Klassik
Lucerne Festival ist so farbig wie nie zuvor – auch dank einem Star aus Südafrika

Mit dem Motto «Diversity» setzt das Lucerne Festival vom 9. August bis 11. September ein Zeichen für Chancengleichheit mit einem Fokus auf Frauen und «People of Color» sowie zwei dunkelhäutigen Künstlern als «Artiste étoile». Mit dem Erscheinen des Programmbuchs beginnt der Kartenverkauf am 29. März.

Urs Mattenberger
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Golda Schultz wird als einer von zwei «Artiste étoiles» das diesjährige Festival stark mitprägen.

Golda Schultz wird als einer von zwei «Artiste étoiles» das diesjährige Festival stark mitprägen.

Bild: PD

Bei der Präsentation des Programmbuchs im industriellen Ambiente der «Sinnlicht»-Räumlichkeiten in Luzern gab es am Montag etliche Ergänzungen zum bereits publizierten Vorprogramm. Eine davon ist die als «Artiste étoile» eingewechselte südafrikanische Sängerin Golda Schultz. Als Opernstar ist sie auf internationalen Bühnen zu Gast, in Luzern tritt sie mit dem Mythen Ensemble Orchestral und Graziella Contratto auf, singt die Clara in Gershwins «Porgy And Bess» mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und beschliesst ihre Residenz mit einem Liedrezital, das sie ausschliesslich Komponistinnen widmet. Für ihr Engagement für Frauen und ethnische Minderheiten steht ihre Mitwirkung beim NZZ Podium am Lucerne Festival. Der zweite «Artiste étoile» ist, wie bereits bekannt, der New Yorker Tyshawn Sorey. Der Schlagzeuger, Pianist, Posaunist und Komponist ist Grenzgänger zwischen Jazz und zeitgenössischer Komposition und arbeitet auch mit Orchestern mit Improvisation und offenen Spielanweisungen.

Multiinstrumentalist zwischen Jazz, Klassik und Improvisation: «Artiste étoile» Tyshawn Sorey.

Multiinstrumentalist zwischen Jazz, Klassik und Improvisation: «Artiste étoile» Tyshawn Sorey.

John Rogers

Diversität spiegelt sich auch in den verschiedenen Jugendformationen, die zum Auftakt des Festivals auftreten. So tritt Chi-chi Nwanoku im ersten Konzert am 9. August mit ihrem Chineke! Orchestra auf. Nwanoku war eine der Künstlerinnen, die an der Medienkonferenz präsent war. Sie berichtete von der Skepsis, die ihr entgegenschlug, als sie das ethnisch durchmischte Ensemble in England gründete. Für viele passten «People of Color» und klassische Musik einfach nicht zusammen, sie dagegen störte sich daran, dass klassische Orchester die Diversität in der Gesellschaft nicht widerspiegelten. Das Lucerne Festival setze deshalb mit seinem Motto «ein enormes Statement in die Welt hinaus». Weitere Jugendformationen sind das National Youth Orchestra of the USA, ein Orchester des 2015 in São Paulo begründeten Festivals und Sozialprojekts Ilumina sowie Chor und Orchester von Superar Suisse.

In den Sinfoniekonzerten gastieren 18 Orchester in Luzern, neben den Berliner und den Wiener Philharmonikern sowie dem Royal Concertgebouw Orchestra kommen erstmals wieder zwei Orchester aus den USA (Cleveland, Philadelphia). Musiker des Lucerne Festival Orchestra bestreiten unter Chefdirigent Riccardo Chailly und Gastdirigent Jakub Hrůša acht Veranstaltungen unter anderem mit Werken von Rachmaninow, Dvořák und Mahler. Akzente in der Sparte «Contemporary» setzt der «Composer in Residence» Thomas Adès unter anderem mit einem multimedialen Klavierkonzert und einem Violinkonzert für Anne-Sophie Mutter. Die runden Geburtstage von Wolfgang Rihm (70) und Dieter Ammann (60) prägen ebenfalls mehrere Konzerte. Von Rihm erklingt im Eröffnungskonzert eine Uraufführung, von Ammann wird nach coronabedingten Verschiebungen endlich sein international gefeiertes Klavierkonzert in Luzern gespielt.

Mit der Liveübertragung des Eröffnungskonzerts auf dem Inseli, der Gratisreihe «40min», dem Strassenfestival und Familienkonzerten sind wiederum offene Formate für ein breites und jüngeres Publikum vertreten.

Der Kartenverkauf beginnt am 29. März online und am 31. März schriftlich und telefonisch (041 226 44 80); www.lucernefestival.ch.