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Bettagstradition stärker als Gesetz

Bettagsfeier: Der Wynentaler Traditionsanlass wurde witterungsbedingt vom Homberg ins Kirchgemeindehaus Reinach verlegt. (to)

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Bettagsfeier: Der Wynentaler Traditionsanlass wurde witterungsbedingt vom Homberg ins Kirchgemeindehaus Reinach verlegt. (to)

Das Bettagswochenende war ruhiger als andere. Daran ist die Tradition und nicht mehr das Gesetz schuld. Bis 1997 waren am Bettag im Aargau Tanz- und Sportveranstaltungen untersagt. Jetzt ist nur noch das Schiessen verboten.

Toni Widmer

Vor 29 Jahren kannte der Wirt im Hermetschwiler «Waldheim» auch für die am Bettag-Samstag angesagte Hochzeit kein Pardon: «Am Bettag darf, wie an allen hohen Feiertagen, am Vorabend ab 20 Uhr nicht mehr getanzt werden. Zudem ist um Mitternacht Feierabend. Es gibt keine Verlängerung.» - Auf inständiges Flehen der Braut hat sich der damalige Bremgarter Bezirksamtmann Josef Waldmeier erbarmt und Tanzmusik sowie eine Stunde Verlängerung genehmigt - jenes Hochzeitsfest im «Waldheim» war gerettet.

Vorschriften gelockert

In wenigen Schweizer Kantonen, zum Beispiel in der Innerschweiz, gilt das Verbot von Tanz- und Sportveranstaltungen an hohen Feiertagen bis heute. Im Kanton Solothurn sind auch Theater- und Kinovorstellungen sowie Konzerte verboten. Ausgenommen ist die Aufführung von ernsten Werken.

Im Aargau sind die Bestimmungen mit der Revision des Gastgewerbegesetzes 1997 gelockert worden. Verboten sind am Bettag und anderen hohen Feiertagen nur noch Schiessanlässe, geblieben ist allerdings die Polizeistunde. Eine Viertelstunde nach Mitternacht ist Schluss. Für Ausnahmebewilligungen, die es in begründeten Fällen gibt, sind heute nicht mehr die Bezirksämter, sondern die Gemeinden zuständig.

Nach wie vor ist es am Bettagswochenende im Aargau recht ruhig. Der Veranstaltungskalender wird überwiegend von kirchlichen Anlässen geprägt. Die Sportvereine, auch die Fussballklubs, sind trotz geänderter Gesetzgebung bei ihrer Tradition geblieben, Veranstaltungen und Spiele auf Samstag zu verlegen. Auch verschiedene Tanz- und Partylokale hatten am Wochenende geschlossen.

Vom Staat verordneter Feiertag

Der Bettag ist kein katholischer, sondern ein vom Staat verordneter, überkonfessioneller Feiertag. Die Tradition entstand im 16. Jahrhundert aus dem politischen Bestreben heraus, den wackligen Religionsfrieden im jungen Staatsgebilde durch gemeinsames Gebet zu stärken. Erstmals offiziell gefeiert wurde er am 8. September 1796. 1832 erreichte der Aargau mit einer Initiative bei der Eidgenössischen Tagsatzung die Festsetzung des Bettages auf den dritten Sonntag im September. Lange verfassten die Kantonsregierungen jeweils so genannte Bettagsmandate, in denen politische, wirtschaftliche und soziale Themen aufgegriffen wurden. Der Aargau gehört zu den wenigen Kantonen, die das bis heute tun.

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