Passt das zusammen – Kriminelles zur Weihnachtszeit? Seien wir doch mal ehrlich. Die heilige Zeit um Jesu Geburt war so friedlich auch nicht. Man denke nur an König Herodes, der aus Angst um seinen Thron alle neugeborenen Buben in Bethlehem abschlachten liess.

Beliebt sind sie allemal, die Weihnachts-Krimis. Doch ganz so blutrünstig geht es in dem Büchlein «Kerzen, Killer, Krippenspiel» nicht wie damals zu. Aber das Böse hat auch in den 24 Geschichten verschiedener Autoren seinen festen Platz und der Tod ist sehr häufig mit von der Partie.

Unrecht und Verbrechen machen eben auch nicht vor dem Fest der Liebe und des Friedens Halt. So geht es um Erbschleicherei, um die Umschreibung der Weihnachtsgeschichte mit wahrhaftig nicht zimperlichen Methoden. Es geht um Betrug, um Diebstahl, Giftmorde und vieles mehr – hübsch verpackt und meist wenig (oder gar nicht) bekömmlich serviert, wie zum Beispiel in der Geschichte «24 Tödchen» von Catalina Ferrera um einen mit Gift präparierten Adventskalender.

Gisa Pauly erzählt in «Familiengrufti» von Bruder und Schwester, die ihre alten Tanten beerben wollen, ein bisschen nachhelfen und einer von ihnen sich zu guter Letzt mit dem letzten freien Platz in der Familiengruft zufriedengeben muss. «Engelchen flieg» ist eine gemeine, traurige und auch sehr komische Erzählung von Andreas Gössling und handelt von einem 41-jährigen Mann, der sich als heiliger Joseph sieht und schliesslich Engelsflügel bekommt.

«Und wenn die fünfte Kerze brennt...», dann weist Autor Daniel Holbe fünf Weihnachtsmännern den Weg in die Unendlichkeit. Katja Bohnert gräbt ein Beil aus, das kurz vor dem Fest zweckentfremdet wird. Und Judith Merchant backt «Lebkuchen für Elise» mit einem fragwürdigen, selbst hergestellten biologischen Treibmittel.

Kunterbunte Mischung

Ein wenig aus der Art schlägt die anrührende Erzählung «Einmal Ägypten» von Mechthild Borrmann. Es ist der Traum eines alten Mannes, einmal die Pyramiden und die Wüste zu sehen, doch das Geld reicht nie. Alles Ersparte geht für Tochter und Enkel drauf. Dann geschieht ein Wunder, wofür die Weihnachtszeit ja bestens geeignet ist. Sie macht viel Spass, die kunterbunte Mischung von Weihnachtskrimis, die mal skurril, mal makaber, mal frech, mal besinnlich oder komisch sind, die Schadenfreude oder Mitleid aufkommen lassen. Insgesamt haben sich 26 Autoren an der Sammlung beteiligt, die vertikal von Nord- nach Süddeutschland führt und manchmal auch mit regionalen Besonderheiten vertraut macht. Es gab schon in den Vorjahren ähnliche Weihnachtskrimi-Anthologien. Und sicher kann man auch im kommenden Advent mit einer neuen Ausgabe rechnen. (dpa)

Kerzen, Killer, Krippenspiel 24 Weihnachtskrimis vom Nordseestrand zum Alpenrand (Knaur).