Kolumne

«Künzlis Playlist»: Vor genau 50 Jahren begann eine neue Ära der Musikgeschichte

Stefan Künzli

Stefan Künzli

Unser Kulturredaktor schreibt in seiner aktuellen Kolumne über das Jahr 1970, in dem der Musikstil rauer und aggressiver wurde.

Die Auflösung der Beatles, der Tod der Hippie-Helden Jimi Hendrix und Janis Joplin vor 50 Jahren markierten das traurige Ende einer Epoche. Wie die Wahl von Nixon zum Präsidenten und die Tragödie von Ohio, wo die Polizei einen protestierenden Studenten erschoss, zerstörte es alle Illusionen einer Welt in Liebe und Frieden. «Gimme Shelter» sangen die Rolling Stones für eine sich zurückziehende, Schutz suchende Generation. Und Simon & Garfunkel lieferten mit «Bridge Over Troubled Water» den passenden, Trost spendenden Soundtrack zur Zeitenwende.

Aber das Jahr 1970 war nicht nur Endpunkt. Aus der Asche der Hippiezeit entwickelte sich eine Vielzahl musikalischer Neuerungen einer Ära, die bis heute anhält. Der Supergroup Crosby, Stills, Nash & Young wurde zugetraut, das Erbe der Beatles anzutreten. Sie trafen den Nerv einer desillusionierten Generation und bereiteten mit ihrem Soft Rock den Weg für die Eagles und für Fleetwood Mac.

Der politische und gesellschaftliche Wind wurde rauer, die Ausdrucksmittel der Musik härter, lauter, aggressiver und komplexer. Black Sabbath legten 1970 mit «Paranoid» die Basis für Heavy Metal, und «Deep Purple In Rock» wurde ein Klassiker des Hard Rocks. Mit «Child In Time» schlug die Band gleichzeitig eine Brücke zum tonangebenden Progressive Rock mit Bands wie King Crimson oder Genesis mit Peter Gabriel.

Einen markanten Richtungswechsel vollzog damals auch Motown. Bisher strikt unpolitisch, stimmte das Soul-Label mit dem Song «War» in der Version von Edwin Starr in den Chor des Vietnam-Protests ein und hatte sogar Erfolg.

Pop wurde wie nie zuvor zum Chronisten der Zeit und des Zeitgeschehens. 1970 ist aber auch das Jahr der musikalischen Umbrüche. Epochal die erste Rock-Oper «Tommy» von The Who, die Hinwendung von Miles Davis zum Rock- und Electric-Jazz in «Bitches Bres», «Black Magic Woman», Santanas Klassiker des Latin Rock, sowie «Venus», der erste kontinentaleuropäische Song, der die Spitze der US-Charts schaffte. Die neue Ära der 70er.

The Beatles: Let It Be

Jimi Hendrix: Voodoo Child

Simon & Garfunkel: Bridge Over Troubled Water

Rolling Stones: Gimme Shelter

Crosby, Stills, Nash & Young: Our House

Crosby, Stills, Nash & Young: Ohio

Black Sabbath: Iron Man

Black Sabbath: Paranoid

Deep Purple: Speed King

Deep Purple: Child In Time

King Crimson: The Devil’s Triangle

Genesis: Looking For Someone

The Who: Pinball Wizard

Santana: Black Magic Woman

Miles Davis: Bitches Brew

Edwin Star: War

Shocking Blue: Venus

Folgen Sie Stefan Künzli auf Spotify für mehr:

Verwandtes Thema:

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

Meistgesehen

Artboard 1