Kunstprojekt Hafenkran am Limmatquai
Hafendrehkran zum Mieten gesucht

Wo findet man einen günstigen Hafenkran? Und wie beschafft man sich eine Ladung Hafenpoller? Diese Fragen beschäftigen die Urheber des Kunstprojekts «zürich-transit-maritim».

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Limmattaler Zeitung

Martin Reichlin

Für ihn sei die Beschaffung eines echten, turmhohen Portal-Hafendrehkrans «Neuland», gibt der Zürcher Künstler Jan Morgenthaler zu. Gemeinsam mit der Iranerin Fariba Sepehrnia, der Baslerin Barbara Roth und dem Zürcher Martin Senn hat Morgenthaler von der Stadt Zürich den Auftrag erhalten, das Limmatquai mit einem Kunstprojekt zu beleben.

Die Idee der Künstlergruppe: Über mehrere Etappen hinweg wird am rechten Limmatufer erst eine Reihe von 500 Kilogramm schweren Hafenpollern entdeckt, später das Skelett des besagten Hafenkrans. Schliesslich sollen aus der Ferne auch noch die tiefen Klänge eines Schiffshorns ertönen, bevor die ganze Installation nach rund einem Jahr langsam wieder verschwindet.

Hafenkran wird angemietet

Woher aber kommt nun der Hafendrehkran, der nach der Dramaturgie des Quartetts in etwa zwei Jahren am Limmatquai «entdeckt» und aufgebaut wird? Jan Morgenthaler zögert mit der Antwort und weist darauf hin, dass ein Theaterregisseur auch nicht vor der Premiere verrate, wie die Kostüme seiner Stars aussehen werden.

Schliesslich lässt sich der Künstler aber doch kurz in die Karten gucken. Die Hafenpoller würden von der Gruppe selbst hergestellt, «wie Theaterrequisiten», so Morgenthaler. Für die Beschaffung des Krans dagegen habe man sich der Hilfe einer international tätigen Kranfirma versichert. Sie suche auf dem Weltmarkt nach einer Hebemaschine aus den 60er-Jahren, ästhetisch dem Modell ähnelnd, das für die Fotomontage (rechts) verwendet wurde.

Solche Geräte würden in den Hochseehäfen der Industrienationen konsequent durch moderne, mobile Kräne ersetzt und häufig in Schwellenländer exportiert. Sei das passende Gerät gefunden, werde der Kran aus Versicherungs- und Entsorgungsgründen angemietet, nicht gekauft.

Projekt gut auf Kurs

Zeitdruck bei der Beschaffung des Hafenkrans gebe es nicht, so Morgenthaler. Derzeit werde das Baugesuch für «zürich-transit-maritim» fertig gestellt und eingereicht. Am 19. August folge die gesetzlich vorgeschriebene Aussteckung und die öffentliche Auflage der Gesuchsunterlagen. Bis Ende Jahr könnte das Projekt schliesslich bewilligt sein, falls es nicht durch Einsprachen aufgehalten werde.

Damit rechnet der Künstler allerdings nicht. Dem anfänglichen Protestgeheul vor allem aus SVP-nahen Kreisen zum Trotz würden die Anwohner die Qualitäten des Projekts erkennen, je länger sie sich damit auseinander setzten. Morgenthaler: «Ich habe ein gutes Gefühl. Wir sind auf Kurs.»

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