Zum Wolkenschauer Werner Schwarz zog es alle hin

Um den Berner Künstler Werner Schwarz (1918-1994) versammelten sich Prominente wie Mani Matter, Balts Nill oder Lukas Hartmann. Ein am Sonntag in Luzern gezeigter Dokumentarfilm und eine Fotoausstellung in der Journalistenschule MAZ holt diese aussergewöhnliche Figur ins Gedächtnis zurück, die Zeitgenossen inspirierte.

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Werner Schwarz in seinem Atelier in Schliern. (Bild: PD)

Werner Schwarz in seinem Atelier in Schliern. (Bild: PD)

Kunst  Er schaute lieber den Wolken zu, sass gelassen auf einer Holzbank oder zeichnete seine Familie beim Heuen, als selbst den Karren zu schieben. Der Berner Künstler Werner Schwarz (1918–1994), Bauernsohn und Autodidakt, verweigerte sich ein Leben lang jeglichem Leistungsdenken. Das Original aus der Berner Gemeinde Schliern war das, was man heute einen «artist’s artist» nennen würde. In sein einfaches Atelier zog es Musiker wie Mani Matter oder Balts Nill, Models, Schriftsteller wie Lukas Hartmann oder Schauspielerinnen wie Heidi Maria Glössner, Politiker, Hochschuldozenten und ihre Studentenschaft.

Für den Kunstmarkt war er nicht gemacht

Was sie dort zum Bleiben anregte, ist Gegenstand eines Dokfilms von Christian Knorr. «Der Anachronist – Eine Reise zu Werner Schwarz» lässt Zeitzeugen reden, Schwarz’ Glaskunstwerke in der Sonne glitzern und seine Malereien das ausdrücken, wonach der Künstler fernab vom Kunstmarkt, für den er zu wenig kompatibel war, forschte und wofür er manchmal auch die Geometrie als Hilfswissenschaft zu Rate zog.

Filmemacher Knorr ist bei Recherchen auf 2500 Dias mit Fotoporträts gestossen. Ein Bruchteil ist als Fotodruck in der Journalistenschule MAZ in Luzern ausgestellt. Sein Film lebt vom unerschöpflichen Filmmaterial des Künstlers, seinen Naturbeobachtungen, Experimentalfilmen und Eindrücken von Reisen durch Asien, Afrika und Europa, auf denen sich das urchige Künstleroriginal mit Berndeutsch durchschlug. Vor seinem Tod darauf angesprochen, wie die Existenz danach werde, soll er unaufgeregt geantwortet haben: «Emol ned strüber.» (jst)

«Der Anachronist», 26. 8., 11.30 Uhr im Kino Bourbaki Luzern in Anwesenheit des Regisseurs. Das MAZ zeigt bis 12. 11. Fotoprints von Werner Schwarz. Luzern, Murbacherstrasse 3. www.mazgalerie.ch