Solothurner Filmtage
Susanne Jauch: «Es bedeutet mir viel, dass der Preis ans Szenenbild geht»

Zum ersten Mal geht der Prix d'honneur an eine Szenenbildnerin. Mit ihrem einzigartigen Fingerspitzengefühl haucht Susanne Jauch seit 25 Jahren Schweizer Filmen Leben ein.

Dario Pollice
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Susanne Jauch: Die Filmgestalterin
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«Die letzte Pointe» ist Jauchs 30. Spielfilm.
Jauch war auch Szenenbildnerin bei «Seitentriebe».

Susanne Jauch: Die Filmgestalterin

HO

Susanne Jauch sitzt in einem Café im Zürcher Langstrassenquartier. Draussen ist es grau und regnerisch, vor ihr dampft ein Verveine-Tee. Sie redet mit unaufgeregter, ruhiger Stimme. «Ich bin froh, dass ich den Preis erhalte, aber vor allem bedeutet es mir persönlich viel, dass der Preis ans Szenenbild geht.»

Seit 2003 ehren die Solothurner Filmtage mit dem Prix d’honneur jährlich eine Persönlichkeit, die sich für die Schweizer Filmkultur verdient gemacht hat. Nach diversen Regisseuren und Kameramännern geht der Preis dieses Jahr erstmals an eine Szenenbildnerin.

Die gebürtige Zürcherin Susanne Jauch hat in ihrer 25-jährigen Karriere die Dekors für einige der zuschauerstärksten Schweizer Filme erschaffen, wie «Vitus» (2006) oder «Giulias Verschwinden» (2009). Ihre neuesten Werke, «Die letzte Pointe» von Regisseur Rolf Lyssy und die TV-Serie «Seitentriebe» von Güzin Kar, sind an den Filmtagen zu bewundern.

Das sind die Filmtipps der Redaktion:

Freitag, 26. Januar: Emma – il colore nascosto delle cose Von Silvio Soldini. 11.45 Uhr, Reithalle: Emma (Valeria Golino) ist seit ihrem 16. Lebensjahr blind. Eines Tages verliebt sie sich in Theo. Doch Theo ist vergeben, und Emma misstraut der Liebe eines Sehenden.
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Freitag, 26. Januar: A Long Way Home Von Luc Schaedler. 15.00 Uhr, Landhaus: Fünf chinesische Künstler erforschen die Erschütterungen der chinesischen Geschichte. Sie setzen sich für eine demokratische Gesellschaft ein und sind Teil einer mutigen Gegenkultur.
Samstag, 27. Januar: Das Leben vor dem Tod Von Gregor Frei. 15.00 Uhr, Landhaus: Zwei ältere Männer leben in einem ausgestorbenen Dorf im Tessin. Der eine will mit 70 «abtreten». Darf man einfach so sterben? Der Regisseur dokumentiert die aufwühlende Debatte.
Samstag, 27. Januar: Chris the Swiss Von Anja Kofmel. 21.15 Uhr, Landhaus: Kroatien, 1992: Während des Jugoslawienkrieges wird die Leiche des jungen Schweizer Journalisten Chris gefunden. 20 Jahre später begibt sich seine Cousine auf Spurensuche.
Sonntag, 28. Januar: Boomerang Von Nicole Borgeat. 17.15 Uhr, Reithalle: Theo, ein ehrgeiziger Politiker mit fremdenfeindlicher Gesinnung, ist im Wahlkampf. Doch eines Tages wacht er in der Haut seiner Putzfrau auf, einer muslimischen Asylsuchenden.
Sonntag, 28. Januar: Fell in Love with a Girl Von Kaleo La Belle. 20.00 Uhr, Konzertsaal: Eine Patchwork-Familie wandert in die USA aus. Ein wirklichkeitsnahes und intimes Porträt, das grundlegende Fragen zu heutigen Lebensformen aufwirft.
Montag, 29. Januar: Tranquillo Von Jonathan Jäggi. 18.00 Uhr, Reithalle: Ein Tinnitus zwingt den Mittzwanziger Peter, seinen egoistischen, urbanen Lebensstil zu überdenken. Das Zeitzeugnis einer Generation kam ohne öffentliche Filmförderung zustande.
Montag, 29. Januar: Mario Von Marcel Gisler. 20.45 Uhr, Reithalle: Mario steht am Anfang einer Fussball-Karriere. Da verliebt er sich in seinen Mitspieler Leon. Das bleibt anderen im Klub nicht verborgen, bald verbreiten sich erste Gerüchte.
Dienstag, 30. Januar: Vakuum Von Christine Repond. 14.45 Uhr, Reithalle: Inmitten der Vorbereitungen auf ihren 35. Hochzeitstag erfährt Meredith, dass sie HIV-positiv ist. Als Überträger kommt nur ihr Mann André infrage. Hält das ihre Ehe aus?
Dienstag, 30. Januar: Die Vierte Gewalt Von Dieter Fahrer. 17.45 Uhr, Reithalle: Durch das Internet ist die Wirtschaftlichkeit und Unabhängigkeit des Journalismus in Gefahr. Der Regisseur taucht in den Alltag diverser Redaktionen ein und reflektiert kritisch.
Mittwoch, 31. Januar: Des moutons et des hommes Von Karim Sayad. 9.30 Uhr, Landhaus: Anstatt Tierarzt zu werden, kauft sich der 16-jährige Habib wie andere Männer in Algerien einen Schafbock für Kämpfe. Der soll ihm zu Ruhm und zu einem Einkommen verhelfen.
Mittwoch, 31. Januar: Cercando Camille Von Bindu de Stoppani. 20.45 Uhr, Reithalle: Die pflichtbewusste Camille geht mit ihrem an Alzheimer erkrankten Vater auf Reise. Sie muss lernen, ihn loszulassen und ihr eigenes Glück zu finden. Eine herzerwärmende Komödie.

