Schweizer Fernsehen

Gesucht: Literaturclub-Moderator mit dickem Fell

Debatte im «Literaturclub»: Stefan Zweifel, Rainer Moritz (von hinten),Hildegard E. Keller und Elke Heidenreich (rechts). Siggi Bucher/SRF

Debatte im «Literaturclub»: Stefan Zweifel, Rainer Moritz (von hinten),Hildegard E. Keller und Elke Heidenreich (rechts). Siggi Bucher/SRF

Der Moderator und Kritiker Stefan Zweifel verlässt nach einem wüsten Krach den Literaturclub. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Zweifels Nachfolger braucht ein dickes Fell.

Bis jetzt schweigt das Schweizer Fernsehen über das wie weiter mit dem Literaturclub und mit der Moderation. Einfach wird es für den neuen Moderator nicht. Die bisherigen waren beliebte Angriffsziele für Kritiker. Das liegt nicht immer nur an den jeweiligen Diskussionsleitern, sondern auch daran, dass die Fernsehleitung ständig auf der Suche nach der richtigen Form für die Literatursendung ist.

Elke Heidenreich (1990-1995)

Die ehemalige Moderatorin sorgt heute wieder als Kritikerin im Literaturclub für Kontroversen. Sie spaltet die Meinungen. Gewisse loben ihre anti-intellektuellen Analysen, andere wiederum werfen ihr eine ungenaue Lektüre der Bücher und vorschnelle, nicht immer gut begründete, Urteile vor. Ob sie erneut zur Moderatorin berufen wird, bleibt deshalb fraglich.

Daniel Bendit-Cohn (1995-2003)

Daniel Bendit-Cohn war der bisher einzige Moderator des Literaturclubs, der überzeugen konnte. Das mag erstaunen, denn Daniel Bendit-Cohn ist Politiker (Bündnis 90/Grüne) und Publizist, kein Literaturwissenschaftler. Doch genau das, scheint der Sendung gut getan zu haben: Er war auf Augenhöhe mit dem Wissen der Zuschauer. Auch mit der Themenwahl hat der damalige Moderator Mut bewiesen und wagte es gar Fussball zum Thema zu küren. Die "Neue Zürcher Zeitung" hat ihn dafür gelobt, dass er die Diskussionen spielerisch und lustvoll gestaltet hat.

Jürg Acklin (1999)

Der bisher kürzeste Auftritt im Literaturclub hatte der Schweizer Psychoanalytiker und Schriftsteller Jürg Acklin. Nach nur drei Sendungen ist er verabschiedet worden. Ob er vom Schweizer Fernsehen abgesetzt worden ist oder den Entscheid selbst getroffen hat, bleibt Spekulation. In einer Medienmitteilung des Schweizer Fernsehen erklärte er seinen Entscheid: «Die Stimmung im Kritiker-Team war eisig, und im Eiswasser kann man sich nicht weiterentwickeln.»

Roger Willemsen (2004-2006)

Roger Willemsen, Moderator mit langjähriger Fernseherfahrung, überzeugte nur bedingt. Die "Neue Zürcher Zeitung" fand, er habe nicht „nur das Geschrächstempo deutlich verschärft, sondern auch den Ton schriller und die Atmosphäre hektischer werden lassen." Anstatt einer argumentativen Zusammenarbeit fände nur noch ein rhetorischer Schlagabtausch statt. Roger Willemsen hat den Literaturclub freiwillig verlassen. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen" hat er das Auswahlverfahren der Bücher kritisiert, die in der Sendung besprochen werden. Willemsen befürchtete einen zu grossen Einfluss von Seiten der Produzenten und des Sponsoren, der Zürcher Buchhandlung „Orell Füssli".

Iris Radisch (2006-2012)

Mit Iris Radisch als Moderatorin ist das Konzept des Literaturclub neu gestaltet worden. Die Einführungen in die Bücher erfolgten neu durch Einspielungen. Für die Besprechungen blieb weniger Zeit. Der "Tagesanzeiger" glaubt, dass sich die Leistung von Iris Radisch verschlechtert habe. Nach einigen ruhigen Jahren wird von Seiten verschiedener Schweizer Medien Kritik laut an der Moderatorin. Sie werfen Iris Radisch vor, dass sie nicht zuhören könne und nur ungenügend auf die Diskutanten eingehe. Sie wird 2012 abgesetzt.

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