Fernsehen
Die neue SRF-Serie «Frieden» wird geradezu gefeiert – davon profitiert vor allem das «Schweizer Netflix»

Die SRF-Serie «Frieden» über drei junge Schweizer nach dem Zweiten Weltkrieg kommt gut an. Wer will, kann den Sechsteiler bereits an einem Stück sehen. Wie die SRG den Serienstoff geschickt für ihre neue Plattform nutzt.

Daniel Fuchs
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Die Schweiz zeigte sich grosszügig: KZ-Überlebende (die Buchenwald-Buben) sollten sich hierzulande erholen.

Die Schweiz zeigte sich grosszügig: KZ-Überlebende (die Buchenwald-Buben) sollten sich hierzulande erholen.

CH Media

Die Vorfreude war gross. Für die neue Serie «Frieden» des Schweizer Fernsehens gab es bereits letzte Woche gute Kritiken (diese Zeitung inklusive).

Auch den Zuschauerinnen und Zuschauern scheint die sechsteilige Geschichte über drei junge Menschen in der Schweiz und deren verwobene Geschichten zu gefallen. Die Resonanz auf Social Media: mehrheitlich positiv. Die Zuschauerzahlen: erfreulich.

Und etwas verkappt:

Durchschnittlich 540'000 Zuschauer haben sich laut Urs Fitze, Leiter der SRF-Abteilung Fiktion, die beiden ersten Folgen im linearen Fernsehprogramm am Sonntagabend angesehen. Das entspreche einem Marktanteil von 28,8 Prozent, wie Fitze schreibt. Und das in einem umkämpften Markt am Sonntagabend.

Noch unbekannte Zugriffszahlen, doch «Frieden» ist ein Zugpferd

SRF zeigt sich mit dem Start zufrieden, zumal Zuschauerzahlen und Marktanteil in der Realität noch höher liegen dürften. In den oben genannten Zahlen sind die Online-Zugriffe nämlich nicht eingerechnet. Für eine Bilanz ist es für SRF deshalb noch zu früh. Das Fernsehen will die Ausstrahlung der verbleibenden vier Folgen abwarten. Am Montagabend zeigt SRF Folgen 3 und 4, am Mittwochabend Folgen 5 und 6.

Klar aber ist: «Frieden» kommt fürs Schweizer Fernsehen wie ein Geschenk des Himmels. Pünktlich auf den Start der Mini-Serie hin ging die neue Plattform für Schweizer Serien, Spiel- und Dokfilme «Play Suisse» online. Via herkömmliche SRF-Apps sowie die neue Plattform – sie gibt es auch als App fürs Smartphone oder den Smart-TV – kann bereits seit dem Wochenende die komplette «Frieden»-Serie gesehen werden.

«Frieden» besticht sowohl inhaltlich als auch technisch. Und damit erhält «Play Suisse» nun Extraschub. Die Plattform ist ein Prestigeprojekt der SRG. Und diese weiss die Serie geschickt dafür zu nutzen.

«Play Suisse» erinnert an Oberfläche von Netflix

Ein erster Test der Plattform zeigt: Es hat sich gelohnt. Vergleiche wie «ein Schweizer Netflix» sind nicht verkehrt. Das Tollste: Weil die Plattform für die gesamte Schweiz funktionieren muss, gibt es die Produktionen auch in Originalsprache mit frei wählbaren Untertiteln. Die SRG erfüllt damit einen Wunsch, der immer wieder geäussert worden ist. So können auf «Play Suisse» endlich auch die äusserst gelungenen Westschweizer Serien «Helvetica» und «Bulle» (auf Deutsch: «Kleine Lügen») gestreamt werden. Auf Wunsch in Originalsprache, mit deutschen Untertiteln.

Zurück zu «Frieden», dem Deutschschweizer Serien-Prestigeprojekt: Das Drehbuch stammt von Petra Volpe, Regie führte Michael Schärer. Es geht um Nazis, die von der Schweizer Politik und Industrie gedeckt werden. Und um jugendliche KZ-Überlebende, die sich hierzulande erholen sollen, aber nicht besonders herzlich empfangen werden. Und um die generelle Frage: Wie kann das Land seine Wirtschaft umbauen, nachdem mit der Kapitulation Deutschlands plötzlich der wichtigste Handelspartner weggebrochen ist.

Wer mehr wissen will über die wahren Hintergründe, für den hat SRF ein ganzes Rahmenprogramm im Angebot.

Blochers Ems-Chemie diente als Vorlage für «Frieden»

Bereits letzte Woche strahlte SRF den Dokumentarfilm über die Bündner Ems-Chemie aus, die nach dem Krieg wohl nur dank in Deutschland geholtem Knowhow überlebte. Knowhow von Chemikern notabene, die in Deutschland Mitglieder der NSDAP waren.

Der Fall Ems-Chemie bildet gewissermassen die Vorlage für einen wichtigen Strang der Geschichte in «Frieden». Im besagten Dok über die Ems-Chemie kommt auch der spätere Besitzer Christoph Blocher ausführlich zu Wort und verteidigt etwa den Umstand, dass sein Konzern die dunkle Seite seiner Geschichte nie aufgearbeitet hat.

Den Ems-Chemie-Dok sahen sich gemäss SRF 460'000 Zuschauer an. Auch er erreichte einen Marktanteil von über 27 Prozent. Das zeigt: Das Thema der Nachkriegszeit in der Schweiz interessiert. Ein Glücksfall für uns Zuschauer, für SRF und das neue «Schweizer Netflix».