Kunst
Ausstellung «Konkret! Vier Konzepte»: Die Poesie der Geometrie

Klare Formen, bunte Farben: Eine Ausstellung im Kunsthaus Zofingen zeigt die Spielfreude konkreter Kunst.

Anna Raymann
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Fulvio Castiglioni im Neonlicht von Lukas Veraguth.

Fulvio Castiglioni im Neonlicht von Lukas Veraguth.

Die neuen Gäste grüssen schon von weitem. Wenn es draussen dunkel ist – und das ist es dieser Tage vor dem Frühling lange – wirft das Kunsthaus Zofingen einen schimmernden Schatten durch die grossen Bogenfenster auf den Asphalt davor. Der Berner Künstler Lukas Veraguth hat einen Kreis, durchschnitten von zielstrebigen Linien, mit farbiger Folie auf die Scheibe geklebt. Es ist der erste Hinweis auf die kommende Ausstellung «Konkret! Vier Konzepte».

Das Konkrete in der Kunst zeigt sich in geometrischen Formen: in Kreisen, Dreiecken – und natürlich den Rechtecken und Quadraten. Die Figur sucht man hier vergebens. Abstrahiert wird im eigentlichen Sinne aber gar nicht, die Geometrie genügt sich selbst. Max Bill, Sophie Taeu­ber-Arp und Richard Paul Lohse etwa schnitten ihre Formen mit scharfen Kanten und wenig Kompromissbereitschaft.

Dieses Heimspiel wird zur Entdeckungsreise

Ob all der Mathematik, all der Präzision und Strenge – erfrischend anzusehen ist das auch heute noch allemal. Das zeigt sich nun auch in Zofingen. Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung sind die Arbeiten von Fulvio Castiglioni. Der Zofinger Künstler und Grafiker ist 2020 verstorben und hinterlässt ein reiches Werk, nicht nur in den zwei Atelier-Lagern in Zofingen und Oggebbio am Lago Maggiore, sondern auch im Aargauer Städtchen selbst mit verschiedenen «Kunst am Bau»-Projekten. Als Vorstandsmitglied war er mit dem Kunsthaus aktiv verbunden, machte etwa die Grafik für das Haus. Es müsste ein Heimspiel sein, vor allem aber ist es eine Entdeckungsreise.

Zu sehen gibt es von Casti­glioni in der aktuellen Ausstellung hauptsächlich Malerei. Auf kleinformatigen Quadraten charmant-skizzenhaft erprobt, überträgt er die klaren Linien nicht nur auf Leinwände, sondern auch auf Holz, Karton – und zuletzt sogar auf die Tischplatten von typischen Ikea-Beistelltischchen. Wer es nicht wüsste, würde das Möbelstück so kaum erkennen.

Es ist ein vielfältiges, undogmatisches Schaffen, das hier gezeigt wird. Ob in spielerischen Holzobjekten, in Collagen (wo sich gar eine Schuhbürste, als schwarzes Quadrat getarnt, ins Bild schleicht) oder in den späteren digital gefertigten Arbeiten – die Geometrie windet sich als roter Faden hindurch.

Schmucke Ecken und pulsierende Kreise

Zu Castiglioni gesellt Kuratorin Eva Bigler drei weitere Künstlerinnen und Künstler: Die Zürcherin Clare Goodwin (1973), den Thuner Dominik Strauch (1962) und den Berner Lukas Veraguth (1985), der das Publikum mit seiner Installation am Fenster schon begrüsste.

Um Licht geht es in den meisten seiner Arbeiten. Bunt gefärbte Neonröhren verbindet Veraguth zu leuchtenden Teppichen, die er im Raum auslegt. Mal sind sie strikt gerastert wie das Mosaik aus Acrylbausteinen. Dann wiederum sind sie schwungvoll verkettet. So etwa beim barocken Schlitten, den er in der oberen Etage unter den Kronleuchter stellt.

Clare Goodwin ist in Zofingen vor allem mit neueren Arbeiten vertreten. Die Künstlerin, die in London Malerei studiert hat, formt seit 2018 prägnante Keramikscherben. Goodwin, bekannt für präzise Linien, muss in dieser Technik die Feinheiten dem Zufall überlassen – nicht aber die Positionierung: Keck überrascht so manches Objekt unerwartet in Winkel und Ecken. Den Rundgang schliesst Dominik Stauch mit einem sinnlichen, fast andächtigen Bild: Kreise dehnen sich aus, bis sie sich auflösen – gerade so, als schlüge ein Steinchen Wellen ins Wasser. Die Videoprojektion «Stand By (Requiem)» füllt den Raum und lässt zugleich Platz für eigene Assoziationen.

Es ist eine leichtfüssige Begegnung dieser vier Kunstschaffenden, ein tänzerisches Sinnieren und Weiterspinnen über das Konkrete.

Konkret! Vier Konzepte: 19.2.–10.4. Kunsthaus, Zofingen