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Serie zum Mundartwörterbuch: Heute mit «Ruej»

Thomas Hostettler.

Thomas Hostettler.

Vom Mundartwörterbuch zu Literatur inspiriert: Thomas Hostettler schreibt über einen gemütlichen Frühlingsmorgen zu Hause.

die, Ruhe (selten und veraltet ruew). Es chunt zur Zit vöu Guets us China. Was für nes Gschänk di Ruej! Isch das e schöne Früeligsmorge! Kes Wöukli am Himu 18 Grad Celsius und es linds Lüftli. Karfritig. I sitze vor em Huus und dänken a mis Mami. Mis Büechli uf de Chnöi. De Zingaro e schwarze Kater schmeichlet sich dezue und ribt mir s Chöpfli a de Füess.

Linggerhand de Chriesiboum tribt sini erschte Blüete (vöu z früe!) de Raps gradus no grüen de Himu drüber blau und klar we säute. Kes Wöukli. Das heisst (äxgüsi goh schnäu hinder s Huus) ... doch eis. S Säubergmachte. Aber süsch ... was für ne Blöji! I de letschte Johr het dä Himu meh und meh usgseh we nes Schnittmuschter und jez: Läär. Meh as d Höufti vo de Flüüger am Bode. Det söle si bliibe! Ned sofort verschrotten aber ab i Hangar demit!

Mis Büechli. Wem ghört das überhoupt? I cha ned chinesisch. I bi nie z China gsi und scho gar ned vor 2500 Johr. Und doch dänk i und gspür i mängisch wie ne Chines. En aute. Das han i am Bertolt Brecht z verdanken und sim Gedicht: «Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration». Gschribe 1939 won er säuber ab het müesse. I drizäh wunderbare Värse fabuliert er vom Laotse. Dä verloot sis Land und ritet uf em Ochs devo. A de Gränze hautet ne e Zöllner uuf. Dä wott von em wüssen öb er d Woret über Tod und Läbe ... usegfunde heig und ladt nen ii zum bliibe. Nach ere Wuche übergit em de Laotse 81 Sprüch ... ebe das «Taoteking».

De Brecht het das mit Sicherheit gstudiert und töif verstande. Warschinli i der Übersetzig vom Richard Wilhelm (1911). Vom Brecht sind ou di Zile won i mou an ere Türe gläse ha (uf em Righi im Zen-Chloschter «Felsentor»): «Geh ich zeitig in die Leere Komm ich aus der Leere voll Wenn ich mit dem Nichts verkehre Weiss ich wieder was ich soll.» E lääre Himu. Was für ne wunderbare Tag. Was für ne Ruej. Es raschlet im Gebüsch. Es Fladeren e Satz de Kater het es Bachstöuzli i de Schnöre. S het ke Chance. Zwar s zablet no aber er hebt s zwüsche de Zange vo de Zähn bisst zue loot los rüert s i d Luft und packt s wider. De tanzt er mit em eis vo dene grässliche Ballett we si d Natur haut so bietet. Chli spöter ligge Fäderen im Gras.

Und e Galleblase. Was höuft mir jez de Bertolt Brecht? Was höuft mir de Laozi? (I säge hüt «Laozi» und nümme «Laotse» ... me seit ou nümme «Peking» sondern «Bejing») Es isch de Blick vo wiit ewäg. Dä Blick het ou mis Mami gha. Dä vom Mond oben abe. «De gsehn i d Meer und d Kontinänte. D Wüeschtinen und d Städt. I gseh we d Mönschen umechräsme we Ameisi. Und de dänk i: Genau so nes Ameisi bisch du ou. Und wüsse tuesch genau glich vöu. Nämli nüt.» Guet das het s vom Sokrates gha. Das isch e Zitgnoss gsi vom Laozi und vom Buddha by the way. De Bertolt Brecht isch spöter choo. Wie söle mir läbe? Was söle mir tue? Es fougt en Iisicht vom Laozi. De Spruch Nr. 47 i de Zofiger Mundart: Oni dass me wiit goht cha me d Wäut begriife. Oni us em Fäischter z luege cha me s Dao verstoh. Je witer as me furtgoht desto weniger begriift me. Wär das verstoht verstoht oni dass er muess reise. Er luegt oni z luege. Er volländet oni z tue. Oschtere. De Raps foot a gääle. De Himu isch no wien er gsii isch. Es chunt zur Zit vöu Guets us China.

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