Jugendorchester
Hier üben künftige Klassik-Stars für den grossen Auftritt

Einmalig im Kanton Aargau: In Seon gibt es eine neue Musikalische Sommerakademie für Kinder und Jugendliche. Fränzi Frick, Intendantin der Lenzburgiade, leitet sie mit viel Engagement.

Anna Raymann
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An der Sommerakademie üben schon die Kleinsten mit grösstem Ernst.

An der Sommerakademie üben schon die Kleinsten mit grösstem Ernst.

Fabio Baranzini

Selbst wenn man nicht wüsste, wo die reformierte Kirche liegt, würde man sie finden, wird man doch von Klängen geleitet: Die Musikalische Sommerakademie Seetal für 32 Kinder und Jugendliche von sieben bis 20 Jahren hat von Seon Besitz genommen. Dass dieser Ort zum Zuge kommt, ist nicht zufällig. Einerseits gründete der Cellist Benjamin Nyffenegger hier die Seetal Classics, in deren Rahmen die Akademie stattfindet; anderseits weist die Kirche eine exzellente Akustik auf, die früher grosse Interpreten sowie Plattenlabels für Aufnahmen anlockte.

Das muss die Kinder, die an diesem Morgen zwei Stücke für Orchester proben, nicht kümmern. Sie folgen gebannt dem, was die Aargauer Geigerin, Pädagogin und Lenzburgiade-Leiterin Fränzi Frick ihnen vorlebt. Sie ist mit vollem Einsatz dabei. Da schnellt der Bogen in die Höhe, da wird vor einem Neubeginn hörbar geschnauft, da werden Begriffe wie Accelerando und Flautando locker eingestreut. Das Ganze ist ein Spiel, das mit ergreifender Ernsthaftigkeit betrieben wird. «Es macht so viel Spass», sagen Jolanda und Tobias, Bratsche und Salomé, Violine, ergänzt: «Ich freue mich über das Zusammenspiel».

Musikalische Experimente und neue Freundschaften

Was Salomé schon kennt, das Komponieren, ist für Greta Neuland. Tags zuvor hat sie ihr erstes kleines Stück geschrieben – und nun spielt sie erstmals in einem Orchester. Fränzi Frick weiss aus eigener Erfahrung, «welch toller Einstieg das Spielen in einem Ensemble ist. Man lernt ‹Gschpänli› kennen und schliesst Freundschaften.»

Das Ensemble übt für das Abschlusskonzert in der reformierten Kirche Seon.

Das Ensemble übt für das Abschlusskonzert in der reformierten Kirche Seon.

Fabio Baranzini

Fränzi Frick sowie Kateryna Timokhina (Violine), Stephanie Haensler (Komposition, Violine) und Daniel Schärer (Violoncello) verstehen die Musikalische Sommerakademie primär als Jugendarbeit. Fränzi Frick verweist auf die vielen begabten Kinder, die stets alleine zu Hause üben. «Doch hier erleben sie Gemeinschaft.» Diese sowie den Kosmos Musik, der sich trotz dichtem Tagesablauf mit Theorie, Musikgeschichte, Komposition auch in einer Schnitzeljagd oder mit Malen zu einer Komposition wie etwa Claude Debussys «Claire de Lune» Bahn bricht.

Akademie-Leiterin Fränzi Frick ist mit vollem Einsatz dabei.

Akademie-Leiterin Fränzi Frick ist mit vollem Einsatz dabei.

Fabio Baranzini

Dass Lob dazu gehört, versteht sich. «Ihr seid ein Superorchester», sagt Fränzi Frick, was begeistert aufgenommen wird. Kein Wunder, der Anfang des mexikanischen Stücks war ja auch «sackschwer». Auch die Pizzicato-Polka von Johann und Joseph Strauss ist kein Kinderspiel; doch das mit Jugendlichen besetzte Doppelquartett meistert das Stück wunderbar – vielleicht auch deshalb, weil alle wissen: Danach steht Marchettis «Fascination» auf dem Programm. Was für eine Musik! Süchtig machend und nach einem Film schreiend. Den haben wir aber schon: «Love in the Afternoon» mit Gary Cooper und Audrey Hepburn.

Die Besucherin lauscht und möchte wieder ein Kind sein. Dann würde sie bestimmt an der Musikalischen Sommerakademie Seetal teilnehmen. Ein Kind kann die Hörerin zwar nicht mehr werden, dafür eine Besucherin, die in den Genuss der Abschlusskonzerte kommen will.

Abschlusskonzerte: 24. Juli, reformierten Kirche Seon. Die Kinder spielen um 15 Uhr, die Jugendlichen um 19 Uhr.

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