Gestartet wurde vor bald 20 Jahren mit dem Konzept, Klassik auf hochstehendem Niveau in die Region zu bringen. Vor zwei Jahren beschlossen dann die Verantwortlichen, in die Solothurner Hauptstadt zu ziehen. Es sollten hier – nach dem Ende von Solothurn Classics und dem Classic Openair – wieder Klassikaufführungen mit internationalem Renommee stattfinden. Intendant und Dirigent Andreas Spörri, der Wiener Operettenspezialist, will auch in Solothurn in erster Linie die traditionelle Wiener Operette zeigen, zusätzlich aber Sinfoniekonzerte mit internationalen Solisten präsentieren.

Die Classionata Solothurn 2019 startete mit der Premiere von «Die Fledermaus» von Johann Strauss, dem Operetten-Klassiker schlechthin. Wer nun aber glaubt, eine verstaubte, mehrfach gesehene Inszenierung vorgesetzt zu bekommen, wird überrascht sein. Regisseurin Sigrid Tschiedl hat für diese Solothurner Inszenierung erfrischende, teils sehr aktuelle Bezüge gefunden. So ist das Kammermädl Adele alles andere als eine brave Untergebene angelegt. Am herausstechendsten ist jedoch die Figur des jungen Grafen Orlofsky. Die Hosenrolle wird als eine Art Conchita Wurst präsentiert. Wien und seine heutige Gesellschaft ist also in dieser «Fledermaus» sehr nahe.

Batman mit Zylinder

Passend zur Regie wurden das Bühnenbild und die Kostüme von Friedrich Despalmes geschaffen. Geschickt ist die Lösung mit den drehbaren Kulissenwänden – für jeden Akt eine Seite. Über der Handlung schwebt stets eine Riesenfledermaus, die an Batman mit Zylinder erinnert. Die zwei Hauptrollen, die Rosalinde, verkörpert von Elisabeth Flechl, und ihr untreuer Ehemann Gabriel von Eisenstein, gesungen von Michael Heim, sind Routiniers und kennen sich. Heim hat eine kraftvolle, ausdrucksstarke Stimme. Sein Spiel ist klar und logisch. Elisabeth Flechl ist mit der Rosalinde verschmolzen. Sie kennt die Rolle seit vielen Jahren. Entsprechend weiss sie auch ihren vollen Sopran gekonnt einzusetzen. Die Hosenrolle als Graf Orlofsky singt Edna Prochnik, wie bereits erwähnt in einer Maske, die an Conchita Wurst erinnert. Sie sorgt mit ihrer silbrigen Korsage und rosa Federboa für den Hingucker auf der Bühne. Ein genialer Regie-Einfall. Die Hosenrolle wird so sehr logisch. Doch auch ihre dunkel timbrierte Stimme mag zu faszinieren. Mit seinem hellen Tenor sorgt Alexander Pindarek als vermeintlicher Liebhaber Alfred für Lachmomente. Besonders seine Klavierklettereien im ersten Akt sind bewunderungswürdig.

Horst Lamnek als Gefängnisdirektor Frank ist ebenfalls positiv zu erwähnen. Auch er fügt sich mit seinem warmen Bass ins Ensemble ein, das speziell für die Classionata zusammengestellt wurde. Ebenso Gernot Heinrich als rollstuhlfahrender Jurist Dr. Bild und Iva Schell als Ida. Der «Frosch», die Rolle, die nicht singt, ist mit dem Wiener Schauspieler Franz Suhrada besetzt. Nicht zu vergessen sind der routiniert singende und spielende Classionata-Chor sowie die Choreografie-Einfälle von Rosita Steinhauser. Mit wenig Aufwand vieles zu erzielen – das wurde hier erfüllt.

Das Spiel des Münchner Symphonieorchesters macht die Musik und insbesondere die unvergleichliche Ouvertüre zum Erlebnis. Andreas Spörri sprüht vor Enthusiasmus während der Aufführung, denn wie gesagt – der Wiener Operettenklassik gilt seine besondere Hingabe. Der Funke springt über.

Nächste Aufführungen Heute Do., 4., Sa., 6., So., 7. April.