Und dann fallen Schüsse. Unter anderem einer für die Frau mit den grauen Haaren im Bus, die rassistische Bemerkungen macht. Am Schluss einer gegen sich selbst. Der Text, mit dem der Aargauer Jeremy Chavez (19) an den Poetry-Slam-Meisterschaften in Luzern in die Endrunde des U20-Finals einzog, war politisch, wütend und sehr, sehr gut vorgetragen.

Diese Sätze, auswendig, klar und deutlich hingeschleudert, mit präziser Dramaturgie komponiert, sassen. Das Publikum im Neubad stampfte beim Applaus, es gab die Bestnote des Abends.

In der Endrunde schlug Jeremy Chavez seine beiden Konkurrenten Noah Oetterli aus Thun und Jusef Selman aus dem Thurgau mit einem Text über Gesundheits- und Schönheitswahn. Jener war lustiger als der erste, aber ein nicht weniger ernst gemeintes Statement an die Gesellschaft.

«Wir sind alle hässlich, und das ist gut so», befand der Schüler aus Villmergen, nachdem er sich über die ungesunden Ausprägungen von Fitness und Ernährung ausgelassen hatte. «Lacht über euch», lautete sein Rat, statt «an Ingwerwurzeln zu nuckeln».

Er habe viel geübt, sagte der sichtlich glückliche Sieger nach dem Finale. Besonders den Text über Rassismus: «Darin erzähle ich von persönlichen Erfahrungen. Anfangs wurde ich beim Vortragen auf der Bühne immer sehr emotional. Ich musste lernen, mich besser zu kontrollieren.»