Freitag, 26. Januar: Emma – il colore nascosto delle cose Von Silvio Soldini. 11.45 Uhr, Reithalle: Emma (Valeria Golino) ist seit ihrem 16. Lebensjahr blind. Eines Tages verliebt sie sich in Theo. Doch Theo ist vergeben, und Emma misstraut der Liebe eines Sehenden.

Schweiz am Wochenende

Metier nur wenig fassbar

Jauch mutmasst, dass ihr Metier wohl nicht so fassbar sei für das breite Publikum: «Viele kennen eher die Regie, die Kamera, aber wissen nicht so genau, was wir machen.» Tatsächlich beeinflusst die Szenenbildnerin wesentlich das Aussehen eines Filmes. Sie beginnt ihre Arbeit meist Monate vor dem Rest des Filmstabs. Die ersten Schritte unternimmt Jauch bereits während der Lektüre des Drehbuchs: «Da entstehen erste Eindrücke und Bilder in meinem Kopf. Diese speichere ich dann bei mir ab, wie auf einer Festplatte.»

In der Schweiz wird selten in Studios gedreht, da es sehr aufwendig und kostspielig ist, ein Szenenbild nachzubauen. Jauch betreibt daher mit ihrem Team eine intensive Recherche nach geeigneten Motiven. Oft sind das Wohnungen, Hotelzimmer und andere Räumlichkeiten.

Wie diese Motive auszusehen haben, bespricht sie in enger Zusammenarbeit mit Regie und Kamera. Wenn Jauch ihre eigenen Ideen und Vorstellungen von ihrer Festplatte im Kopf abruft und vermittelt, greift sie oft auf sogenannte «Mood-Bilder» zurück, von ihr angefertigte Zeichnungen, Fotografien oder Filmaufnahmen. Muss sie eine bestimmte historische Epoche kreieren, lässt sie sich auch von Kunstbüchern inspirieren.

