Dokumentarfilm

Internationale Bühne für eine Basler Filmschaffende

Arami Ullón eröffnet das Dokumentarfilmfestival von Amsterdam.

Arami Ullón eröffnet das Dokumentarfilmfestival von Amsterdam.

Seit acht Jahren lebt die paraguayische Regisseurin Arami Ullón in Basel. Nun erscheint ihr zweiter Dokfilm «Apenas el sol».

Grösser könnte das Schaufenster für diesen Film gar nicht sein. Er eröffnet das Dokumentarfilmfestival von Amsterdam. Und Produzent Pascal Trächslin von Cineworx ist entsprechend aus dem Häuschen: «Diese Ehre, das weltweit grösste Dokumentarfilmfestival eröffnen zu können, gleicht einem Ritterschlag.»

Schon jetzt, vor der Weltpremiere am 18. November, erreichen ihn unzählige Anfragen von Festivals und Verleihern aus der ganzen Welt: «So etwas habe ich noch bei keinem anderen Film erlebt. Ich bin sehr gespannt, wohin die weitere Reise des Films gehen wird.»

Basler Filmpreis für bewegende Mutter-Tochter-Geschichte

Ehrenvoll ist diese Nomination natürlich vor allem für die Regisseurin Arami Ullón und ihre Crew. Bereits ihre erste Langfilmdokumentation «El tiempo nublado» (2014) hatte inter­national grosse Beachtung gefunden und wurde mit Preisen in Nyon sowie mit dem Basler Filmpreis ausgezeichnet.

Darin schildert die in Boston ausgebildete Filmerin höchst persönlich und Kontinente übergreifend die Schwierigkeiten, für ihre kranke Mutter in Paraguay einen Pflegeplatz zu finden. «El tiempo nublado» wird so zu einer bewegenden Mutter-Tochter-Geschichte, zu einem intensiven Dokument von Zuwendung und Ablösung. Ein Kleinod an emotionaler Reflexion voller Zweifel und Zärtlichkeit.

Für ihren neuen Film «Apenas el sol» reist Arami Ullón wiederum in ihre alte Heimat Paraguay und erforscht dort das Leben des bedrohten indigenen Volkes der Ayoreo, die als Nomaden in den Trockenwäldern und Dornbuschsavannen des Chaco leben.

Ein Film, der unter die Haut geht

Im Zentrum des Films steht der Ayoreo Mateo Sobode Chiqueño, der seit seiner gewaltsamen Vertreibung aus dem paraguayischen Chaco in den 1970er-Jahren Geschichten, Lieder und Zeugnisse seines Volkes sammelt. «So gibt der Film diesem vom Aussterben bedrohten Volk eine Stimme, die tief unter die Haut geht und implizit Fragen stellt, die weit über das Schicksal der Ayoreo hinausgehen», betont Produzent Trächslin.

«Apenas el sol» scheint gleich mehrfach den Nerv unserer Zeit zu treffen. Es geht um tief verwurzelten Rassismus, um Landraub, um die Widerstandskraft der Kultur, um die Rolle der Religion bei der Ausrottung des Fremdartigen. Mit einem alten Kassettenrekorder bereist Mateo die weit verstreuten trostlosen Siedlungen im trockenen und staubigen Chaco und versucht, das Erbe einer verschwindenden Kultur bei den letzten Überlebenden zu sichern.

Sie alle wurden wie er im riesigen Wald geboren, frei, nomadisch und ohne jeden Kontakt zur weissen Zivilisation – bis Missionare sie zwangen, ihr angestammtes Territorium, ihren Glauben und ihre Heimat zu verlassen.

Die schweizerisch-paraguayische Ko-Produktion «Apenas el sol» (Nichts als die Sonne) kommt im Herbst 2021 in die Schweizer Kinos.

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