Reggae

Mundart-Reggae-Star Phenomden: «Jamaika hat mich lockerer gemacht»

Phenomden performt «Frei Sii» bei Giacobbo / Müller

Phenomden performt «Frei Sii» bei Giacobbo / Müller

Er war 2009 der Aufsteiger des Jahres. 43 Wochen lang war das Album «Gangdalang» von Reggae-Sänger Phenomden in der Schweizer Hitparade platziert. Der Zürcher Mundart-Reggae-Sänger hat sich für sein neues Album «Eiland» von Jamaika inspirieren lassen

Mit ihm hat sich der Mundart-Reggae in der Schweiz etabliert. Diesen Freitag erscheint das Nachfolge-Album «Eiland», für das sich Phenomden von einem anderthalbjährigen Aufenthalt in Jamaika, dem Ursprungsland des Reggae, inspirieren liess. «Ich han ghört, Jamaica segi sweet, bis i deht gsi bin und gmerkt han, wer das seit undertriibt», singt der 31-Jährige im Titelstück, einer Hymne auf sein Jamaika.

Dabei ist Phenomdens Liebe zu Jamaica nicht blauäugig. «Es ist ein raues Leben auf der Insel, geprägt von Gewalt und Armut. Und immer geht es ums fehlende Geld», erzählt Phenomden, der bürgerlich Dennis Furrer heisst, «als Weisser ist man exponiert und braucht eine dicke Haut». Doch Phenomden hatte Glück. Er wurde von der 10-köpfigen Familie der Sängerin Lady Saw aufgenommen und durfte dort wohnen. Dort lernte er Land und Leute lieben, entdeckte die verborgenen, süssen Geheimnisse der karibischen Insel. «Ich habe alles aufgesaugt, sammelte Songideen und nahm Gitarren- und Gesangsunterricht», erzählt er.

Auf dem neuen Album gibt es deshalb weniger Sprechgesang. Die Musik groovt wie eh und je, doch Phenomden singt heute mehr, Melodielinien sind wichtiger geworden. Seinen Themen ist Phenomden auf «Eiland» dagegen treu geblieben. Wie bisher nennt er die Probleme beim Namen, gibt sich gesellschaftskritisch und politisch. Phenomden singt gegen Habgier, Eitelkeit, Neid und Hass in «Meh Liebi», gegen die SVP in «Sänger» und Banker in «Bandite und Gängschter», gegen Unterdrückung und Ausbeutung in «Oh, was für en Tag» für Solidarität, das Recht auf Nahrung und Freiheit in «Frei Si».

Glaubwürdiger und dringlicher

Mit den Erfahrungen aus Jamaica haben seine Themen an Dringlichkeit und Glaubwürdigkeit gewonnen. Man nimmt ihm seine Anliegen ab. «Ich will keine Phrasen dreschen und Plattitüden verbreiten», sagt er bestimmt. Der Mann hat eine Botschaft.

Phenomden ist ein Missionar für das Gute, schwingt die Moralkeule und nutzt dabei geschickt das Wertevakuum in unserer Gesellschaft. Vor allem bei einem jungen Publikum kommt er mit dieser «Message» und der einfachen, direkten Sprache sehr gut an. «Meine Botschaft kann auch subtil vermittelt werden», sagt Phenomden, «ich will sie aber nicht verschlüsseln oder vernebeln. Meine Stärke ist die klare Sprache, die jeder versteht». Phenomden hofft aber, dass er nicht als Besserwisser verstanden wird. Deshalb richtet er die Moralkeule auch gegen sich selber. «Ich bin überhaupt nicht perfekt», sagt er.

Im Mainstream angekommen

Phenomden ist ein bekennender Linker. Bemerkenswert ist aber, dass seine Botschaften und Aussagen inzwischen im Mainstream angekommen sind. Für einen Song wie den Anti-Bänker-Song «Bandite und Gängschter» erntet er heute kaum Widerspruch. «Ich habe mich nicht verändert», beteuert Phenomden – aber offenbar die Schweiz.

«Eiland» ist erst nach seiner Rückkehr in die Schweiz entstanden. Erstmals ganz zusammen mit der Basler Reggae-Formation «The Scrucialists», mit der er seit 2005 arbeitet. Eine gute Entscheidung, denn die Musik ist ausgefeilter und fetter arrangiert als «Gangdalang» und Bläser sowie Backing Vocals (u.a. mit Brandy Butler) sind besser integriert.

Phenomden selber ist entspannter geworden. Es muss nicht alles geplant sein. «Frei Si» zum Beispiel ist «Zeile für Zeile vor dem Mikro» entstanden. «Ich lasse es mehr fliessen, vertraue meiner spontanen Eingebung», sagt Phenomden, «Jamaika hat mich lockerer gemacht.»

Phenomden Eiland, Nation Music. Live 9. Dez. Rote Fabrik Zürich; 16 Dez. Schüür Luzern; 7. Jan. Kofmehl Solothurn; 13. Jan. Salzhaus Winterthur; 14. Jan. KiFF Aarau; 28. Jan. Rampe Bubikon; 10. Febr. Bierhübeli Bern; 11. Febr. Kaserne Basel; 10. März Galvanik Zug; 17. März Kufa Lyss; 23. März Nordportal Baden.

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