PR-Aktion
Ein Picasso direkt über dem Futtertrog – warum das Gemälde in einem Wettinger Bauernhof hängt

Die Fondation Beyeler verlieh für einen Tag ein echtes Gemälde des Meisters. Näher beim Volk war es nie.

Daniel Faulhaber
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Grosser Bahnhof beim Aargauer Bauer Hanspeter Benz in Wettingen: In seiner Scheune hängt jetzt ein kapitaler Picasso.
20 Bilder
Der Wettinger Bauer Hanspeter Benz hat den Wettbewerb #MyPrivatePicasso, eine Werbe-Aktion des Museums Fondation Beyeler in Riehen zusammen mit der Swisscom, gewonnen.
Für Bauer Benz war klar, dass er das Bild in seiner Scheune aufhängen wollte. Diese Idee verhalf ihm zum Gewinn des Wettbewerbs.
Für die Hängung zeichnen die Spezialisten der Fondation Beyeler verantwortlich. F
Diese hat in den Bilderrahmen diverse Sensoren eingebaut.
So wird etwa die Raumtemperatur konstant überwacht.
Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle.
Und sollte Bauer Benz auf die Idee kommen, mit dem Bild abzuhauen, käme er nicht weit:
Die kleinste Bewegung wird registriert und übermittelt.
Auf das Risiko angesprochen, ein solches Werk in einen fremden Stall zu geben, sagte Museumsdirektor Sam Keller schon im Vorfeld:
Picasso in Wettingen
Und so hängt das unverkennbare Meisterwerk aus dem Jahr 1939, das die Künstlerin und Muse Dora Maar zeigt, nun in der Wettinger Scheune von Bauer Hanspeter Benz.
Ausstellungskurator Raphaël Bouvier, Diana Widmaier-Picasso und Hanspeter Benz vor dem Gemälde, dessen Marktwert sicher im zweistelligen Millionenbereich sich befindet.
Diana Widmaier-Picasso und Hanspeter Benz.
Diana Widmaier-Picasso, anlässlich der Aktion #myprivatepicasso von der Fondation Beyeler und Swisscom wird das Werk „Buste de Femme au Chapeau (Dora)“ 1939, für 24h im ehemaligen Kuhstall auf dem Bauernhof von Hanspeter Benz in Wettingen ausgestellt.
Hanspeter Benz steht dem Fernsehsender SWR Rede und Antwort.
Diana Widmaier-Picasso, anlässlich der Aktion #myprivatepicasso von der Fondation Beyeler und Swisscom wird das Werk „Buste de Femme au Chapeau (Dora)“ 1939, für 24h im ehemaligen Kuhstall auf dem Bauernhof von Hanspeter Benz in Wettingen ausgestellt.
Der Zustand des Gemäldes Buste de Femme au Chapeau (Dora)“ 1939, von Picasso wird fortlaufend von Sensoren überwacht.
Diana Widmaier-Picasso, links, mit Michaela und Hanspeter Benz und den Töchtern Amie (mit Brille) und Shannon.
Diana Widmaier-Picasso, anlässlich der Aktion #myprivatepicasso von der Fondation Beyeler und Swisscom wird das Werk „Buste de Femme au Chapeau (Dora)“ 1939, für 24h im ehemaligen Kuhstall auf dem Bauernhof von Hanspeter Benz in Wettingen ausgestellt.

Grosser Bahnhof beim Aargauer Bauer Hanspeter Benz in Wettingen: In seiner Scheune hängt jetzt ein kapitaler Picasso.

SEVERIN BIGLER

Picasso kommt kurz nach elf Uhr im weissen Iveco-Lieferwagen aufs Gehöft der Familie Benz gerollt. Und Hanspeter «Hampi» Benz raucht aus, wischt die Hände im Aufstehen an der Hose trocken und stemmt sie stramm in die Hüfte. «So, da haben wir ihn also», sagt Benz, und schaut zu, wie der Lieferwagen den Picasso, seinen Picasso, vor der Scheune parkiert.

