Kino
Film-Biografie über den Apple-Gründer: Steve Jobs wird zurechtgebogen

Der Apple-Gründer ist vier Jahre tot – nun erscheint eine Film-Biografie. Die ist gut, aber in den USA floppt sie.

Daniela Leistikow und Alfred Poschmann
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So, wie man sich die Apple-Story vorstellt: Steve Jobs (Michael Fassbender) im gleichnamigen Film, der kein typisches Filmporträt ist.

So, wie man sich die Apple-Story vorstellt: Steve Jobs (Michael Fassbender) im gleichnamigen Film, der kein typisches Filmporträt ist.

Francois Duhamel

Der Film «Steve Jobs» ähnelt dem ersten Macintosh. Der neue Spielfilm über den Apple-Gründer ist ein geschlossenes System: So gut wie nichts darin ist mit der Aussenwelt kompatibel. «Alles in diesem Film ist so nicht passiert», sagte darum Apple-Mitgründer Steve Wozniak in einem Interview mit Bloomberg. Trotzdem liefert «Steve Jobs» ein überzeugenderes Bild der Apple-Ikone als etwa das gefloppte Biopic «Jobs» mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle. Dank grandioser Schauspieler und einer ungewöhnlichen Erzählweise lohnt sich der Gang ins Kino. Doch wer eine unterhaltsame Nacherzählung von Steve Jobs gesamtem Leben erwartet, wird enttäuscht sein.

Der komplette Film konzentriert sich auf die jeweils letzten Minuten vor wichtigen Keynotes: die des Macintosh (1984), die von NeXT (1988) und die des iMac (1998). Jedes Mal sind Jobs (Michael Fassbender) und seine Marketing-Chefin Joanna Hoffman (Kate Winslet) im Krisenmodus: Weil der Macintosh der Welt nicht «Hallo!» sagen will oder mal wieder Steves Ex Chrisann (Katherine Waterston) mit ihrer Tochter Lisa auftaucht. Dass Steve der Vater des Mädchens ist, bestreitet er trotz positivem Gentest vehement. Genauso wenig wie auf Lisas möchte er auf die Bedürfnisse seines Kumpels Steve Wozniak (Seth Rogen) eingehen.

Aaron Sorkins Drehbücher sind keine leichte Kost: Die schnellen Dialoge sind zwar für einige Lacher gut. Doch wer nicht ganz Kontext-sicher ist, den verwirren sie. Besonders wenn Steve Jobs mit Apple-CEO John Sculley diskutiert, ist eine gehörige Portion Hintergrundwissen gefragt. Wer ist wem in den Rücken gefallen, als Steve Jobs bei Apple rausgeworfen wurde? Um solche Frage scheint es Regisseur Danny Boyle («Slumdog Millionaire», «Trainspotting», «The Beach») und Aaron Sorkin nicht zu gehen. Stattdessen haben sie eine Antwort für alle parat, die schon immer wissen wollten: Wie ist es wohl bei Apple hinter den Kulissen – vor allen Dingen kurz vor der Keynote?

Erzählen mit Augenzwinkern

Teils wirkt es ziemlich konstruiert, wenn der Film sämtliche Probleme der Hauptfigur ausgerechnet kurz vor einer wichtigen Präsentation durchkaut. Oder wie der Film-Jobs sagt: «Als ob sich alle kurz vorher betrinken und mir dann sagen, was sie wirklich denken.» Die Macher selbst scheinen die Erzählstruktur von «Steve Jobs» mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten. Inhaltlich nehmen sich Sorkin und Boyle Freiheiten: Niemand kann beim Aufstehen aus dem Kinositz glauben, jetzt viel über den realen Steve Jobs dazugelernt zu haben.

Kein typisches Filmporträt: Die Erzählung ist teils konstruiert. Genau wie Steve Jobs selbst mit seinem sogenannten «Reality Distortion Field» (zu Deutsch: Realitäts-Verzerrungs-Feld) biegen sich Boyle und Sorkin vieles so zurecht, dass es zu ihrer Botschaft passt. Die ist sehr nah am Bild von Jobs, wie es Walter Isaacsons Biografie zeichnet: Ein schwieriger Mann, der in seiner eigenen Welt lebte – und deswegen unsere verändert hat.

Trotz Stars und prominentem Drehbuch-Autor: Der Film «Steve Jobs» entpuppt sich in den USA als Flop. Offenbar geht die Handlung am Geschmack vorbei. Das US-IT-Blog Gizmodo bemerkt hierzu: «Kritiker mögen den Film, aber die Zuschauer haben eine klare Botschaft gesendet: Sie wissen bereits, wer Steve Jobs war.» Tatsächlich spielte der Film in den ersten Tagen nicht einmal 10 Millionen Dollar ein – bei 30 Millionen Produktionskosten. Ob sich diese Investitionen je hereinholen lassen, zeigt sich möglicherweise schon in zwei Wochen: Hierzulande läuft «Steve Jobs» am 12. November 2015 an. Dann zeigt sich, wie die hiesigen Steve-Jobs-Fans den Film sehen.

Steve Jobs 120 Min. Regie: Danny Boyle, mit Michael Fassbender und Kate Winslet u. v. m. Ab 12. November im Kino.

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