«Out of Paradise»
Reise der Hoffnung unter anderen Umständen

Was hat ein mongolischer Roadmovie mit der Schweiz zu tun? Mehr als wir ahnen würden.

Marc Krebs
Drucken
Teilen
Kommt das gut, mit der Geburt in der grossen Stadt?

Kommt das gut, mit der Geburt in der grossen Stadt?

Die Krankenkassenprämien mögen uns dieser Tage umtreiben. Doch wenn es um Schwangerschaft und Geburt geht, dann wissen wir die Vorteile unseres Systems zu schätzen: die Sicherheit, das Know-how, die Technologie, die Hygiene. Wir sind ganz gut versorgt. Dessen wird man sich bewusst, wenn man sich den Spielfilm «Out of Paradise» anschaut, der die Geschichte von Dorj und Suren erzählt, einem Paar, das im absoluten Niemandsland lebt: in der mongolischen Steppe. Eine Schafherde und ein Pferd gehören zu ihrem Besitz, ihr Haus ist eine Jurte. Ein Nomadenleben wie aus einer anderen Zeit. Zwei Selbstversorger, die nur sich selber ausgesetzt sind – und den Launen der Natur.

Suren ist schwanger. Nicht zum ersten Mal. Fehlgeburten haben das Paar traumatisiert. Die Ängste stehen ihr und ihrem wortkargen Mann ins Gesicht geschrieben. Ob es diesmal gut kommt? In der Hoffnung auf mehr Sicherheit müssen sie ihr gewohntes, einfaches Umfeld aufgeben. Das nächste Spital liegt Hunderte Kilometer entfernt, in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Für die Reise verpflichten sie einen Taxichauffeur, bezahlt wird mit Schafen. Dass ihnen ein Schamane einen Todesfall prophezeit, lässt nichts Gutes erahnen.

Bereits preisgekrönt

Schon vor dem Schweizer Kinostart konnte sich der mongolisch-schweizerischen Regie- und Drehbuchdebütant Batbayar Chogsom freuen: Sein Film wurde am Festival von Schanghai mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. «Out of Paradise» gehört damit zu den wenigen Schweizer Filmen, die im Wettbewerb eines internationalen A-Festivals obenausschwangen.

Die Geschichte, die Chogsom erzählt, erinnert in ihrer Art an hierzulande bekanntere Filme aus dem Iran, an die poetischen und zugleich konfliktbeladenen Werke von Asghar Farhadi. Was vermeintlich folkloristisch beginnt, wird zu einem Drama. Die Gegensätze von Stadt und Land, von Tag und Nacht, Tradition und Moderne prallen in diesem eigenwilligen Roadmovie aufeinander. Mitunter sind es ein bisschen gesuchte Zufälle, die die Handlung in eine unerwartete Richtung lenken. Doch sind es auch gerade die märchenhaft konstruierten Twists, die für Spannung und Aufregung sorgen.

Beeindruckend und aber auch bedrückend sind die Bilder, die der Basler Kameramann Simon Bitterli an den Schauplätzen in der Mongolei eingefangen hat.

Der Film hat auch einen weiteren regionalen Bezug: «Out of Paradise» wurde von Cyril Gerber (Milan Film) koproduziert. Welche Abenteuer sie bei den Dreharbeiten erlebt haben, das erzählen sie morgen bei der Basler Premiere.

Basler Premiere:
kult.kino Atelier. Donnerstag, 27.9., 18.30 Uhr.
In Anwesenheit von Batbayar Chogsom, Cyril Gerber und Simon Bitterli.

Aktuelle Nachrichten