Hallenstadion Zürich
Der Olymp ruft: Das neue Unplugged-Projekt von Pegasus wird im Mai im Hallenstadion uraufgeführt

Die Popband Pegasus präsentiert zur Wiedereröffnung des Hallenstadions Zürich ihr neues Unplugged-Programm. Macht das Sinn?

Stefan Künzli
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Pegasus sind wieder zu Viert: Simon Spahr, Noah Veraguth, Stefan Brenner und Gabriel Spahni.

Pegasus sind wieder zu Viert: Simon Spahr, Noah Veraguth, Stefan Brenner und Gabriel Spahni.

Bild: Gadget

Alle wollen ins Hallenstadion. Obwohl die Akustik mies und der Blick auf die Bühne eingeschränkt ist, hat in der Schweizer Pop- und Rockprominenz ein Wettkampf um die grösste Eventhalle der Schweiz eingesetzt. Es ist ein Wettlauf um Prestige. Es ist die Parade der erfolgreichsten Pop- und Rockkünstler. Mit 20 Auftritten ist DJ Bobo der unbestrittene König der Halle in Oerlikon. Es folgen Gölä, Trauffer, Krokus, Yello und zuletzt Hecht (siehe Box). Nicht überraschen kann deshalb, dass auch Blay, das neue Projekt von Bligg und Marc Sway, im Wartezimmer Platz genommen haben. Am 4. Dezember dieses Jahres wollen die beiden im erlauchten Kreis aufgenommen werden.

Es ist eine Frage des Prestiges

Doch zunächst will es noch die Bieler Band Pegasus wissen. Im Hallenstadion wird im Mai ihr neues Unplugged-Projekt uraufgeführt. Auch hier geht es vor allem ums Prestige. «Das Hallenstadion ist der Olymp der Schweizer Musiker. Es ist der Gipfel», gibt Sänger Noah Vera­guth zu, «wir wurden vom Hallenstadion angefragt, die Wiedereröffnung zu bestreiten. Es ist uns eine Ehre, sie wahrzunehmen.» Auf ihrer absolut ersten Tour, im Vorprogramm von Joe Cocker, spielten Pegasus schon einmal im Hallenstadion. Jetzt folgt die Premiere als Headliner. «Das ist schon eine schöne Herausforderung», sagt Veraguth.

Aber macht es auch Sinn? Unplugged-Konzerte sind in einer intimen Atmosphäre und einem kammermusikalischen Rahmen am schönsten und wirkungsvollsten. Das funktionale Hallenstadion mit seinem kalten Charme kann das kaum bieten. Pegasus-Manager Oliver Rosa betont, dass Pegasus kein normales Hallenstadionkonzert bieten werden. Es gibt ausschliesslich nummerierte Sitzplätze und eine Bühne, die in der Mitte der Halle aufgebaut wird.

Das Coronaschutzkonzept kommt der Unplugged-Idee entgegen. Statt 13000 werden maximal 4500 Besucherinnen und Besucher zugelassen. Es gebe zwar intime und leise Passagen, erklärt Vera­guth, aber das akustische Bandset wird ergänzt um Streicher und Bläser. «Das kann ganz schön wuchtig und pompös werden, wir spielen mit Dynamik und Abwechslung», sagt er. Insgesamt stehen 15 Leute auf der Bühne. «Es wird kein intimes Kammerkonzert», sagt er.

Abkehr vom Synthetischen kommt der Band gut

Bands greifen oft auf Unplugged zurück, wenn sie in einem Kreativitätsloch stecken und ihnen nichts mehr in den Sinn kommt. «Es stimmt. Neben drei neuen Songs präsentieren wir hier eine Kollektion unserer bekanntesten Songs», sagt Veraguth, «unsere Kreativität ist diesmal vor allem in die Neubearbeitung der Songs und in die Arrangements geflossen.» Es war der Ehrgeiz der Band, mit Lillo Scrimali und Philip Niessen, zwei deutschen Spezialisten in Sachen Unplugged (Max Herre und Joy Delanane), den recht unterschiedlichen Songs ein einheitliches und zeitloses Klangkostüm zu verleihen.

Das Ergebnis, zu hören auf dem neuen Album «Unplugged», ist durchaus gelungen. Die Abkehr vom Synthetischen bekommt der Band gut. Das typisch Hymnische von Pegasus bleibt erhalten, der Hang zum übermässigen Pomp und übertriebenen Pathos ist aber gebrochen.

Durchführung ist noch nicht absolut sicher

Das Akustische passt und ist der Band auch gar nicht so fremd. Denn begonnen hat die Bieler Band nach 2003 mit akustischem Retro-Pop, bevor Hitmill-Chef Roman Camenzind der Band ein trendangepasstes Synthiekleid verpasste.

Mit der Rückkehr zum Akustischen ist auch das Comeback von Gitarrist Simon Spahr verbunden, der in der Synthiephase etwas überflüssig geworden ist. Im Akustikkonzept steht er wieder im Scheinwerferlicht.

Das Konzert zur Wiedereröffnung des Hallenstadions mit Pegasus war zuerst für November 2020 geplant. Ob es am 21. Mai durchgeführt werden kann, ist freilich überhaupt nicht sicher. Aber mit seinen sechs verschiedenen Eingängen eignet sich das Hallenstadion relativ gut, um den Schutz zu gewährleisten und die Mindestabstände des Coronakonzepts einzuhalten.

Pegasus: Unplugged (Gadget/Phonag). Live: 21. Mai, Hallenstadion Zürich.