Klassik

Grosser Verlust: Lucerne Festival stellt Festivals an Ostern und am Piano ein

Lucerne Festival fokussiert sich ab 2020 auf das Sommer-Festival. (Archivbild)

Das Lucerne Festival stellt das Oster- und Piano-Festival ein und will sich stärker auf das Sommer-Festival fokussieren.

Kündigt das Lucerne Festival als international renommiertes und grösstes Schweizer Klassikfestival eine neue strategische Ausrichtung an, läuten nicht unbedingt die Alarmglocken. Man konnte spekulieren, ob damit eine zeitliche und örtliche Ausdehnung der Aktivitäten gemeint war. Das legten die künftig vom Festival programmierten Konzerte in der neuen Konzerthalle in Andermatt nahe, die im Juni von den Berliner Philharmonikern eröffnet wird.

Gemessen an solchen Erwartungen, wirkten die vorgestellten Pläne wie eine Bombe. Denn das Lucerne Festival wird sich künftig stärker auf das Sommerfestival fokussieren, dem es seinen internationalen Ruf verdankt. Im Gegenzug werden die beiden Nebenfestivals, das Oster- und das Piano-Festival im November eingestellt. Zwei Festivals weniger im KKL, die je eine Woche dauerten und je knapp 10 000 Besucher verzeichneten: Das bedeutet fraglos einen markanten Abbau. Dennoch ist die Neuorientierung nicht nur eine Sparübung. Denn an deren Stelle veranstaltet das Festival ab 2020 an zwei Wochenenden Konzerte im Frühling und Herbst.

Internationale Ausrichtung

Grundlage für die markante Änderung ist eine Strategieprüfung. Die Erfolgsfaktoren des Festivals sind die Parade der Spitzenorchester aus aller Welt, das eigene Lucerne Festival Orchestra als eines der weltbesten Orchester, die Lucerne Festival Academy als innovative Talentschmiede für zeitgenössische Musik sowie die Lucerne Festival Alumni – ein weltweit einzigartiges Netzwerk ehemaliger Academy-Teilnehmer. All dies verhilft dem Festival zu seiner nationalen und internationalen Ausstrahlung.

Da sie «strategisch von geringerer Bedeutung» sind, werden das 1988 erstmals durchgeführte Osterfestival und das 1998 lancierte Pianofestival eingestellt. Das soll ermöglichen, das Sommer-Festival weiter zu stärken. «Wir mussten uns entscheiden, worauf wir uns in Zukunft fokussieren wollen, auch vor dem Hintergrund, dass wir zu 95 Prozent eigenfinanziert sind», erklärt Intendant Michael Haefliger, «und wir sind zum Schluss gekommen, das die geplanten Wochenenden mit den vielfältigen Eigenproduktionen für unsere Weiterentwicklung wichtiger sind als das Oster- und das Piano-Festival».

Zustimmung der Hauptsponsoren

Laut Stiftungspräsident Hubert Achermann haben die Hauptsponsoren «zustimmend auf die geplanten Neuerungen reagiert». Sie unterstützten diese und sähen vorab in der Weiterentwicklung der Auslandprojekte ein grosses Potenzial.

Auch zwei Studien, welche das Marktforschungsinstitut GfK in den Jahren 2016 und 2017 durchgeführt habe, hätten eine klare Vorliebe für das Sommer- Festival ergeben. Dasselbe gelte für die ebenfalls 2017 von der Hochschule St. Gallen durchgeführte jüngste Wirtschaftlichkeitsstudie über das Lucerne Festival. «Auch diese Untersuchung», so Achermann, «hat klar gezeigt, dass das Sommer-Festival für uns und für den Wirtschaftsstandort Luzern die höchste Wertschöpfung erzielt».

Der Entscheid hat damit einen wirtschaftlichen Hintergrund. Denn bekanntermassen sind Kirchenkonzerte an Ostern für Sponsoren weniger attraktiv als Sinfoniekonzerte im KKL. Aber er hat auch einen künstlerischen Aspekt. Denn das Lucerne Festival hat es verpasst, den Festivals an Ostern wie jenem am Piano ein Profil zu geben, das über die Aneinanderreihung hochkarätiger Konzerte hinausging. Ansätze, Sommer-Innovationen in die Nebenfestivals zu integrieren, verliefen immer wieder im Sand. Vom Konzept mit zwei neuen Wochenend-Schwerpunkten kann man insofern tatsächlich mehr Sommer im Frühling und Herbst erwarten.

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