Kultur

Das Argovia Philharmonic war fast 20 Jahre seine Heimat. Mit dem Pforzheimer Orchester geht Chefdirigent Douglas Bostock nun online

Douglas Bostock.

Douglas Bostock.

Von 2001 bis 2019 leitete er das Argovia Philharmonic. Seit einem Jahr nun ist er Chefdirigent in Pforzheim. Sein Konzert am kommenden Sonntag kann man auch in der alten Heimat mitverfolgen - es wird online übertragen.

Er habe sich gut eingelebt bei den Pforzheimern, erzählt ­Bostock, und obwohl diese «Übergangssaison» schon weitgehend geplant war, habe er sich bereits mehr als erwartet einbringen können. In der konzertfreien «Coronazeit» wurden CD-Aufnahmen gemacht, Bostock spielte mit den Pforzheimern britische Streichermusik ein.

Nun geht es aber doch noch los, das letzte Abonnementskonzert der Saison fällt nicht mehr ins Wasser. Es findet wie geplant am 28.Juni statt, wenn auch ohne Publikum. Dafür gibt es eine Online-Übertragung auf Youtube und Facebook, bei der ein Bildregisseur und ein Tonmeister des WDR für eine professionelle Qualität sorgen. ­Bostock moderiert das Programm, Pianist Oliver Schnyder spielt Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466. «Es wird sich wohl anfühlen wie ein Auftritt im Fernseh- oder Radiostudio,» meint Schnyder, «doch für eine musikalische Sternstunde ist und bleibt das Saalpublikum essenziell, grosse Musik wurzelt in der Kraft des kollektiven Hinhorchens.»

Künstlerische Akzente vor allem in der Moderne

Das Kammerorchester Pforzheim ist ein Streicherensemble, also ein Kammerorchester. Was reizt Bostock nach dem Argovia Philharmonic daran? «Es ist ein auf hohem Niveau international etabliertes Orchester, die Musikerinnen und Musiker sind fest angestellt und spielen deshalb regelmässig zusammen.» Seit seiner Studentenzeit liebe er die Arbeit mit Streicherensembles, er leitete deshalb auch viele Jahre die Tschechische Kammerphilharmonie.

Und wo will Bostock seine künstlerischen Akzente setzen? «Wir sind kein Kammerorchester, das auf die historisch authentische Musizierpraxis spezialisiert ist. Natürlich ist die Spielweise des Orchesters daran orientiert, aber ich möchte vor allem in der Moderne mehr machen und Streichermusik des 20.Jahrhunderts spielen.» Zudem wolle er vermehrt auch weniger bekannte Stücke der Klassik und Frühromantik präsentieren, mit Bläsern als Zuzüger. Das Profil der Pforzheimer ist innovativ und offen, sie bieten auch Cross-over, Jazz, Familienkonzerte und «Musik+Literatur». Das gefällt Bostock, und sowohl die Abonnenten wie auch das jüngere Publikum sprechen darauf an. Die Pforzheimer wurden deshalb vom Musikmagazin «concerti» zum Publikum des Jahres 2019 gekürt.

Hinweis
Pforzheim (D), Congress Center: So, 28.Juni, 19Uhr. Die Sendung des Konzertes erfolgt über den Youtube-Kanal und die Facebook-Seite des Kammerorchesters: www.swdko-pforzheim.de

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