Solothurner Literaturtage

Leiterin über geplantes Online-Festival: «Wir brauchen dringend den April, um die Formate zu entwickeln»

Reina Gehrig, abtretende Leiterin der Solothurner Literaturtage.

Reina Gehrig, abtretende Leiterin der Solothurner Literaturtage.

Die Solothurner Literaturtage, das grösste Literaturfestival der Schweiz, findet in diesem Jahr nur online statt. Die abtretende Geschäftsführerin Reina Gehrig sagt, wie das funktionieren könnte. Und warum es dennoch eine Hoffnung gibt, ein paar Autoren dieses Jahr analog zu erleben.

Reina Gehrig, warum haben Sie schon acht Wochen vor den Literaturtagen die Verlagerung ins Internet beschlossen?

Reina Gehrig: Es war ein schwieriger Entscheid, den wir aufgrund der unsicheren Prognose zusammen mit Stadt und Kanton Solothurn gefällt haben. Wäre der Entscheid erst Ende April gefallen, hätten wir die Literaturtage wohl ersatzlos absagen müssen. Das wollten wir unbedingt verhindern. Jetzt haben wir die Möglichkeit, in den kommenden acht Wochen eine andere Form für das Festival zu entwickeln. Das Wichtigste ist ja, dass die Autorinnen und Autoren diese Plattform erhalten und dass wir unseren Werten, also der Vermittlung des zeitgenössischen Schweizer Literaturschaffens, treu bleiben.

Ein Teil ihres Stammpublikums ist im Risikoalter. Sie hätten mit einem Besucherrückgang rechnen müssen.

Das ist uns bewusst und der Schutz unseres Publikums ist uns wichtig. Es war aber nicht der Hauptgrund. Und falls dann tatsächlich der Ausnahmezustand Ende April aufgehoben wird, organisieren wir vor Ort begrenzt auf einen Tag ein spezielles Programm, zum Beispiel mit Lesungen auf der Gasse.

Tragen Stadt und Kanton Solothurn das Defizit?

Wir streben eine ausgeglichene Rechnung an. Dies ist nur möglich, weil der Kanton und die Stadt Solothurn entschieden haben, auch bei abgesagten Kulturveranstaltungen die gesprochenen Beiträge auszuzahlen.

Erhalten die Autorinnen und Autoren ein Ausfallhonorar?

Sie, wie auch die eingeladenen Übersetzerinnen und Übersetzer, erhalten das vereinbarte Honorar und werden in einer anderen Form in die Onlineliteraturtage eingebunden. Sie sind das Herzstück des Programms.

Dann liegt die Einsparung für die Literaturtage bei Technik- und Hotelkosten?

Ja, das ist so. Die Idee ist, dass wir am Ende finanziell auf eine schwarze Null kommen.

Das Online-Literaturfest klingt etwas abenteuerlich. Werden nun gefilmte Lesungen vorproduziert?

Nein. Wir wollen bewährte Formate unserer Literaturtage auf Online übersetzen. Also über Videokonferenzschaltung mit Moderation und Diskussion. Zum Beispiel beim Format Club+: Da kann man sich vorgängig ein Buch zuschicken lassen und am Festival mit Autorin und Moderator in einer Liveschaltung mitdiskutieren. Zuhören kann man bei jeder Veranstaltung.

Wie weit ist die Planung?

Ganz am Anfang. Wir brauchen dringend den April, um die Formate zu entwickeln.

Wird das Festival nun gratis?

Im Moment sieht es danach aus.

Das Herz der Literaturtage sind Begegnungen neben den Lesungen. Gibt es dafür rein Ersatz, etwa einen Blog?

Das hatten wir uns auch überlegt. Aber wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln. Ich vermute, dass wir dafür keinen Platz haben werden. Es ist nicht möglich, dass ein Onlineliteraturfest die Solothurner Literaturtage vollständig ersetzt. Aber der Austausch soll auf jeden Fall Bestandteil sein.

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Autor

Hansruedi Kugler

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