Hanspeter Benz hat gewonnen. Unter #myprivatepicasso hat er an der Verlosung teilgenommen, mit der die Fondation Beyeler und Swisscom nach einem Gastgeber für das Bild «Buste de Femme au Chapeau» (Dora) aus dem Jahr 1939 suchten.

Eine PR-Aktion für sichere Vernetzung. Gastgeber Picassos für einen Tag, das wärs, dachte Benz. Und warf seinen Stall ins Rennen um die originellste Idee für einen Ausstellungsort.

«Als dann das Telefon geklingelt hat, war der Hampi ganz aufgeregt», sagt seine Frau, Michaela Benz, «und ich dachte erst, da gehts bestimmt ums Fleisch, das muss der Metzger sein.» Es war nicht der Metzger. Das Gehöft Benz in 5430 Wettingen AG ist ab heute bekannt für Rinderzucht, Ackerbau und seinen Picasso im Stall.

Erst muss gebohrt werden

Dort hängt die «Buste de Femme au Chapeau» kurz vor Mittag überm Futtertrog, erst mussten noch die Löcher für die Haken gebohrt werden. Die spezielle Form des Gesichts, der Hut, die blassen Farben, «das alles entfaltet hier eine ganz eigentümliche Wirkung», sagt Diana Widmaier Picasso in das geschäftige Klicken der Fotoapparate hinein. Die Enkelin des weltberühmten Künstlers ist extra für eine Stippvisite aus Rom eingeflogen, sie mache dort Ferien, fliege später auch gleich wieder zurück, sagt sie.

«Können Sie das bitte bitte festhalten», ruft sie den Fotografen zu, als vorne Hanspeter Benz unter der Dora posiert, «das ist wirklich fabelhaft, can I take a picture with you?»

In ihrer Hand schillert eine Clutch von Dior, sie strahlt, während Hampi Benz im karierten Hemd seine Zwillingstöchter Amie und Shannon ins Bild dirigiert. Aber die Frau fehlt, wo ist Michaela? «Ist sie schon eifersüchtig?», fragt Diana Picasso schelmisch und kichert, aber Benz hat nicht recht zugehört, er steht auf den Zehenspitzen am Fenster zum Hof und ruft: «Michi, chuum, es git es Fötteli!»

Klimanlage im Stall

Damit dem kostbaren Bild nichts passiert, hat die Swisscom dem Rahmen eine ganze Batterie von Sicherheitsvorkehrungen eingebaut, zusätzlich geht draussen ein Wachmann mit seinem Dobermann umher. Er hat Arme, dick wie Birken. Im Stall stehen weisse Klimaanlagen neben den kleinen Packen Anfeuerholz, die die Benzens zur Dekoration herbeigeschafft haben.

Auf den Festbänken stehen Osterglocken, an der Decke klebt ein Schwalbennest, es riecht nach Gülle. Näher beim Volk war dieser Picasso wahrscheinlich noch nie.

Shannon Benz, eine der Töchter, beobachtet den Medienaufmarsch mit grossen Augen. Sie könne auch Zeichnen, sagt sie, «aber ich habe einen anderen Stil. Ich zeichne lieber mit Bleistift». Das Picasso-Gemälde gefällt ihr. Es sei «speziell», das schon, aber sie habe schon ganz andere Sachen gesehen, über die die Leute sagten, sie seien Kunst.

Vor dem Stall trudeln derweil weitere Gäste ein, es sind Freunde, Verwandte, Bekannte der Benzens aus dem Dorf. Jeder will einen Blick auf die Sensation erhaschen. Das Gemälde bleibt für 24 Stunden in der Obhut des Gehöfts, das sich für diese Zeitspanne in eine Sicherheitshochburg verwandelt. Dann ist der Spuk vorbei und Picasso reist zurück in die Fondation Beyeler nach Riehen.