Er sieht aus wie Gott. Oder zumindest so, wie Kleinkinder sich den Schöpfer vorstellen. Ein Gottessucher ist Roland Buser in gewissem Sinne auch, aber nicht im theologischen. Der Philosoph und Astronom hat sein Leben der Erforschung des Universums gewidmet. Er sagt: «In den Himmel schauen heisst, in die Vergangenheit, Richtung Ursprung der Welt zu blicken.»

Der Kanton Baselland hat den 73-jährigen Wissenschaftler gestern mit dem Kulturpreis in der Höhe von 25 000 Franken ausgezeichnet. Er verstehe es wie kein Zweiter, die Entwicklung der Menschheit aus kulturhistorischer Sicht in die grundlegenden Dimensionen von Raum, Zeit und Materie einzubetten, schreibt die Jury zu ihrem Entscheid. Esther Roth, Leiterin der Kulturfachstelle Baselland, sieht die Entscheidung denn auch im Zeichen eines erweiterten Kulturbegriffs.

Für den Preisträger greift die simple Trennung von Kultur und Wissenschaft sowieso zu kurz. «Dieser Preis ist eine tolle Sache und freut mich sehr», sagt Buser. «Wissenschaft und Kultur sind nicht zwei paar Stiefel. Ursprünglich gehörten die beiden Disziplinen zusammen. Erst im Laufe der Zeit haben sie sich verselbstständigt.» Die grosse Klammer sei die Kultur. Die Wissenschaft leiste einen Beitrag zu dieser.

Ein Leben an der Universität

In den Sternenhimmel zu schauen hat für Buser bereits als Kind etwas erhaben Geheimnisvolles. Infiziert habe ihn sein Vater, seines Zeichens Lehrer in Sissach. «Er hat mir die Sternbilder gezeigt und mir die dazu gehörenden Sagen erzählt.»

Nach der Matura beschliesst Roland Buser in Basel Astronomie zu studieren, aus philosophischem Interesse, wie er sagt. Nach dem Studium erhält er die Gelegenheit, seine Forschungen in Kalifornien zu vertiefen. Während dreieinhalb Jahren arbeitet er an der University of California in Berkeley und am California Institute of Technology. Danach wird die Universität Basel zum Mittelpunkt seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit.

Er gründet Familie, wird Vater einer Tochter und eines Sohnes. Er arbeitet als Gastprofessor in Frankreich und als wissenschaftlicher Berater in Baltimore. Er ist an den Forschungen mit dem Hubble-Teleskop beteiligt. 2008 wird, zu seiner und vieler anderer Überraschung der Lehrstuhl für Astronomie an der Universität Basel abgeschafft. «Wir wurden zu einer verzichtbaren Spezies», sagt der emeritierte Professor rückblickend.

Mit «Spezies» meint er jenen Typ Wissenschaftler, dessen Forschung nicht primär auf praktischen Nutzen und Kommerzialisierung zielt. Sein Metier war immer die Verknüpfung der Astronomie mit philosophischer Erkenntnis und die Vermittlung derselben. «Man hat mich deswegen auch schon Paradiesvogel genannt.»

Alltagssprache ist gefragt

«Wir Wissenschaftler sollten nie vergessen, dass auch wir einmal mit dem Staunen angefangen haben. Die Herausforderung ist, die neuen Erkenntnisse in Alltagssprache zu übersetzen», sagt Buser.

Ihm ist klar, dass das heutige Weltbild der Astronomie so reichhaltig und facettenreich ist, dass eine Gesamtschau schwierig ist. Und doch führe kein Weg darum herum, diese letztendlich in der Kultur zu verankern.

Lichtjahre, Raumzeit, die Entstehung der Materie, schwarze Löcher, schwarze Energie und Raumkrümmung: alles Dinge, welche die Vorstellungskraft fordern oder überfordern. Was ist für ihn, der sich über 40 Jahre dem Kosmos gewidmet hat, die Quintessenz seiner Arbeit?
«Mir wurde klar, dass die Welt eine kontinuierliche Entwicklung ist vom Urknall von vor 15 Milliarden Jahren bis heute», erklärt Buser. «Von den einfachsten Wasserstoffverbindungen bis zu derart komplexen Strukturen, wie wir Menschen es sind. Strukturen, die Denken und Empfinden können.»

Der Mensch als Krone der Schöpfung also?
«Wir gebärden uns gerne so, als ob wir die Krönung der Schöpfung seien. Dabei sind wir hochgradig entwicklungsbedürftig. Das Leben ist kein Schaulaufen und Zuckerschlecken, sondern viel kontinuierliche Arbeit», so Buser. Mit Menschsein sei nicht einfach ein sorgenfreies Leben gemeint. Im Gegenteil: Unser Leben und unsere Entwicklung fordere von uns enorm viel Arbeit.

Buser sieht uns Menschen nicht als Endprodukt, sondern als Zwischenstadium einer universellen Entwicklung. «Es reicht nicht, was wir bereits gemacht haben. Wir bewegen uns derzeit zu stark auf der Oberfläche des Machbaren. Wir vernachlässigen Wesentliches. Kultur heisst ja Pflege. Mangels Pflege ist es gut möglich, dass unsere Geschichte kein gutes Ende nimmt.»

Doch der bärtige Mann ist kein apokalyptischer Prediger in der Wüste des Konsums. Vielmehr spricht er von der Schönheit, die er durch seine Tätigkeit erfahren durfte. Für ihn ist das Weltall, durch das wir alle sausen, kein kalter, unwirtlicher Raum. «Der Kosmos ist uns nicht fremd, im Gegenteil. Er ist unsere Herkunft, unsere Heimat. Wir bestehen schliesslich aus Sternenstaub.»

Und bevor er zur Preisverleihung nach Laufen fährt, an der er, der Wissenschaftler, den Kulturpreis entgegennimmt, sagt er noch: «Das Wichtige ist schliesslich die Horizonterweiterung.»