Collegium Vocale zu Franziskanern: Den Frieden besingen und erneuern

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg mit einem Waffenstillstand. Das Collegium Vocale zu Franziskanern Luzern bot eine musikalische Rückbesinnung. Und berührte die Herzen der Zuhörenden.

Roger Daniel Tanner
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Das Collegium Vocale zu Franziskanern begeisterte. (Bild: Dominik Wunderli, 31. Oktober 2015)

Das Collegium Vocale zu Franziskanern begeisterte. (Bild: Dominik Wunderli, 31. Oktober 2015)

Der November ist ein schwieriger Monat. Die Tage sind kurz, der Nebel drückt auf das Gemüt. Dazu gedenken die Kirchen der Toten. Das ist Motivation für die meisten Chöre, die vielen Werke zum Thema Tod aufzuführen. Ulrike Grosch, die Leiterin des Collegiums Vocale zu Franziskanern Luzern, ergriff die Gelegenheit, noch einen weiteren wichtigen Aspekt für diesen November als Ausgangslage musikalisch zu unterstreichen. Vor 100 Jahren endete der grosse Weltkrieg, dies mit einem Frieden, der sich leider als instabil erweisen sollte. Das Herbstprogramm des Collegiums vereinte romantische und neoromantische Werke und lud am Samstag in der Johanneskirche die zahlreichen Konzertbesuchenden ein, sich zu erinnern und zu hoffen auf Erneuerung.

Berühmter Bass-Bariton beeindruckt

Einer der Schwerpunkte in diesem tiefgründigen Programm waren Werke von Max Reger. Zwei davon aus den acht geistlichen Gesängen, welche ihn unmittelbar in seiner Todesstunde beschäftigten, sang das Collegium a cappella, gleich zu Beginn. Sowie zum Schluss des Programms sein Requiem, für Baritonsolo und Chor, arrangiert für Kammerorchester. Neben der beeindruckenden Ausdruckskraft des weltberühmten Bass-Baritons Klaus Mertens, der nicht nur in Diktion und Intonation überzeugte, sondern allein schon mit seiner Tongebung Geschichten erzählt, sang das Collegium in bewegender Weise Regers überwältigende Klangschlösser, bestechend rein. Und erreichte die Herzen der Zuhörenden sofort. Die Textverständlichkeit ist einer der Faktoren, die das Konzertieren in der Johanneskirche rechtfertigen. Obgleich ein grauer Betonbau, sorgen Beleuchtung und Spannteppich für Ausgleich.

Dazwischen intonierte der Chor glasklar und dynamisch Peter Cornelius’ «Der Tod, das ist die kühle Nacht», gefolgt von den vier ernsten Gesängen von Johannes Brahms, welche Klaus Mertens mit seinen innigen Seufzern gefühlvoll zu «erzählen» wusste.

Dann erklangen drei Werke mit Klavierbegleitung der mit nur 24 Lenzen verstorbenen und mit Virtuosität beseelten Lili Boulanger. Begleitet wurde das Vokalensemble von Pianistin Marina Vasilyeva. Grosses Lob gebührt auch den Chorsolisten, die sich gehaltvoll und sensibel in den Klang einbrachten. Mit «Die Nacht ist gekommen» bedankten sich das Collegium und Ulrike Grosch für den warmen Applaus des Publikums.

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