Kultur

Feministin, Abenteurerin, Nobelpreisträgerin: Die englische Schriftstellerin Doris Lessing

Die englische Schriftstellerin Doris Lessing hat 2007 den Literaturnobelpreis gewonnen.

Die englische Schriftstellerin Doris Lessing hat 2007 den Literaturnobelpreis gewonnen.

Die 2013 verstorbene Nobelpreisträgerin Doris Lessing wäre am Dienstag 100 Jahre alt geworden. Sie war eine politische Mahnerin und Visionärin.

Als Doris Lessing 2007 den Nobelpreis erhielt, wurde nicht nur eine literarische Chronistin des 20. Jahrhunderts ausgezeichnet, sondern auch eine politische Mahnerin und Visionärin. Bei einem Treffen im Frühjahr 2007 sagte sie:

Am Dienstag wäre die 2013 verstorbene Schriftstellerin 100 Jahre alt geworden.

Es war das «Goldene Notizbuch» (1962), das sie weltberühmt machte und den Kampf der Frauen um Gleichberechtigung stärkte. Aber die britische Schriftstellerin hat sich ebenso wenig zur Feministin erklären lassen wie zur Science-Fiction-Autorin oder zur Kommunistin. Wer sich nach dem «Goldenen Notizbuch» konsequent feministische Positionen wünschte, wartete so vergeblich wie jene, die nach psychologisch komplexen Romanen wie «Martha Quest» (1952) und dem schmalen, aber grossartigen Roman «Der Sommer vor der Dunkelheit» (1973) mit «Space Fiction» nichts anfangen konnten.

Doris May Tayler wurde am 22. Oktober 1919 in Persien geboren. Ihr kriegsinvalider Vater wollte England verlassen. 1924 übersiedelte die Familie nach Südrhodesien, wo sich Alfred Tayler in Tabak- und Maisanbau versuchte. «Schon bevor ich sechs war, bin ich mit meinen Eltern tage- und wochenlang gereist, auf dem Schiff, in Zügen und Planwagen. Es ist wunderbar für ein Kind, schon so vieles zu sehen. Vermutlich ist das der Vorrat, aus dem meine Fantasie schöpft», erzählte die Schriftstellerin bei einem Treffen 2004 in London.

Reisen als Kind brachte lebenslang Fantasievorrat

Die Kindheit als wildes Mädchen im rhodesischen Busch hat sie in ihrer Autobiografie «Unter der Haut» (1994) beschrieben. Viele ihrer Bücher beziehen ihre Inhalte und ihre Kraft aus diesen ersten dreissig Jahren. Neben dem Glücksthema der afrikanischen Natur stand das Leidensthema der Beziehung zur Mutter.

Mit 14 verliess die rebellische Tochter die Schule, mit 17 die Farm. «Heute tut mir das sehr leid, ich sehe, wie falsch ihr Leben für sie war, und ich war Teil dieses Lebens», schrieb sie.

Als Doris Lessing 1949 nach London kam, hatte sie an der Hand ihren zweieinhalbjährigen Sohn Peter und im Gepäck das Manuskript ihres ersten Romans «Afrikanische Tragödie». Hinter ihr lagen zwei Ehen, ihr Name Lessing stammt von ihrem zweiten Ehemann, dem jüdischen Emigranten Gottfried Lessing. Der Erfolg als Schriftstellerin aber liess nicht lange auf sich warten. Zwischen Alleinerziehen, Engagement für den Kommunismus und schriftstellerischer Arbeit verging das erste Jahrzehnt: «Ich steckte voller Zuversicht und Optimismus, obwohl mein weltlicher Besitz zu vernachlässigen war: 150 Pfund Sterling … ein paar Koffer voller Bücher … ein paar Kleider.»

In diese Zeit fällt aber auch Lessings Desillusionierung, was den Kommunismus betrifft. Ihre Kritik an denen, die sich weigern, Wahrheiten ins Gesicht zu sehen, stellte seither einen roten Faden in ihrem Werk dar. Genauso wie Paarbeziehungen, die sie mit unromantischer, fast wissenschaftlicher Haltung beschrieb, die Mechanismen und Muster erkennen will.

Doris Lessing war eine leidenschaftliche Experimentierende, die von Gedichten bis zu Stücken, von Science Fiction bis zum Opernlibretto, vom Reisebericht bis zur Graphic Novel, von Katzenbüchern bis zum politischen Essay Welten ausloten und Neues verstehen wollte.

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