Freilichttheater Gurten
Holzers Bauern-Peepshow - bis die Swissness-Blase platzt

Das Freilichttheater Gurten zeigt «Holzers Peepshow». Die gelungene Parodie steigert sich zu abstrusem Irrsinn und endet nachdenklich. Das Stück von Makrus Köbeli hat eine ausgezeichnete Theatermechanik.

Peter Steiger
Drucken
Familie Holzer Hinten, v.l.n.r.: Maud Koch als Tochter Anna, Theo Schmid als Vater Hans, Markus Maria Enggist spielt Sohn Hans Junior, Hanny Gerber als Mutter Martha und vorne: René Blum als Grossvater Hans Senior
7 Bilder
Vater, Tochter und Sohn im Gespräch. Weil die Bauernfamilie zu wenig Geld hat, stellen sie sich für Touristen und Besucher des Berner Hausbergs selber dar.
Handys und Smartphones gibt es in dieser Welt nicht.
Die Familie macht bei einem TV-Casting mit....
Holzers Peepshow, aufgeführt vom Theater Gurten
Kritischer Blick aus dem Fenster: Markus Maria Enggist und Maud Koch

Familie Holzer Hinten, v.l.n.r.: Maud Koch als Tochter Anna, Theo Schmid als Vater Hans, Markus Maria Enggist spielt Sohn Hans Junior, Hanny Gerber als Mutter Martha und vorne: René Blum als Grossvater Hans Senior

Michael Meier

23 Jahre alt ist das Stück von Makrus Köbeli, und man könnte meinen, es sei gestern geschrieben worden als Antwort auf die aktuellen Realityshows, bei denen die TV-Zuschauer das vermeintlich echte Leben vorgesetzt bekommen.

Die Bauernfamilie Holzer vermarktet sich selber. Weil Kuh und Co. nichts mehr einbringen, zieht sie vor Touristengruppen ihre Swissness-Show ab. Der Vater (Theo Schmid) schultert das Gewehr. Die Mutter (Hanny Gerber) serviert Suppe. Der Sohn (Markus Maria Enggist) jodelt. Die Tochter (Maud Koch) versucht sich als Heidi. Der Ätti (René Blum) dämmert seinem Tod entgegen. Holzers pumpen die Swissness-Blase immer mehr auf, bis sie platzt.

Hingucker und Herhörer

Das vorgespielte Bauernidyll lässt die Familie real auseinanderbrechen. Regisseurin Livia Anne Richard hat das ursprünglich nur mit fünf Personen besetzte Werk zu einem grossen Freilichtspiel mit insgesamt zwei Dutzend Akteuren erweitert. Sie betont die Nähe zu den TV-Formaten, indem eine Fernsehequipe auftritt. Das ist unnötig: Es bremst die Geschichte. Und es ist abgelutscht: Parodierte TV-Szenen sind in der komischen Branche allzu häufig, als dass sie noch echt verblüffen. Die anderen Ergänzungen überzeugen. Die Touristen, die das Spektakel bestaunen, sind Hingucker und Herhörer. Sie zappeln und schnattern als Deutsche, Italiener, Japaner, Holländer, Engländer und Amerikaner.

Richards Bearbeitung bremst diese nicht, sondern lässt das Geschehen munter und schnell rollen. Die Dialoge sind witzig, die Szenen greifen elegant ineinander über. Das Spiel steigert sich zu abstrusem Irrsinn und endet dann eher nachdenklich. Die Darsteller der Familie Holzer dürfen schlechte Schauspieler verkörpern. Das ist immer lustig. Hier kommt dazu, dass sie sich erst zu überdrehten Comicfiguren entwickeln müssen und schliesslich als leidgeprüfte Menschen anrühren sollen.

Das fünfköpfige Kernteam schafft das ausgezeichnet. Theo Schmid ist als Vater derart bodenständig, dass er am Boden kleben bleibt. Hanny Gerber darf als Mutter als Einzige Gefühle zeigen und greift dem Publikum damit ans Herz. Hank Shizzoe hat die Musik zum Stück geschrieben. Schöne Musik. Schade ist bloss, dass anders als bei früheren Gurten-Produktionen nur Tonkonserven das
Publikum beschallen.

Freilichttheater Gurten Vorstellungen bis Sa, 25. August. Vorverkauf 031 901 38 79 www.theatergurten.ch