Kultur

Die Harry Potter Autorin greift wieder in den Honigtopf

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Die Autorin J.K. Rowling hat noch nicht genug - neue Filmtrilogie, neues Bühnenstück, neues Kinderbuch. So will die Britin will an alte Erfolge anknüpfen.

Eigentlich könnte sich Joanne K. Rowling längst zur Ruhe setzen. Dank «Harry Potter» müsste die erfolgreichste Autorin der Welt keinen Tag mehr arbeiten. Als im Sommer 2007 der letzte Band über ihren bebrillten Zauberschüler erschien, verkaufte er sich 11 Millionen Mal – alleine am ersten Tag.

Rowlings siebenteilige Romanserie wurde weltweit über 400 Millionen Mal abgesetzt. Und die Verfilmungen, an denen sie als Produzentin finanziell mitbeteiligt war, avancierten zur zweiterfolgreichsten Kinoserie aller Zeiten.

Die Britin, die im Juli ihren fünfzigsten Geburtstag feierte und einst auf Sozialhilfe angewiesen war, besitzt heute ein Gesamtvermögen von über 800 Millionen Dollar. Sie ist, sagen die Briten, sogar reicher als die Queen.

Frühzeitig in Rente zu gehen, kam für die dreifache Mutter aber nie infrage. Rowling nutzte ihre finanzielle Unabhängigkeit stattdessen, um literarisches Neuland zu betreten.

Vor drei Jahren versuchte sie sich erstmals an einem Roman für Erwachsene: «Ein plötzlicher Todesfall» fiel bei den Kritikern aber weitgehend durch und verkaufte sich nur mässig.

Und Rowlings anschliessende Cormoran-Strike-Krimitrilogie (2013–2015) erregte vor allem deswegen Aufmerksamkeit, weil sie die Bücher nicht unter ihrem eigenen Namen, sondern unter dem männlichen Pseudonym Robert Galbraith veröffentlichte.

Potter-Teil 8 im Theater

Rowlings Erfolge seit dem Ende von «Harry Potter» waren bescheiden, mit ihren literarischen Ausflügen hat sie sich gewissermassen die Finger verbrannt. Nun greift sie aber wieder in ihren Honigtopf.

Harry Potters Nachfolger: Eddie Redmayne als Zauberer Newt Scamander. HO

Harry Potters Nachfolger: Eddie Redmayne als Zauberer Newt Scamander. HO

Unlängst hat Rowling eine Fortsetzung ihrer Potter-Serie angekündigt mit dem Titel «Harry Potter and the Cursed Child». Darin ist Harry Potter inzwischen erwachsen und ein ausgebrannter Mitarbeiter des Zaubereiministeriums. In den Fokus rückt aber auch Harrys ältester Sohn Albus, der laut Rowling unter der gewaltigen Last des Familienvermächtnisses leidet.

Der Clou am Ganzen: Teil acht der Potter-Saga erscheint nicht als Roman, sondern als zweiteiliges Bühnenstück. «Das einzig richtige Medium» für diese Geschichte, sagte Rowling voller Überzeugung.

Die Doppelaufführung läuft zwischen Juli und September 2016 im Londoner West End’s Palace Theater. Der Ansturm war riesig: Sämtliche Tickets waren innerhalb von acht Stunden ausverkauft.

Neuer Harry ist ein Oscargewinner

Doch damit nicht genug. Rowling ist mit dem Hollywoodstudio Warner Bros, das bereits die acht «Harry Potter»-Kinofilme auf die Leinwand brachte, eine «erweiterte kreative Partnerschaft» eingegangen.

Das erste Ergebnis ist der Kinofilm «Fantastic Beasts and Where to Find Them», Teil eins einer geplanten neuen Trilogie. Die Dreharbeiten laufen derzeit auf Hochtouren, Kinostart ist im November 2016.

Fantastic Beasts and Where to Find Them - Trailer

Fantastic Beasts and Where to Find Them - Trailer

Zum Wiedersehen mit Harry Potter kommt es zwar nicht, der Film spielt aber in derselben magischen Welt, und zwar siebzig Jahre vor den bereits bekannten Ereignissen. Rowlings neuer Harry Potter heisst Newt Scamander und wird vom aktuellen Oscarpreisträger Eddie Redmayne («The Theory of Everything») gespielt.

Newt ist ein Zoologe mit Zauberkräften (und späterer Autor von Harrys Biologiebuch), hochintelligent und menschenscheu. Sein Abenteuer beginnt, als er mit einem Koffer (innen grösser als aussen) voller magischer Kreaturen nach New York reist – und dort mitten in eine gewaltige Auseinandersetzung zwischen magischen und nicht magischen Wesen, die vor dem (realen) Hintergrund der Hexenprozesse von Salem spielt.

Der Film zeichne sich durch Rowlings «typisch unglaubliche Vorstellungskraft» aus, sagte Produzent David Heyman dem US-Magazin «Entertainment Weekly.» Während Rowling den «Harry Potter»-Filmen vornehmlich beratend zur Seite stand, wagte sie sich für «Fantastic Beasts and Where to Find Them» erstmals gleich selbst an das Drehbuch.

Der erfahrene Steve Kloves, der Rowlings bisherige Potter-Romane für die Leinwand adaptiert hatte, stand ihr dabei assistierend zur Seite. Während auch weitere Potter-Veteranen wie Regisseur David Yates (er inszenierte bereits die letzten vier Verfilmungen) zurückkehren, um einen nahtlosen Anschluss zu garantieren, sind vor der Kamera vor allem neue Gesichter anzutreffen.

Darunter bekannte wie jene von Redmayne, Colin Farrell und Jon Voight, sowie die noch wenig bekannte Katherine Waterstone («Steve Jobs») in der weiblichen Hauptrolle.

Was die Fans wirklich freut

Doch auch Theaterstücke und Filmdrehbücher sind Neuland für Rowling. Was ihre Fans wirklich aufhorchen liess, war ihre Ankündigung eines neuen Kinderbuchs. Teile davon habe sie sogar bereits geschrieben, erzählte sie vergangene Woche in einem Radiointerview mit der BBC.

Ob es jenes «politisches Märchen für eine junge Leserschaft» ist, das sie über die Jahre immer wieder angedeutet hat? Sicher ist einzig, dass Rowling sich wieder jener Aufgabe annimmt, die sie zweifellos am besten beherrscht: die Gedankenwelt von Kindern auf der ganzen Welt zu verzaubern.

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