Theater

Die Digitalisierung erreicht das Jugendtheater: Kostproben gibt es am Festival Fanfaluca in Aarau

Die Schultheatergruppe der Zürcher Kantonsschule Enge zeigt ihr Stück «Kleider machen Leute oder Sallys Fall».

Die Schultheatergruppe der Zürcher Kantonsschule Enge zeigt ihr Stück «Kleider machen Leute oder Sallys Fall».

Beim Festival Fanfaluca, das am 8. September in der Tuchlaube in Aarau startet, rückt neben der Pandemie vor allem die Digitalisierung in den Fokus. Dieses Jahr musste das Festival wegen Corona auf zwei Produktionen reduziert werden.

Für die 7. Ausgabe des Jugendtheaterfestivals Fanfaluca war klar: Einfach ignorieren kann man die aussergewöhnliche Corona-Situation nicht. Dabei ist das eigentliche Thema des Festivals aber nicht Corona selbst, sondern die verschiedenen Formen digitaler Ästhetik, wie das Digitale die Theaterwelt erweitern kann – und wo es an seine Grenzen stösst.

Das Festival, welches vom Verein «Theatertreffen der Jugend» getragen wird und jedes Jahr jungen Theatergruppen eine Plattform bietet, findet in einer abgespeckten Version statt: Es treten zwei Ensembles statt wie üblich acht oder neun auf, und mit der Tuchlaube ist lediglich ein Spielort vertreten. Das Festival lädt jedes Jahr im Rahmen eines landesweiten Wettbewerbs junge Ensembles nach Aarau ein. Dieses Jahr stammen die Gäste aus der Kantonsschule Enge in Zürich und aus Basel Stadt.

Eine solche Krise bietet auch Chancen für Neues

Mit dem Programm geht das Festival auf die Möglichkeiten und Schwierigkeiten ein, die sich aus der Lockdown-Situation ergeben haben. «Corona ist ein allgegenwärtiges Thema, welches das Denken und Handeln im Kulturbetrieb beeinflusst», sagt Lukas Renckly, Mediensprecher des Festivals. So war es für viele Gruppen beispielsweise schwierig, zu proben. Und lange war nicht klar, ob und wie das Fanfaluca stattfinden kann.

Laut Petra Fischer, die den Vorsitz der Auswahlkommission innehat, sei die Krise als Chance wahrgenommen und als Katalysator für die Auseinandersetzung damit, welche Bedeutung Digitalität für die darstellenden Künste hat, genutzt worden. «Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von digitaler Welt und Theaterwelt zu untersuchen war schon vorher ein Anliegen von Theaterschaffenden, nun erhielt dieser Anspruch einen neuen Schub.» So diskutieren am letzten Festivaltag zum Beispiel Expertinnen über die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung für das Theater bietet, wollen aber auch herausfinden, wo ihre Grenzen liegen könnten. Denn trotz allem bleibt Theater eine Kunst, welche von der unmittelbaren Interaktion zwischen Publikum und Schauspielenden lebt.

Deswegen ist Petra Fischer besonders erleichtert, dass das Festival, wenn auch in einer «light»-Version, live stattfinden kann. «Auch wenn wir eine Sonderausgabe präsentieren werden, so sind wir doch froh, dass die Gruppen auftreten können, wenn auch mit angepasstem Programm.» Die bereits ausverkaufte erste Vorstellung von «Liebes-Spiel» des Vereins Fokus Leben zum Beispiel musste darauf reagieren, dass die unheilbar kranken jungen Erwachsenen, welche das Ensemble bilden, bei einer Erkrankung mit Covid-19 Risiko-Patientinnen wären. Die Gruppe hat digitale Formen genutzt, um das Stück dennoch live zur Aufführung zu bringen – wenn auch mit reduzierter Besetzung.

Für die Zukunft ist das Festival gewappnet

Mit den Erfahrungen, die sie dieses Jahr sammeln, wollen sie sich auch bereits für das nächste Fanfaluca vorbereiten: «Wir gehen davon aus, dass das Festival auch nächstes Jahr stattfinden kann; Corona wird dann immer noch da sein, aber genau so ist auch die Digitalität ein Bestandteil unserer Lebenswelt und wird in Zukunft noch wichtiger werden», ist Petra Fischer sicher. Insofern trifft das Fanfaluca den Nerv der Zeit und leistet gleichzeitig, was Theater seit jeher leistet: Mit einem gegenwarts- und zukunftsrelevanten Programm will das Fanfaluca auch dieses Jahr sein Publikum mitreissen – kompakter und mit Maskenpflicht.

Hinweis
Das Jugendtheaterfestival gibt es seit 2014 und bringt Schultheaterstücke, Produktionen der Theater-Jugendclubs und Inszenierungen der Freien Szene an einem Ort zusammen. Es findet vom 8. bis 12. September in der Tuchlaube Aarau statt.

www.jugendtheaterfestival.ch

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