Diese zehn spannenden Kurzfilme müssen Sie gesehen haben:

EL AMOR CIEGO – Spielfilm von Pablo Martín Torrado Zu Tangoklängen entspinnt sich eine Romanze inklusive Kinobesuch und Sonnenuntergang. Doch bleibt die Grossleinwand eigentümlich leer, sind die beiden Sonnen am Himmel eigentlich Strassenlaternen und schmachten die Verliebten isoliert in einer virtuellen Realität. Sehen wir hier die Zukunft? Unser Future Lab bietet Virtual und Augmented Reality für den Selbstversuch. Ich wette, dass es dabei zu ähnlichen Szenen kommt wie in Pablo Martín Torrados doppelbödiger Komödie, die im Nachtschwärmer-Programm «Nocturne» läuft.
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AYSHA KEVIN MICHELE – Dokumentarfilm von Florine Leoni Aysha, Kevin und Michele leben in einem Wohnheim auf dem Land. Ihr Leben dreht sich um Games, Musik von Justin Bieber und Sido, ums Rappen oder Reiten. Die Jugendlichen träumen von der Zukunft, geniessen die Aufmerksamkeit der Kamera, setzen sich in Szene, schöpfen Selbstvertrauen und filmen sich selbst. Aus alltäglichen Episoden zwischen Dokumentation und Fiktion wird ein berührendes Spiel mit dem Medium Film, aus vermeintlicher Belanglosigkeit wird Poesie.
REWIND FORWARD – Dokumentarfilm von Justin Stoneham Justin Stoneham reist in die Vergangenheit und spult mit VHS-Kassetten die eigene tragische Familiengeschichte zurück. Sein zutiefst persönlicher Film nimmt uns mit an südenglische Strände, erzählt von Velos und Rollstühlen, von Schicksalsschlägen und Brüchen, und er macht Hoffnung. Dazu erklingt die Musik von Heidi Happy. Die eigenwillige Handschrift von Justin Stoneham wurde am Filmfestival Locarno mit einem Pardino d’oro ausgezeichnet.
INTIMITY – Animationsfilm von Elodie Dermange Sie duscht, zieht sich an, schminkt sich und entblösst dabei ihre intimsten Gedanken. Durch den inneren Monolog einer Frau, die ihren Körper erst lieben lernt, als sich Kameras auf ihn richten, greift Elodie Dermange nicht nur das aktuelle Thema der Selbstdarstellung auf. Sie bedient sich in ihrem Erstling meisterhaft der Mittel der Animation, die dokumentarisch präzis enthüllt, was sonst verborgen bleibt. Kein Wunder, wird der Film an zahlreichen Dokfilmfestivals und bald in Sundance gezeigt!
FAST ALLES – Spielfilm von Lisa Gertsch «Ich muss pinkeln und habe Hunger.» So tönt es vom Rücksitz. Aber die Stimme gehört nicht einem quengelnden Kind, sondern einem gestandenen Mann. Paul leidet an Frühdemenz, und seine Frau Leandra erkennt ihn im Rückspiegel kaum wieder. Michael Neuenschwander und Oriana Schrage verkörpern das Paar, dem im Leben einmal fast alles möglich schien, mit sanfter Melancholie. Und die ebenso talentierte Regisseurin Lisa Gertsch zeigt mit «Ein Prinzessinnen-Film» im weiteren Programm, dass sie auch lustig kann.
FACING MECCA – Spielfilm von Jan-Eric Mack An Anfang und Ende stehen Kühlschränke. Jan-Eric Mack hätte für die frostige Atmosphäre der Schweizer Bürokratie kein besseres Bild finden können. Sie schlägt einem syrischen Asylsuchenden nach dem Krebstod seiner Frau mitleidlos entgegen. «Wenn das jede miech…» Doch ein Rentner stellt sich quer, ganz wie das muslimische Grab, das es zu bestellen gilt. Eine Parabel darüber, dass Menschlichkeit zuweilen heisst, aus der Reihe zu tanzen. Der Film wurde bei den Student Academy Awards unter 1600 Einsendungen mit der Silbermedaille ausgezeichnet.
LES INTRANQUILLES – Spielfilm von Magdalena Froger Wie fühlt es sich an, in den Krieg zu ziehen? In atmosphärisch dichten Bildern nähert sich Magdalena Froger einer Frage an, die viele ohne Antwort lässt. Sprachlos sind denn auch drei Soldaten, wenn sie eine verlassene Landschaft durchqueren oder sich in Trance tanzen. Sie driften scheinbar ziellos, abgestumpft und gleichwohl unruhig durch den Film. Aus dem Off ertönt «J’avais un camarade», das Lied der Fremdenlegion, und hallt lange nach.
SCHWIMMDEMO – Interventionsfilm von Christoph Schaub und Thomas Krempke Die handliche Bolex ermöglichte es Frauen ab den 1950er-Jahren, autonom Filme zu machen. Die Avantgarde-Perlen unseres historischen Programms erkunden den emanzipatorischen Effekt der Schweizer Kultkamera. Er wirkt von der amerikanischen Pionierin Maya Deren über die Queer-Cinema-Ikone Barbara Hammer, die mit «Dyketactics» die lesbische Liebe auskundschaftete, bis in die Schweizer Filmschulen nach. Ein aktives und experimentelles Kino, das nahe am Körper überblendet, doppelt belichtet, sinnlich und immer in Bewegung ist!
BOLEX – EINE SCHWEIZER KAMERA VON WELTFORMAT: WEIBLICHE EXPERIMENTE Die handliche Bolex ermöglichte es Frauen ab den 1950er-Jahren, autonom Filme zu machen. Die Avantgarde-Perlen unseres historischen Programms erkunden den emanzipatorischen Effekt der Schweizer Kultkamera. Er wirkt von der amerikanischen Pionierin Maya Deren über die Queer-Cinema-Ikone Barbara Hammer, die mit «Dyketactics» die lesbische Liebe auskundschaftete, bis in die Schweizer Filmschulen nach. Ein aktives und experimentelles Kino, das nahe am Körper überblendet, doppelt belichtet, sinnlich und immer in Bewegung ist!
CHEN CHEN – Dokumentarfilm von Franziska Schlienger Chen Chen wuchs in einem chinesischen Dorf mit zwei Geschwistern auf; vor den Kontrollen der Einkindpolitik versteckte er sich auf dem Feld. Nun hat er es nach Schanghai geschafft und will sich zeigen: Mode und Konsum bestimmen das Streben des androgynen jungen Mannes. Schweizer Dokumentarfilme blicken immer öfter nach China und offenbaren – wie in diesem faszinierenden Porträt – die Ambivalenzen einer sich rasant verändernden Gesellschaft zwischen Tradition und modernem Individualismus.

