Der Film, der eben erst am Festival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken uraufgeführt würde, schickt fünf junge Deutsche in eine einsame Hütte in den Schweizer Bergen - man erwartet zwangsläufig Zombies, Waldgeister oder einen verrückten Killer. Doch Qualen wie Freuden bereiten sich die Urlauber gegenseitig.

Verhandelt werden Gefühlswelten, Lebensentwürfe und Beziehungsmodelle. Die Protagonisten verbindet auf den ersten Blick nicht sonderlich viel. Babs und David sind ein scheinbar glückliches Paar, Mara (Karen Dahmen) hat einen Klinikaufenthalt hinter sich und träumt vom Leben in einer Kommune.

«Halb so wild» (Trailer)

«Halb so wild» (Trailer)

Und Jonas (Oliver Russ) ist sowieso nur mit von der Partie, weil ihn Babs' wilde Schwester Fine aufgegabelt hat. Von Mara initierte Wahrheitsspiele und Gesprächskreise, missglückter Sex, eine heimliche Affäre sowie der gewaltsame Tod eines Tieres verwandeln die idyllische Alphütte in ein Psycho-Camp.

Der junge Thuner Regisseur Dreyfus verzichtet erfreulicherweise auf Schwarz/Weiss und lässt in Beziehungsfragen unterschiedliche Positionen vertretbar erscheinen. Für junge Paare und Freundeskreise könnte "Halb so wild" jedenfalls viel Gesprächsstoff bieten ... auf eigenes Risiko.

Schwesterliche Rache an Männern

"Boys Are Us" von Peter Luisi ("Der Sandmann") vermochte an der Schweizer Premiere nur teilweise zu punkten. Der Film über zwei Schwestern, die sich für Liebesverletzungen an den Männern rächen wollen, strebt auf eine einzige - atemberaubende - Szene zu und hätte sich als langer Kurzfilm wohl besser gemacht.

Neben den Hauptdarstellerinnen Joelle Witschi und Deleila Piasko ist in einer zentralen Rolle der bislang vor allem als linker Neffe eines SVP-Nationalrats bekannte Rafael Mörgeli zu sehen. Er steuerte auch eigene Songs zum Film bei.

Während "Boys Are Us" die Schlüsselszene gar ausführlich vorbereitet, bleibt bis zum Schluss offen, was Laura motiviert, die Rachegelüste ihrer jüngeren Schwester Mia anzufachen. Die Auflösung der Haupterzählung allerdings ist Luisi geglückt.

Arbeitskollege eines Völkermörders

Auch "Wir kamen um zu helfen", der neue Dokfilm von Thomas Isler, nähert sich seinem zentralen Thema mit etlichem Vorlauf. Dieser macht jedoch erst verständlich, wie überraschend 1994 die Eskalation der Lage in Ruanda, einem Schwerpunktgebiet der Schweizer Entwicklungshilfe, auf Helfer aus dem Westen wirkte.

Politische Analysen standen für die Entwicklungszusammenarbeit damals kaum im Vordergrund; technische Fragen dominierten die Debatte. So hatten viele Helfer keinen richtigen Zugang zum Land und unterschätzten die Spannungen zwischen den Volksgruppen, die zum Krieg und zum Völkermord an den Tutsi führen sollten.

Ein deutscher Experte gibt in Islers weitgefächertem Film, der für den "Prix de Soleure" nominiert ist, Auskunft über seine einst angenehme Zusammenarbeit mit Jean Kambanda in einer Genossenschaftsbank. Ebendieser Kambanda wurde später Premierminister Ruandas - und verurteilter Völkermörder.

Trailer zu «Boys Are Us»

«Boys are Us»