: Performt sie doch eine Nummer am Aerial Silk und singt dabei kopfüber ihren Text.

Zirkus überstrahlt Musical

Am Ende der Vorstellung gibt es Standing Ovations vom Premierenpublikum. Bis auf einige kleine Pannen und ärgerliche Versprecher lief alles glatt. Rolf Knie, der am Premieren-Tag eine Weste mit farbigen Autos trägt, wirkt überwältigt und hält sich mit seiner Ansprache kurz. Mit seinem Musical wolle er dem Zirkus, der ihm selbst so viel gegeben hat, etwas zurückgeben.

Knie hat etwas Neues gewagt und zwei Kunstformen miteinander verbunden. Entstanden ist ein unterhaltsames Programm aus zwei Welten, ein Feuerwerk auf der Bühne, das manchmal an Reizüberflutung grenzt. Und vielleicht spricht es auch für die Familie Knie, dass der Zirkus in diesem Fall heller strahlt als das Musical.

Knie – Das Circus Musical Air Force Center in Dübendorf, noch bis zum 3. Mai 2019. Danach weitere Aufführungen in Bern und Basel.

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