EL AMOR CIEGO – Spielfilm von Pablo Martín Torrado Zu Tangoklängen entspinnt sich eine Romanze inklusive Kinobesuch und Sonnenuntergang. Doch bleibt die Grossleinwand eigentümlich leer, sind die beiden Sonnen am Himmel eigentlich Strassenlaternen und schmachten die Verliebten isoliert in einer virtuellen Realität. Sehen wir hier die Zukunft? Unser Future Lab bietet Virtual und Augmented Reality für den Selbstversuch. Ich wette, dass es dabei zu ähnlichen Szenen kommt wie in Pablo Martín Torrados doppelbödiger Komödie, die im Nachtschwärmer-Programm «Nocturne» läuft.

zvg

Jede Minute zählt

Allerdings dreht sich ein nicht zu unterschätzender Teil von Jauchs Arbeit um die Organisation und Budget-Fragen: «Eine gute Organisation und Arbeitsaufteilung sind das A und O. Wenn ein Film in sechs Wochen abgedreht werden soll, dann muss alles reibungslos funktionieren, jede Minute zählt.»

Sind alle gestalterischen Aspekte geklärt, beginnen Jauch und ihr Team – zwei bis drei Requisiteurinnen und ein Baubühnenmann – mit der eigentlichen Arbeit am Szenenbild. Es wird gehämmert, neu eingestrichen, Möbel und Requisiten werden herbeigetragen und, manchmal, Taubenmist in Dachstöcke geschaufelt: «Wir verwendeten eingefärbte Erde und Mehl, aber auch echten Taubenmist», erinnert sich Jauch schmunzelnd an ihre Arbeit im Film «Anna Göldin – Letzte Hexe» im Jahr 1991.

