Das Kinojahr 2017 war das finanziell erfolgreichste aller Zeiten. Während den letzten zwölf Monaten hat die weltweite Filmindustrie insgesamt 39,92 Milliarden Dollar erwirtschaftet – Rekord. Die erfolgreichsten Kinofilme (siehe Tabelle unten) waren «Beauty and the Beast» (weltweites Einspielergebnis: 1,26 Milliarden Dollar), «Fast & Furious 8» (1,24 Milliarden) und «Star Wars: The Last Jedi» (bislang 1,1 Milliarden).

Ein genauer Blick auf das Ranking fördert Erstaunliches zutage: Unter den fünfzehn erfolgreichsten Kinofilmen tummeln sich erstmals ausschliesslich Fortsetzungen, Remakes und Buchverfilmungen. Erst auf den Plätzen 16 und 17 folgen mit «Coco» (552 Millionen) und «Dunkirk» (525 Millionen) zwei originelle Filmstoffe. Was sich seit Jahren abzeichnet, scheint nun Tatsache zu sein: Frische Ideen rentieren nicht mehr, sind Kassengift.

Für die grossen Hollywoodstudios ist es weitaus profitabler geworden, Bewährtes neu aufzutischen – jedes Mal etwas grösser, lauter und spektakulärer. Warum das funktioniert, dürfte klar sein: Wenn Zuschauer ihre Filmhelden bereits über Jahre hinweg begleitet haben, wollen sie wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Die Fäden laufen zusammen

Kein Wunder also, dass auch 2018 in den Kinos zahlreiche Fortsetzungen laufen werden. Das Filmstudio Marvel beispielsweise bringt mit «Black Panther», «Ant-Man and the Wasp» und «Avengers: Infinity War» bereits seine Superheldenfilme 18, 19 und 20 auf die Leinwand. Vor allem letzterer gilt als einer der meisterwarteten Filmveröffentlichungen des Jahres, denn in «Avengers: Infinity War» (ab 26. April im Kino) sollen die Fäden aus allen bisherigen Marvel-Filmen zusammenlaufen.

Im neuen Kinojahr erreicht mit «Fifty Shades Freed» (ab 8. Februar) auch die Sadomaso-Saga ihren Höhepunkt, daneben zeigt «Solo» (ab 24. Mai) die Vorgeschichte des «Star Wars»-Helden Han Solo, «Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald» (ab 15. November) jene des jungen Professors Dumbledore (Jude Law) und «Mamma Mia! Here We Go Again» (ab 19. Juli) jene der gesangsfreudigen Meryl Streep. Doch auf keine andere Fortsetzung musste man sich länger gedulden als auf «Marry Poppins Returns», die 54 Jahre nach dem Original-Filmmusical und pünktlich zu Weihnachten in die Kinos kommt.

Auch an Remakes, also an alten Stoffen mit neuer Hülle, wird es 2018 nicht mangeln: «Ocean’s 8» (ab 21. Juni) tauscht den Männer-Cast früherer «Ocean’s»-Filme gegen einen Frauen-Cast ein (u. a. Cate Blanchett, Sandra Bullock, Rihanna), während Oscargewinnerin Alicia Vikander in «Tomb Raider» (ab 15. März) Angelina Jolie beerbt und Claire Foy in der Bestsellerverfilmung «The Girl in the Spider’s Web» (ab 25. Oktober) als dritte Schauspielerin in die Rolle von Stieg Larssons Romanheldin Lisbeth Salander schlüpft.

Leckerbissen vor den Oscars

Zynische Zungen könnten jetzt sagen: Das habe ich alles in irgendeiner Form schon gesehen, warum soll ich 2018 überhaupt noch ins Kino gehen? Nun, es gibt sie schon noch, jene Filme fernab des Einheitsbreis, mit denen sich kleinere Studios und ambitioniertere Filmschaffende auf neues Terrain wagen. Mit ihren frischen Ideen machen sie vielleicht kein Geld, stattdessen könnten sie bei den Oscars reüssieren. Denn bei den Oscarwählern sind Fortsetzungen – mit wenigen Ausnahmen – nach wie vor verpönt.

Cineastische Leckerbissen finden sich also primär rund um die Oscarverleihung am 4. März. Zu den Favoriten um die begehrte Filmauszeichnung gehört dann beispielsweise Steven Spielbergs Medienthriller «The Post» (ab 22. Februar), mit dem Power-Duo Tom Hanks/Meryl Treep in den Hauptrollen, sowie der Fantasy-Romanze «The Shape of Water» (ab 15. Februar), die bereits am Filmfestival in Venedig den Hauptpreis gewann.

Ebenfalls gute Chancen bei den Oscars werden drei Independent-Filmen zugeschrieben: Die Komödie «The Disaster Artist» (ab 1. Februar) mit James Franco stellt den Dreh von «The Room» nach, der 2003 als schlechtester Film aller Zeiten in die Geschichtsbücher einging; die beiden Coming-of-Age-Dramen «Call Me By Your Name» (ab 1. März) und «Lady Bird» (ab 19. April) begeistern derweil mit smarten, sinnlichen Drehbüchern.

Und was geht 2018 beim Schweizer Film? Der durchschlagende Erfolg von «Die göttliche Ordnung» dürfte nur schwer wieder erreicht werden. Gelingen könnte das am ehesten der Kinderbuchverfilmung «Di chli Häx» von Mike Schaerer sowie Marcel Gislers Drama «Mario», in dem Max Hubacher («Der Verdingbub») einen Fussballer spielt, der sich in einen Mitspieler verliebt. Beide Filme feiern ihre Premiere Ende Januar an den Solothurner Filmtagen.

Schweizer Filmhighlight: Im Drama «Mario» spielt Max Hubacher (links) ein Fussballtalent, das sich in einen Mitspieler verliebt.

Schweizer Filmhighlight: Im Drama «Mario» spielt Max Hubacher (links) ein Fussballtalent, das sich in einen Mitspieler verliebt.

Queen-Film hat Hit-Potenzial

Doch die Filmperlen sind 2018 insgesamt dünn gesät, vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Nennenswert ist «First Man» (ab 11. Oktober) von Damien Chazelle. Der «La La Land»-Regisseur hat ein Dokudrama über die erste Mondlandung gedreht, Ryan Gosling spielt darin den Astronauten Neil Armstrong.

Am gespanntesten blicken wir «Bohemian Rhapsody» (ab 27. Dezember) entgegen. Das biografische Drama über die britische Kultband Queen steckte jahrelang in der Entwicklungsphase fest, wurde nun aber mit dem talentierten Schauspieler Rami Malek («Mr. Robot») in der Rolle von Freddy Mercury verfilmt. Der Film hat grosses Hit-Potenzial – und könnte den Studiobossen in Erinnerung rufen, dass sich nicht nur Fortsetzungen lohnen.

Zum Verwechseln ähnlich: In «Bohemian Rhapsody» über die Kultband Queen spielt Rami Malek («Mr. Robot») Freddy Mercury.

Zum Verwechseln ähnlich: In «Bohemian Rhapsody» über die Kultband Queen spielt Rami Malek («Mr. Robot») Freddy Mercury.