Film
Das Stadtkino Basel rutscht mit Katharine Hepburn ins neue Jahr

Das Stadtkino Basel zeigt eine Retrospektive mit der hinreissendsten Stehauffrau, die Hollywood je hervorgebracht hat.

Hannes Nüsseler
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Mit «The Philadelphia Story» eroberte Katharine Hepburn ihr Publikum zurück.

Mit «The Philadelphia Story» eroberte Katharine Hepburn ihr Publikum zurück.

zVg

Im Staub liegen und dabei strahlen – das ist wahrer Glamour! Und wen sonst sollte das Stadtkino Basel für das ­Finale dieses grün- und blau­geschundenen Jahres zu sich ­bitten als die ungekrönte Königin der manisch gut gelaunten Screwball Comedy: Katharine Hepburn.

Ich wäre eine schreckliche Mutter gewesen.

(Quelle: Katharine Hepburn)

Kantig sei sie, beschrieb die aus gebildetem und wohlhabendem Elternhaus stammende Hepburn (1907–2003) ihre ­Wirkung auf und abseits der Leinwand. Immer einen Tick zu forsch und selbstbewusst für ihre Zeit und deshalb unein­holbar modern. Als Kind bevorzugte sie Kurzhaarfrisuren und nannte sich Jimmy, ihren ersten (und einzigen) Ehemann verliess sie für eine Hollywoodkarriere und entschied sich gegen eine Familie: «Ich wäre eine schreckliche Mutter gewesen.»

Sie war bekennende Atheistin und gerade deshalb für mehr Menschlichkeit; selbst im Rampenlicht distanziert und unbeirrbar, wenn es darum ging, ihre Freiheit zu verteidigen. Und wie auf der Leinwand, so auch im richtigen Leben: Niemand kam nach einem Sturz so elegant wieder auf die athletischen Beine wie Kate the Great.

Kaum ein Film bringt diese Spannkraft besser zur Geltung als «The Philadelphia Story» aus dem Jahr 1940. Obwohl Hepburn früh einen Oscar gewann, galt sie schon bald als «Kassengift»: Selbst – heute – unbestrittene Klassiker wie «Bringing Up Baby» (1938), in dem sie zusammen mit Cary Grant einen Leoparden hütet, fielen damals beim Publikum durch.

Hauptsache frei Katharine Hepburn und Cary Grant in «Bringing Up Baby».

Hauptsache frei Katharine Hepburn und Cary Grant in «Bringing Up Baby».

zVg

In «The Philadelphia Story» trifft sie wiederum auf Grant. Schon in der ersten Szene zerbricht sie seinen Golfschläger über dem Knie, um gleich darauf von ihm zu Boden geschubst zu werden. Der erste Eindruck zählt, wusste Hepburn, und sie war fest entschlossen, ihr Eis­königinnen-Image abzulegen. Dafür hatte sie sich die Filmrechte gesichert und günstig an das Filmstudio verkauft – unter der Bedingung, dass sie selbst die Hauptrolle spielt.

Bei allem Kalkül ist die Liebeskomödie eines aber nie: kühl. Hepburns Plan ging auf, der Film wurde zum Erfolg. Ihre ­Rolle als geschiedene höhere Tochter, die sich zwischen drei (!) Verehrern entscheidet und zuletzt im Hafen der Ehe landet, klingt zwar konventionell. Doch muss man mit eigenen Augen gesehen ­haben, wie unglaublich leicht sich Hepburn in ihrem Comeback von den geltenden Konventionen freispielt. Alles ist hier auf Ambivalenz und Intelligenz angelegt, die Dialoge sind ein Genuss, und das Ensemble strotzt vor Zuversicht.

Nicht umsonst wurde die US Declaration of Independence erstmals in Philadelphia verlesen: «The Philadelphia Story» ist die hinreissende Unabhängigkeitserklärung eines wahren Freigeistes.

«Kate the Great!», Stadtkino Basel, bis 31. Dezember.
www.stadtkinobasel.ch