Comicroman
Wie der «Starman» David Bowie als Ziggy Stardust zwischen Grössenwahn und Depression geriet

Ein neuer Comicroman zeichnet den kometenhaften Aufstieg von David Bowie nach: Die Inspiration durch Stanley Kubricks «2001: Odyssee im Weltraum» und sein enormer Ehrgeiz, ein Weltstar zu werden, werden ihm aber fast zum Verhängnis - bis er die Reissleine zieht.

Hansruedi Kugler
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Bild: Reinhard Kleist, carlsen Verlag Gmbh

Da steht also 1973 dieser superdünne, extravagante Ausserirdische Ziggy Stardust auf der Bühne. Wie weggeblasen ist das rundum dominierende Hippietum, David Bowies theatrale Kunstfigur ist eine Sensation. Das kreischende Publikum streckt die Hände seinem Erlöser zu.

Auch sie wollen jemand anderes sein, genau wie Bowie selbst. Fünf Jahre noch bis zum Weltuntergang, singt er, zwischen den Sternen sei noch etwas, das unsere kaputte Welt vor dem Untergang bewahren wird. Folgt mir, um die Welt zu retten!

David Bowie in seiner exzentrischen Bühnenshow.

David Bowie in seiner exzentrischen Bühnenshow.

Bild: Reinhard Kleist, carlsen Verlag Gmbh

Ein neuer Comic-Roman fokussiert bei Bowies langem, chamäleonartigen Künstlerleben auf diese Explosion: «Starman» titelt Reinhard Kleist denn auch präzis sein Buch, das mit dem letzten «Ziggy»-Konzert endet. Bowie zieht die Reissleine: Seine ekstatisch-messianische Kunstfigur droht ihn in seiner Existenzkrise aufzufressen.

Neun Jahre zuvor, 1964, ist David Jones, der sich später wegen des legendären scharfen Messers Bowie nennt, vielleicht der Einzige, der sich als künftigen Weltstar sieht: «Zu keiner Zeit habe ich daran gezweifelt, dass ich Englands Elvis Presley sein würde», sagt er 1993 im Gespräch mit dem britischen Schriftsteller Hanif Kureishi.

Inspiration Astronaut: David Bowie kam auf seine Figur des Ziggy Stardust vor allem durch die Weltraumeroberung der späten 60er Jahre.

Inspiration Astronaut: David Bowie kam auf seine Figur des Ziggy Stardust vor allem durch die Weltraumeroberung der späten 60er Jahre.

Bild: Reinhard Kleist, carlsen Verlag Gmbh

Die Stärke von «Starman» ist es, eine Künstlerbiografie plausibel zwischen Grössenwahn und Depression zu verorten. Darin unterscheidet er sich von Comic-Biografien, die zu sehr aus Fan-Perspektive verfasst sind. Ästhetisch überzeugt Reinhard Kleists Buch zudem, weil er dem schrillen Äusseren seiner Figur einen angemessenen malerischen Stil verleiht.

Reinhard Kleist: Starman. David Bowies Ziggy Stardust Years. Carlsen Verlag, 162 S.

Reinhard Kleist: Starman. David Bowies Ziggy Stardust Years. Carlsen Verlag, 162 S.

Bild: Reinhard Kleist, carlsen Verlag Gmbh

Besonders einleuchtend und bildlich umgesetzt sind die Inspirationen zu jener Zeit. Denn was hat Bowie letztlich zum Weltkünstler gemacht? Es sind Stanley Kubricks «2001: Odyssee im Weltraum» (1968) und die live übertragene Mondlandung 1969, ein visionärer Manager und Bowies Ehrgeiz. Alles zusammen verwandelt den scheuen Tingel-Tangel-Musiker in den androgynen Propheten «Ziggy Stardust».

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