Claude Nobs
Montreux Jazz Festival: Claude Nobs will nicht mehr

Phil Collins wird am 1. Juli das diesjährige Montreux Jazz Festival eröffnen. Ein anderes Grossprojekt geht am 12. Juli mit Pepe Lienhard über die Bühne. Ins Hauptprogramm hat es auch die Westschweizer Band «Solange La Frange» geschafft. Und der Festivalchef Claude Nobs will nun doch nach so vielen Jahren kürzer treten.

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Stefan Künzli,Haut-de-Caux

«Ich mache weiter, bleibe der oberste Chef des Montreux Jazz Festival, doch die operative Leitung übergebe ich meinem Team und vor allem meinem designierten Nachfolger Mathieu Jaton», verrät Claude Nobs dieser Zeitung am Rande der Präsentation des diesjährigen Festivalprogramms in seinem Chalet in Haut-de-Caux hoch über dem Genfersee. «Über 40 Jahre habe ich für das Jazzfestival Montreux gelebt», sagte er bei strahlend schönem Wetter, «ich hatte kaum ein Privatleben, jetzt möchte ich endlich mein Chalet mehr geniessen.»

Die strategische Leitung bleibt aber in seiner Hand. Den Ausschlag für den Rückzug hat seine Gesundheit gegeben. Sein Rücken habe ihm in letzter Zeit «schwer zu schaffen gemacht», weswegen er kurzfristig die Übergabe des Swiss Music Award an Yello im Februar in Zürich sowie die Gala zur Verleihung des Schweizer Filmpreises absagen musste.

«Ich möchte auch mehr Zeit für die Künstler haben», sagt Nobs weiter, «will meine Kontakte nutzen und spezielle Projekte aufgleisen.» Wie zum Beispiel das diesjährige Eröffnungskonzert mit seinem alten Freund Phil Collins, der in Montreux sein Live-Comeback geben wird und sein neues Projekt mit Motown-Sound und anderen Soul-Klassikern geben wird. Es ist die Weltpremiere und das einzige Konzert in Europa. Phil Collins werde dabei nicht nur Schlagzeug spielen, verspricht Nobs, sondern auch sehr viel singen. Das Festival dauert in diesem Jahr mit siebzehn Tagen einen Tag länger und beginnt mit dem Phil-Collins-Konzert schon am Donnerstag, 1. Juli.

Ein anderes exklusives Grossprojekt geht am 12. Juli unter dem Titel «Singing and Swinging» mit dem Aargauer Bandleader Pepe Lienhard und seiner Swiss Army Big Band über die Bühne. Für Lienhard und seine Armee-Band ist das nach dem erfolgreichen Abend zu Ehren von Quincy Jones vor zwei Jahren bereits der zweite grosse Abend in Montreux. «Die Schweiz hat vielleicht nicht die beste Armee der Welt, aber sicher die beste Armee-Big-Band der Welt», sagte dazu Nobs. «Wir stecken noch mitten in der Planung», sagt Lienhard auf Anfrage und verspricht noch einige Überraschungen. Als Gäste haben Roger Cicero, Klaus Doldinger, Max Herre, Joy Denalane, Petula Clark und Kirsty Bertarelli bereits zugesagt.

Ins Hauptprogramm des Auditorium Stravinski und der Miles Davis Hall schaffen es in der Regel nur wenige Schweizer Musiker. In diesem Jahr sind es neben der Swiss Army Big Band die Zürcher Sängerin Sophie Hunger (14. Juli) sowie die Westschweizer Solange La Frange (15. Juli). Ein drittes Grossprojekt findet zu Ehren von Mama Africa, der vor zwei Jahren verstorbenen Miriam Makeba statt (9. Juli). Eine afrikanische Gala mit Sängern und Sängerinnen wie Angelique Kidjo, Youssou N'Dour und Baaba Maal.

Erfreulich gross ist der Jazzanteil: In der Gala Night am 4. Juli präsentieren sich der Pianist Brad Mehldau und die klassische Sängerin Jessye Norman mit Interpretationen von Ellington und Gershwin. Am 7. Juli ist die Pat Metheny Group, am 11. Juli Keith Jarrett mit seinem Trio, am 12. Juli Chick Corea mit Kenny Garrett und Roy Haynes gemeldet. Dazu stellt Montreux-Dauergast Herbie Hancock am 16. Juli sein «Imagine Project» vor, ein neues Programm mit Songs von John Lennon. Bemerkenswert ist auch die Begegnung der Jazz-Pianistin und Sängerin Diana Krall mit dem Rockbarden Elvis Costello am 13. Juli. Die beiden sind verheiratet.

Wie meistens in Montreux ist die Miles Davis Hall auf ein jüngeres Publikum mit neueren Acts ausgerichtet. Zu erwähnen sind in diesem Jahr vor allem die bezaubernde Charlotte Gainsbourg, Vampire Weekend, Jamie Lidell, Broken Bells, Phoenix und Coco Rosie. Dazu gesellen sich arrivierte wie Erykah Badu, Tori Amos.

Die Montreux-Ausgabe 2010 bietet auch mehr Komfort. So ist die Miles Davis Hall durch ein grosszügiges Foyer und mehrere Eingänge publikumsfreundlich aufgewertet worden. Neu gibt es pro Abend höchstens noch zwei Haupt-Acts. Eine clevere Sparmassnahme, die auch die Zuschauer freuen dürfte. Das bedeutet (vielleicht) das Aus für die ebenso legendären wie ermüdenden Konzertmarathons von Montreux.

Montreux Jazz Festival vom 1. bis 17. Juli, Details: www.montreuxjazz.com

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