Fernsehen
Thomas Gottschalk: «Die öffentlich-rechtlichen Sender haben den Kampf um das junge Publikum schon verloren»

Für den deutschen Moderator ist die Gefahr gross, dass die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten «sang- und klanglos untergehen.»

Stefan Künzli
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Moderator Thomas Gottschalk ist selbst ein Kind des Öffentlich-rechtlichen.

Moderator Thomas Gottschalk ist selbst ein Kind des Öffentlich-rechtlichen.

Clemens Bilan / EPA

Wie der deutsche Moderator und Entertainer Thomas Gottschalk in einem Interview ausführt, haben die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender den Kampf um das junge Publikum bereits verloren. «Dieser Zielgruppe nun durch digital-only-Produktionen hinterher zu hecheln, hat nichts mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu tun, sondern ist der Ausdruck der durchaus begründeten Angst, sang- und klanglos unterzugehen», sagte der 70-jährige ehemalige Moderator der Fernsehshow «Wetten, dass..?» gegenüber der Funke Mediengruppe. «Diese Angst hätte die Verantwortlichen schon vor 20 Jahren umtreiben müssen, als noch was zu retten war», sagte er weiter, «da sassen die Intendanten noch vergnügt beim Rotwein in der Runde und haben die Käseplatte kreisen lassen.» Er habe auch keine Patentrezepte, sagte Gottschalk, aber wenn man jetzt versuche, Netflix Konkurrenz zu machen und ins Streaming-Geschäft einsteigen wolle, könne er davor nur warnen.

Er sei ein grosser Fan des öffentlich-rechtlichen Systems. «Ich bin auch ein Geschöpf dieses Systems, dem ich meine Karriere verdanke», sagte Gottschalk. Gerade weil er an das öffentlich-rechtliche System glaube, wolle er «nicht schweigend dabei zuschauen, wie es sich zu Tode verwaltet und die Zeichen der Zeit missdeutet».

Schon am Sonntag zuvor hatte Gottschalk in der Audio-App Clubhouse eine Wutrede gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehalten. Er bezeichnete den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen «einfach katastrophal». Er sei «voll heiligem Zorn, was die Chancen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens betrifft und wie wenig daraus gemacht würde.»