Academy Award

Die Schweiz schickt Samirs Dok «Iraqi Odyssey» ins Rennen um Oscar

Szene aus dem Schweizer Oscar-Anwärter "Iraqi Odyssey" von Samir (Handout)

Szene aus dem Schweizer Oscar-Anwärter "Iraqi Odyssey" von Samir (Handout)

«Iraqi Odyssey» des gebürtigen Irakers Samir vertritt die Schweiz an den Oscars. Das Bundesamt für Kultur hat den Film bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Hollywood in der Kategorie «Bester fremdsprachiger Kinofilm» eingereicht.

"'Iraqi Odyssey' ist ein fesselndes Werk voller Fabulierlust, das mit der 3D Technik eine visuell stringente, neue Dimension des dokumentarischen Erzählens eröffnet. Aus einer Familiengeschichte wird Weltgeschichte." heisst es in der Jurybegründung.

In dem Dokumentarfilm fächert Samir mithilfe seiner in der ganzen Welt verstreuten Familie die jüngere Geschichte des Iraks auf. Das Frappierende daran: Das heute so rückständig wirkende Land war bis vor wenigen Jahrzehnten prosperierend, modern, der mitteleuropäischen Zivilisation in nichts nachstehend.

Samirs Grossvater war ein Sayyid, ein direkter Nachkomme Mohammeds, ein hoher Würdenträger und schiitischer Rechtsgelehrter. Dennoch war er allem Neuen gegenüber offen: Dass die Töchter nach der westlichen Mode gekleidet waren, die Haare toupierten und studierten, war so selbstverständlich, dass es in der Familie noch nicht einmal diskutiert wurde.

Die Tanten, Onkel, und die Halbschwester, die Samir für seinen Film interviewte, sind allesamt nicht nur gebildet und eloquent, sondern auch fabulierfreudig und mit viel Galgenhumor gesegnet. Ausserdem gestikulieren sie nach orientalischer Art gern, was in 3D ungemein reizvoll wirkt. Illustriert werden ihre Erzählungen mit Fotos und historischen Filmaufnahmen, die Samir in zahllosen Archiven gesammelt hat.

Nächste Hürde: Shortlist

Entscheidend für die Wahl zum Oscarkandidaten war aber wohl schon das Thema: Auch für viele Akademie-Mitglieder dürfte das Bild eines fortschrittlichen, weltoffenen Irak überraschend sein. Es gibt diese Iraker noch, nur sind sie auf der ganzen Welt verstreut wie Samirs Familie. Dass heute im Land die ganze gebildete Mittelschicht fehlt, ist ein wichtiger Teil des Problems.

Samir wird nun seinen Film in Los Angeles promoten dürfen. Die Stadt Delsberg steuert dafür 10'000 Franken als Gewinnerprämie bei. Denn die Wahl erfolgte im Rahmen des Festivals Delémont-Hollywood, das vom 7. bis 12. September "Iraqi Odyssey" zusammen mit den unterlegenen Schweizer Finalisten gezeigt hatte.

Das sind "Chrieg" von Simon Jaquemet, "Pause" von Mathieu Urfer, "L’oasis des mendiants" von Janine Waeber und Carole Pirker, "Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern" von Samirs Gattin Stina Werenfels, "La vanité" von Lionel Baier sowie "Bouboule" von Bruno Deville.

Noch ist "Iraqi Odyssey" aber nicht unter den fünf Anwärtern auf den Auslandsoscar, der am 28. Februar 2016 im Dolby Theatre in Los Angeles vergeben wird. Die Akademie gibt die Finalisten im Januar bekannt.

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