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Langjährige Filmfestival-Leiterin über die Zeit nach Corona: «Das Publikum wird unser Festival anders wahrnehmen»

Brachte den Film an den Neuenburgersee: Anaïs Emery.

Brachte den Film an den Neuenburgersee: Anaïs Emery.

Anaïs Emery ist Mitbegründerin des Genre-Filmfestivals NIFFF in Neuenburg. Die 20. Ausgabe findet online statt – und ist Emerys letzte.  Welche Veränderungen sieht sie auf die Festivals zukommen?

Heute beginnt zum zwanzigsten Mal das Neuchâtel International Fantastic Film Festival NIFFF. Es ist das letzte Mal für die langjährige Direktorin Anaïs Emery. Sie wechselt zum Internationalen Filmfestival von Genf. Zusammen mit ein paar Studentinnen und Studenten gründete sie im Jahr 2000 das NIFFF. Ausgerechnet ihr Abschied aus Neuenburg findet wegen der Pandemie nun ohne Publikum statt.

Sie verabschieden sich ­online vom treuen NIFFF-Publikum. Wie sehr schmerzt Sie das?

Anaïs Emery: Natürlich stellte ich mir meine letzte Ausgabe anders vor. Dass wir nicht vor Publikum und mit Filmschaffenden vor Ort stattfinden, stimmt mich traurig. Aber ich lasse es nicht an mich herankommen. Schliesslich überwiegt das Positive.

In der kompletten ­Online-Verlagerung?

Immerhin haben wir so die Chance, das NIFFF komplett anders zu platzieren. Die Vorbereitungszeit war voller Hauruck­übungen, doch ich habe dabei sehr viel gelernt und es war eine sehr intensive Zeit. Der Enthusiasmus meiner Kolleginnen und Kollegen hat unter der Pandemie übrigens nicht gelitten. Mit dem Wettbewerb, der über das Streamingportal Cinefile läuft, und mit NIFFF-TV, das gewissermassen das Rahmenprogramm abbildet, bieten wir ein attraktives Angebot.

Eigentlich wären nun Veranstaltungen mit bis zu 1000Teilnehmern wieder möglich. Wurmt es Sie ein wenig, dass Sie nicht mehr umschwenken konnten?

Sehen Sie, das alles jetzt zu hinterfragen, macht überhaupt keinen Sinn. Wir mussten im April entscheiden, was wir tun. Ein Festival mit physischen Vorführungen stellt man nicht einfach in letzter Minute auf die Beine. Vorführungen in den Kinosälen brauchen eine Vorlaufzeit. Weil wir relativ früh im Sommer stattfinden, war die Zeit zwischen den vom Bund gemachten ­Lockerungsschritten bis zum effektiven Beginn des Festivals viel zu kurz, um einen Teil des Programms doch noch vor Ort stattfinden zu lassen.

2020 wird zur Zäsur. Was ändert sich für Filmfestivals?

Es wird sicherlich Filmfestivals geben, die 2021 wieder in einem ähnlichen Rahmen stattfinden werden wie früher. Aber es wird wohl auch nächstes Jahr noch Schutzmassnahmen geben, ­Distanzregeln, die eingehalten werden müssen. Punktuell wahrscheinlich sind auch Einreisebeschränkungen. Sicherlich werden die Festivals von den Erfahrungen profitieren, die sie dieses Jahr machen müssen. Ich bin mir sicher, das NIFFF wird künftig gerade wegen der diesjährigen Sonderausgabe anders wahrgenommen.

Neuchâtel International ­Fantastic Film Festival vom 3. bis 11. Juli 2020. Online- Programm auf nifff.ch.

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