Tatort-Kolumne
Eine gerissene Journalistin fordert das Ermittlerteam aus Hamburg heraus

Ein internationaler Investor soll sein Geld mit schmutzigen Immobiliendeals verdient haben. Kein einfacher Fall für Hauptkommissar Thorsten Falke, denn auch seine Ex-Loverin und Journalistin Imke Leopold ist involviert.

Julia Stephan
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«Tatort» – «Tödliche Flut», So, SRF1, 20.05 Uhr.

«Tatort» – «Tödliche Flut», So, SRF1, 20.05 Uhr.

Das Erste

Sie ist intensiv, sie will alles auf einmal und von allem zu viel. Die investigative Journalistin Imke Leopold fordert alle heraus. Für ihre Recherchen trampelt sie blind über die persönlichen Grenzen ihrer Mitmenschen.

Als sie ihren Ex-­Lover, den Ermittler Thorsten Falke, mit seiner Kollegin Julia Grosz auf ihre Heimatinsel Norderney lockt, weil sie einen Immobilienskandal vor ihrer Haustür wittert, wird aus dem Krimi ein beklemmendes Insel-Kammerspiel um drei Menschen, die nicht so recht wissen, wie weit sie sich über den Weg trauen können. Was treibt die drei an? Der Geschlechts- oder der Wissenstrieb? Das lässt sich nicht sagen. Alles ist Emotion.

In der Schroffheit launischer, vom Meer unterspülter Naturbilder, zu denen die NDR-Radiophilharmonie mit einem opulenten, schaurigen Klangerlebnis aufspielt, lässt man sich treiben bis hinein in den Showdown im Wattenmeer. Klar, die Musik ist etwas gross geraten für die Bilder, ein «Tatort» ist schliesslich kein Hollywood-Film. Aber sie entführt einen doch in ein besonderes Schauermärchen mit einer Männer verhexenden Hauptdarstellerin in der Mitte.

So gern man darüber hinwegsehen würde: Irgendwann fällt auf, dass im Kern der Story, die so vielver­sprechend beginnt, mit nebulösem, packendem Gerede von einem ­globalen Investor, der schon die halbe Insel aufgekauft haben soll, eine grosse Leere klafft. ­Darstellerin Franziska Hartmann spielt intensiv, doch sie kann ihrer geheimnisvollen Figur zu wenige Facetten abgewinnen. Das Ende ist vorhersehbar.

«Tatort» – «Tödliche Flut», So, SRF1, 20.05 Uhr.