Kätle
Kätle: «Ich war ja Frischfleisch»

Mit ihrem Debüt «Heimatland & Stärnehagel» lanciert die bodenständige «Music Star»-Siegerin Katharina Michel ihre Karriere. Mit Volksmusik, viel Blech und Tuba.

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Keystone

Stefan künzli

«I bin es Landei», singt die «Music Star»-Siegerin Katharina Michel, «Landeier läben frijer». Die Zeilen aus dem Song «Landei» sind Programm. Die Berner Oberländerin schlägt auf ihrem ersten Album «Heimatland & Stärnehagel» volkstümliche und volksmusikantische Klänge an und schwelgt in Heimat-Seeligkeit. So wie in «Bärner Oberland»: «Gschnätzed siin mier no us richtigem Holz und da druf, da druf siin mier so stolz - mier vom Bärner Oberland - Heimatland».

«Ich liebe die Berge, meine Heimat, das Berner Oberland», sagt Katharina Michel, «ich habe nichts gegen die Stadt und die Städter, bin aber immer wieder froh, wenn ich wieder nach Hause komme.» Und man glaubt es ihr. Noch nie hatte eine «Music Star»-Gewinnerin ein solch klares Profil. Katharina Michel ist ein bodenständiges, einfaches, aufrichtiges, sympathisches und direktes «Bärner Meitschi» und so soll auch ihre Musik klingen.
Bis zur Veröffentlichung des ersten Albums der diesjährigen «Music Star»-Siegerin hat es ungewöhnlich lang gedauert. Bisher wurde, analog zu den Casting-Sendungen im Ausland, jeweils so schnell wie möglich ein Album auf den Markt geworfen. Man wollte den Schub des Sieges nutzen. Doch Universal Switzerland ist jetzt bewusst von dieser Strategie abgewichen. Man wollte sich Zeit lassen, man wollte nicht wie bei Carmen Fenk und Salome Clausen einen Schnellschuss produzieren.
«Wann kommt dein Album endlich?», wurde Katharina Michel immer wieder gefragt. Manche hatten sie in diesem kurzlebigen Geschäft schon fast vergessen oder sogar schon abgeschrieben. Die Sängerin nahm es mit Berner Gelassenheit: «Ich wollte, dass das Album etwas mit mir zu tun hat, dass die Songs zu mir als Person passen.» Für «Heimatland & Stärnehagel» wurden also nicht irgendwelche Songs von irgendwelchen Hitfabriken eingekauft. Es wurde extra für Katharina Michel geschrieben und getextet. «Alles ist von mir und ich kann hundertprozentig dahinterstehen», sagt sie.

Universal konnte Florian Ast als Produzenten gewinnen. Ein Glücksfall. Auch er ist Berner Oberländer - das passt. «Wir haben sehr viel ausprobiert zusammen, viel Musik gehört, Sachen eingesungen, wieder geändert oder verworfen», erzählt «Kätle», wie sie von ihren Freunden genannt wird. Florian Ast hat die Ideen geliefert und es mit dem Music-Star besprochen. «Ich habe sehr viel dazu beigetragen. Es wurde nichts gemacht, was ich nicht wollte», sagt sie. Ziel war, eine Musik zu finden und zu erfinden, die zu ihr passt und die in der Schweiz noch nicht besetzt ist. Das ist gelungen.

«Landei» zum Beispiel ist ein Country-Bluegrass-Song mit Banjo, der mit einem Polka-Groove von Blechbläsern unterlegt wird. Überhaupt: Das Blech ist charakteristisch für den Michel-Sound. «Ich liebe Bläser», sagt sie. Vor allem Tuba und Posaune haben es ihr angetan. Aber nicht nur «Humpa-Humpa». Auf «Mis Läbe u i» wird der Zuhörer nach New Orleans versetzt und «Fig di» erinnert an den furiosen Balkan-Brass. Dazu räppt «Kät», der Refrain rockt, die Posaune soliert und ein Hackbrett untermalt. Eine abenteuerliche Mischung, aber es funktioniert und ist in ihren besten Momenten originell.
Katharina Michel nutzt die aktuelle Volksmusik-Welle. Gerade Berner Oberländer wie Polo Hofer, Florian Ast selber sowie Plüsch mit Heimweh-Seeligkeit haben immer wieder mit Erfolg volksmusikalische Elemente verwendet. Aktuell ist es sogar der Zürcher Rapper Bligg, der auf «Volksmusig» setzt. Beim Duo Ast/Michel ist es aber mehr als ein Flirt mit der Volksmusik. Sie ist das Fundament, der Humus der Musik. Das Heimatlied «Bärner Oberland» ist einem Schweizer Volkslied nachempfunden, mit Blasmusik und Jodlerchörli. Und mit «Isch mer alles ei Ding» interpretiert und verpoppt das Duo «Kätle» und «Flöru» sogar ein richtiges Volkslied.

Die Creme der Schweizer Musikbranche war in die Produktion involviert: Neben Florian Ast waren es Thomas Fessler, Fred Hermann, Oli Bosch und Philipp Schweidler. «Ich bin stolz und glücklich, dass mir so viele namhafte Cracks geholfen haben», sagt Katharina Michel, «ich war ja Frischfleisch, hatte keine Ahnung.» Herausgekommen ist ein hochprofessionelles Album für eine gute, aber nicht herausragende Sängerin, die vor wenigen Monaten noch als Coiffeuse gearbeitet hat.

Trotzdem ist offen, ob das Album beim Publikum ankommen wird. Denn «Music Star» hat sich bisher klar zwischen Pop und Rock positioniert. Solch starke volksmusikalische Schlagseite dürfte die «Music Star»-Klientel zuerst einmal überraschen. Ob sich die Anhänger des volkstümlichen Schlagers sowie der «ächten» Volksmusik vom Sound begeistern lassen, ist auch sehr fraglich. Die Gefahr, dass sie sich mit ihrem Sound zwischen Stuhl und Bank setzt, ist auch Katharina Michel bewusst. Wie auch immer: «Heimatland & Stärnehagel» ist ein interessantes, spannendes und ehrgeiziges Experiment, das Respekt verdient.

«Music Star» kann ein verbessertes Image gebrauchen. Auch die aktuelle Siegerin hat den schlechten Ruf der Schweizer TV-Sendung erfahren. «Ich selber hatte ja ein schlechtes Bild von ́Music Star ́», sagt sie, «und wenn mich meine Schwester nicht angemeldet hätte, hätte ich nie teilgenommen.» Deshalb hofft sie, dass sie «als Künstlerin» wahrgenommen wird und «man sie und ihre Musik ernst nimmt». Katharina Michel ist der Sieg nicht in den Kopf gestiegen. «Mein grosser Traum ist es, dass ich irgendwann von der Musik leben kann», sagt sie bescheiden. Und nach der Promo-Arbeit wird man Katharina Michel wieder in einem Coiffeursalon im Berner Oberland arbeiten sehen.

Katharina Michel:
Heimatland & Stärenehage, Universal.
www.katharinamichel.ch

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