Eine feste Grösse

Seit mittlerweile 25 Jahren ist Jauch für das Szenenbild in Schweizer Spielfilmen verantwortlich. Die gelernte Fotolaborantin wollte ursprünglich Standfotografin an Filmsets werden, merkte aber schnell, dass es nichts für sie sei: «Ich übernahm ja einfach Bilder von anderen.» Zunächst arbeitete sie für die Werbefotografie und TV-Spots, bis 1993 ihre erste Arbeit für eine Schweizer «Tatort»-Folge als verantwortliche Szenenbildnerin erfolgte.

In den nachfolgenden zwei Jahrzehnten arbeitete sie mit einigen der namhaftesten Schweizer Regisseure zusammen, die Jauch gleich mehrmals engagiert haben: Fredi M. Murer, Christoph Schaub und Markus Imhoof, um einige zu nennen. Für Letzteren reiste sie 1996 sogar nach Indien, wo der Regisseur «Flammen im Paradies» realisierte. Darin verarbeitet Imhoof die Geschichte seines Grossvaters, der eine Missionsstation in Indien Anfang des 20. Jahrhunderts führte.

Der Film sei eine ziemliche Herausforderung gewesen, so Jauch. Der Regisseur verwarf sich mit dem ursprünglichen Szenenbildner und beauftragte kurzerhand Jauch, die völlig überrumpelt nach Indien flog und sich schnell in das fortgeschrittene Projekt einarbeiten musste. Die Strapazen hätten sich aber spätestens dann gelohnt, als Imhoof zum ersten Mal Jauchs nachgebaute Missionsstation betrat und ihr mit Tränen sagte: «Es ist, als ob mein Grossvater noch da ist».

Regisseure geben zum Teil nur ungern ihre Verantwortung an andere ab, das liegt gewissermassen in ihrer Natur als Chef auf dem Filmset. Doch Jauch besitzt ein einzigartiges Fingerspitzengefühl und gewinnt schnell das Vertrauen der Regisseure, selbst wenn sie das erste Mal für einen Filmemacher wie Rolf Lyssy und dessen neusten Spielfilm «Die letzte Pointe» arbeitet.

«Wir haben alles verändert!»

Als sich Lyssy und Jauch während der Vorbereitungsphase das Haus für die Hauptfigur (Monica Gubser) von innen ansahen, sei der Regisseur von der Einrichtung des vormaligen Besitzers begeistert gewesen. «Er sagte mir: ‹Das kannst du gleich alles so belassen! Das ist irrsinnig, schau mal die düsteren Wände!›» Aber da gab es ein Problem: Die Einrichtung war ein stilistisches Durcheinander, das von den 1950er- bis in die 80er-Jahre reichte. Jauch fragte sich: «Ui ui ui, wie soll ich ihm beibringen, dass es so nicht klappt?»

Nach und nach habe sie ihm Zeichnungen angefertigt und Vorschläge unterbreitet. Vielleicht könne man ja hier ein Möbel hinstellen und dort etwas anpassen. Schritt für Schritt habe sie herausgespürt, was der Regisseur wollte, und irgendwann liess er sie einfach machen. «Schlussendlich haben wir alles verändert, von der alten Einrichtung war fast nichts mehr übrig!», erzählt sie lachend.

Der diesjährige Prix d’honneur für Susanne Jauch ist eine Würdigung eines Filmberufs, der oft unterschätzt wird. Durch die gestaltete Filmwelt der Szenenbildner können die Figuren erst richtig zum Leben erwachen und gewinnen an Tiefe. Dementsprechend spricht Jauch nicht von «dekorieren», sondern von «Spuren», die sie in den Räumlichkeiten hinterlegt und so eine Biografie der Figur erschafft. «Ich sage immer: Das Dekor lebt!»