Stadt erwägt Alternativen zum Hafenkran

Wie weiter mit dem Hafenkran? Trotz Parlaments-Nein bleibt die Künstlergruppe um Jan Morgenthaler «auf Kurs», während die Stadt Alternativen erwägt. Und Hafenkran-Gegnerin Susi Gut droht, auf die Barrikaden zu gehen.

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Hafenkran

Hafenkran

Zur Verfügung gestellt

Matthias Scharrer

Soll am Zürcher Limmatquai als zeitlich befristetes Kunstprojekt ein Hafenkran entstehen? Die Frage erhitzt die Gemüter. «Auf keinen Fall», sagt Susi Gut, Gemeinderätin der kleinen Partei für Zürich (PfZ) und deren Kandidatin fürs Stadtpräsidium. «Der Gemeinderat hat Nein gesagt. Und damit basta!» Sie erinnert an die Budgetdebatte vom vergangenen Dezember, als das Stadtparlament einen 80000-Franken-Beitrag an das Hafenkran-Kunstprojekt «Zürich transit maritim» (Gesamtkosten: 625000 Franken) knapp ablehnte. Und den Stadtrat per Postulat aufforderte, «zu prüfen, wie auf die geplante Installation des Hafenkrans neben dem Rathaus-café verzichtet werden kann».

Jan Morgenthaler, Sprecher der Künstlergruppe, die das Hafenkran-Projekt entwickelt hat, gibt sich unbeeindruckt: «Wir sind auf Kurs.» Er verweist auf vertragliche Abmachungen mit der Stadt und installierte am Limmatquai auch nach der städtischen Budgetdebatte unbeirrt eine Schautafel, die im Rahmen von «Zürich transit maritim» Beziehungen der Limmatstadt zum Meer thematisiert. Mit weiteren «Freilegungen der Archäologie der Zukunft» sei zu rechnen, so Morgenthaler gestern.

Drei Optionen

«Es gibt Verträge mit den Künstlern», bestätigt Pio Marzolini, Sprecher des Stadtzürcher Tiefbaudepartements. Dessen Vorsteherin Ruth Genner hatte nach der Budgetdebatte angekündigt, im Januar bekannt zu geben, wie es mit «Zürich transit maritim» weitergeht. Die Abklärungen laufen noch, wie gestern bei Marzolini zu erfahren war. Genners Sprecher nennt drei mögliche Optionen: Zum einen ein redimensioniertes Projekt. Zum anderen Geldbeschaffung auf anderen Wegen. «Denkbar wäre auch, dass man statt des umstrittenen Krans etwas anderes hinstellt», so Marzolini weiter.

«Den Kran brauchts»

Für Christoph Doswald, Vorsitzender der städtischen Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum, spricht jedoch gerade seine «Penetranz» für das Hafenkran-Projekt. Schliesslich solle es eine städtebauliche Debatte auslösen, die zur Klärung der Frage beiträgt, was aus dem zentralen Platz am Limmatquai längerfristig wird. «Den Kran brauchts», folgert Doswald. «Wir stehen weiterhin dazu.»

Er erinnert daran, dass das Hafenkran-Projekt siegreich aus einem international ausgeschriebenen Wettbewerb mit 57 Beiträgen hervorging. Und dass der Stadtzürcher Gemeinderat zu einem früheren Zeitpunkt eine halbe Million Franken dafür bewilligte.

Die nun im Rahmen der Budgetdebatte gestrichenen 80000 Franken seien daher «nicht matchentscheidend». Es handle sich dabei lediglich um Beiträge an Teilprojekte wie ein Hafenkran-Fest oder Kommunikation. Andere Projekt-Elemente - etwa die für dieses Jahr vorgesehene Installation einer Hafensirene - seien davon nicht betroffen.

«Zürich transit maritim» sei als Prozess zu verstehen - und die laufende Entscheidungsfindung ein Teil davon. Wobei im Zeichen der bevorstehenden Stadtzürcher Wahlen auch politische Motive mitspielten.

Stadtpräsidiums-Kandidatin Gut ist empört. «Wenn das Hafenkran-Projekt trotz dem Parlaments-Nein kommt, gehen sehr viele Leute auf die Strasse», droht sie.