Langenthal
Das ist Kultur für alle Altersklassen

Bei Sonne und heissen Temperaturen fand dieses Wochenende das Wuhrplatzfest statt. Musik, Tanz, Literatur, Film und kulinarische Köstlichkeiten boten den zahlreichen Besuchern ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit hohem Unterhaltungswert.

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Wuhrplatzfest

Wuhrplatzfest

az Langenthaler Tagblatt

Quentin Schlapbach

«Wir wollen keine Jungen mehr, sondern nur noch alte und angenehme Leute.» Mit diesen Worten sorgte Kulturchef Markus Heiniger bereits bei der Begrüssung am Donnerstag für die ersten Lacher des Abends. Ob dieser Wunsch nun ernst oder sarkastisch gemeint war, oblag der Interpretation der Zuschauer, jedoch zog das viertägige Kulturfest Besucher aus allen Altersklassen an, so dass sein Wunsch nicht in Erfüllung ging.

Der Auftakt der Veranstaltung gehörte den Slam-Poeten, welche mit ihren kreativen und manchmal auch zum Nachdenken anregenden Texten für viel Begeisterung und Applaus sorgten. Die Lesungen des «Chrämer-Slam-Deluxe» waren aber nicht nur poetisch, sondern vor allem auch witzig. So erfuhren die Besucher, wieso eine Poetin unbedingt in die Réduit-Sendung des Schweizer Fernsehens will, um sich vor der Schweinegrippe zu schützen, oder eine andere Leserin sich bei ihrer Mutter bedankte, dass sie von ihr nie eine Barbiepuppe bekam und deshalb nicht magersüchtig geworden ist oder wieso es schön ist, schön zu reden ohne Schönzureden.

Mit dem Auftritt von David Kohler, bekannt als Hip-Hop-Künstler Knackeboul, wurde dann aus einer Lesung ein Rap-Konzert. Anhand von emporgehobenen Gegenständen der Zuschauer fertigte der Rapper mit viel Witz und Spontaneität minutenlang unzählige Reime, ohne dabei eine Pause einzulegen.

Vielfältiges Musikprogramm

Die Abende des Freitag und Samstag standen ganz im Zeichen der Musik. Bands mit unterschiedlichen Stilrichtungen brachten das Publikum am Freitag mit ihren Riffs und Beats zum Tanzen. Eine davon war «Theos Fried Chicken Store», eine vierköpfige Band aus Biel, welche mit ihrer Mischung aus Rock und Swing an Elvis Presley und andere Grössen des Rock'n'Rolls erinnerte. Ihr Bühnenbild bestand aus leeren Benzinkanistern und einer leuchtenden Sirene, welche die Bandmitglieder, die in Mechanikeranzügen auftraten, in ein rotes Licht hüllte. Am späten Abend sorgte die Zürcher Band «Saalschutz» für noch mehr Tanzfieber. Der dumpfe Bass fegte hämmernd über den Wuhrplatz und verlieh ihrer Elektromusik die nötige Durchschlagskraft.

Am Samstagabend ging das Gehüpfe und Getanze vom Vortag nahtlos weiter. «Mad Manoush» überzeugten mit ihrer Zigeunermusik und vermittelten den Zuschauern mithilfe von Akkordeon, Geige und Kontrabass ein leichtes Lebensgefühl. Nach ihrem Auftritt in Langenthal reiste die Band aus Wohlen gleich weiter ins Wallis, um am Open Air Gampel aufzutreten. Das Konzept des Organisationskomitees, nämlich voll und ganz auf einheimische Bands zu setzen, ging auf jeden Fall auf.

Kulinarisches aus aller Welt

Am Samstagnachmittag prägte buntes Markttreiben die Szenerie. Re Lüdi verkaufte an ihrer Antiquitäteninsel preiswerte Gegenstände für den Haushalt zugunsten des Kulturvereins Langenthal. Rund herum formierten sich die Stände des Kunsthandwerkermarktes, wo die Produktepalette von selbst gemachtem Schmuck über geflochtene Körbe bis zu kunstvollen Pflanzenarrangements reichte. Auch Kinder verkauften an einzelnen Ständen ihre alten Plüschtiere und Kinderbücher und machten so erste Erfahrungen im Geschäftemachen. Die Pfadi Langenthal organisierte für die kleinen Besucher zudem einen Bastelstand, wo sie zusammen mit den Kindern eine Marmelbahn aus Karton, Farbe, Holz und Nägeln fertigten. Auch kulinarisch wurden die Kinder verwöhnt, denn über einem Feuerofen konnten sie gratis Steckenbrot bräteln.

Sowieso war das ganze Festareal während der vier Tage ein gefundenes Fressen für Liebhaber der exquisiten Küche. So gab es einen Stand wo Spezialitäten aus Sri Lanka angeboten wurden oder auch Crêpes, Antipasti und Salat an der Theke des Chrämerhuus. Am Sonntagmorgen fand traditionell ein ausgiebiger Brunch statt, an dem die Besucher die letzten Stunden des Festes ausklingen lassen konnten. Auch musikalisch hatte der Sonntag einiges zu bieten: Stahlberger, die Newcomer aus St. Gallen, verzauberten das Publikum mit ihren gesellschaftskritischen Texten und träumerischen Melodien und sorgten für einen würdigen Abschluss.